Was der­zeit beim großen FC Bayern Mün­chen pas­siert, kommt fast einer Kul­tur­re­vo­lu­tion gleich. Das Mia san Mia“, die das Selbst­ver­ständnis an der Säbener Straße beschrei­bende Phrase, meinte nicht nur eine immer etwas über den Dingen ste­hende Hal­tung – irgendwo zwi­schen Arro­ganz und tat­säch­li­cher Über­le­gen­heit pen­delnd. Es beschrieb auch ein Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl, eine Abschot­tung nach außen. Auf den Rekord­meister konnte sich noch jeder Fan eines anderen Bun­des­li­gisten als Feind­bild einigen, und so stand die baju­wa­ri­sche Familie stets beson­ders eng zusammen, um sich dieser oft aus Neid gespeisten Atta­cken zu erwehren.

Damit scheint es, zumin­dest vor­erst, vorbei. Im Heim­spiel gegen Borussia Mön­chen­glad­bach ging ein Teil der Allianz Arena auf die Bar­ri­kaden. Beim Neuer-Deal fühlt sich die Süd­kurve, dort, wo die äußerst aktiven Ultras der Schi­ckeria“ stehen, über‑, im Ringen um finan­zi­elle Hilfen für die Löwen sogar hin­ter­gangen. Dieser Unmut äußerte sich gegen Glad­bach auf dras­ti­schen Pla­katen: Neuer im Tor ist für uns wie Trainer Daum + Manager Lemke für dich“ stand da, oder Blaue Schweine schlachtet man und rettet sie nicht. Und du willst Metzger sein, Uli?“ Ein ver­baler Tief­schlag, der Bay­erns Manager Chris­tian Ner­linger nach Spie­lende in Rage brachte: Eine Schande für den FC Bayern, wie sich Teile der Fans ver­halten haben gegen einen Mann, der in den letzten 30 Jahren nichts anderes im Kopf und im Herzen gehabt hat als den FC Bayern.“

Das Sta­dion als letzte Pro­test­platt­form

Dabei hätten sie gar nicht allzu ver­wun­dert sein müssen, die Mäch­tigen, ob der offen­siver denn je for­mu­lierten Anfein­dungen gegen Uli Hoeneß. Seit dessen Aus­raster 2007 hat die Fan­szene einen neuen Akti­vismus für sich ent­deckt, der in der jüngsten Eska­la­tion mündet. Und weil der Verein, wie von der Schi­ckeria“ und anderen Gruppen moniert, einen direkten und basis­de­mo­kra­ti­schen Aus­tausch hinter den Kulissen scheut, nutzt der Anhang nun die ein­zige Bühne, die ihm bleibt: das Sta­dion. Die Chro­no­logie einer Ent­frem­dung. In der 11FREUNDE-Bil­der­ga­lerie.