Werner Weist, vor dem Derby zwi­schen Schalke und dem BVB sind Sie sicher ein gefragter Mann.
Werner Weist: Ja, das stimmt schon. Der ein oder andere hat da ein paar Fragen.

Sie wurden in Dort­mund geboren, lernten das Fuß­ball spielen beim Kreis­li­gisten Sport­freunde 08 und wech­selten 1966 zum BVB. Heute arbeiten Sie als Leiter des Fan­ar­tikel-Außen­ver­kaufs beim Erz­ri­valen Schalke 04. Ganz ehr­lich, wird Ihnen nicht mulmig, wenn Sie mor­gens in eine Halle voller königs­blauer Tri­kots und Schals kommen?
Werner Weist: Natür­lich war das am Anfang ein biss­chen komisch für mich. Aber jetzt bin ich glück­lich, hier zu arbeiten. Ich bin Dort­munder und werde es auch immer bleiben, aber ich bin genauso froh, dass Rudi Assauer mir damals die Chance gegeben hat, beim FC Schalke etwas Neues auf­zu­bauen.

Wie kam der Kon­takt zu Assauer zustande?
Werner Weist: Wir haben damals schon in Dort­mund zusammen gespielt und der Rudi hat seine Freunde nie ver­gessen. Wir hatten immer Kon­takt und 1996 rief er mich dann an und fragte: Werner, willst Du zum FC Schalke kommen?“

Wie haben Sie reagiert?
Werner Weist: Ich hab mir erstmal ange­hört, ob der mich ver­äp­peln will. Aber er hat mir erklärt, dass im Bereich Mer­chan­di­sing eine Stelle frei wird und ich mir da etwas auf­bauen kann. Da über­legt man nicht lange. Ich habe zuge­sagt.

Das Mer­chan­di­sing steckte 1996 noch in den Kin­der­schuhen. Wie sah Ihre Arbeit zu Beginn aus?
Werner Weist: Das Angebot war auch jeden Fall über­sicht­lich. Es gab fünf Schals, zwei Tri­kots, ein paar Wimpel und natür­lich Auf­näher. Wenn ich sehe, was es heute alles zu kaufen gibt, frage ich mich auch manchmal, warum wir nicht früher darauf gekommen sind.

Müssen Sie sich denn ab und an auch mal dumme Sprüche anhören, wenn es um Ihre Her­kunft geht?
Werner Weist: Gefrot­zelt wird natür­lich immer, da ist es das Beste, wenn man dann ein­fach zurück frot­zelt. Ich habe mich nie ver­stellt und irgendwem erzählt, ich hätte plötz­lich ein blau-weißes Herz. Das würde mir auch keiner abnehmen. Aber böse und aggressiv ist mir gegen­über nie jemand geworden. Aber es gab immer mal ein paar Spinner, die mir das Auto zer­kratzt haben, weil ich mit dem Dort­munder Num­mern­schild am Sta­dion geparkt habe.

Seitdem fahren Sie mit dem Fahrrad?
Werner Weist: Nein, ich habe mir ein­fach etwas für die Spiel­tage ein­fallen lassen: Sams­tags steht mein Auto im Mer­chan­di­sing-Lager und das Rolltor ist zu. Seitdem ist nichts mehr pas­siert.

Über einen Job­wechsel haben Sie nie nach­ge­dacht.
Werner Weist: Quatsch. Ich bin gerne hier. Und Sie würden doch auch nicht den Job wech­seln, nur weil es mal ein paar Tage bescheiden läuft.

Am Samstag reist der BVB nach Gel­sen­kir­chen. Für Sie sicher ein Groß­kampftag.
Werner Weist: Ja, klar. Die ganze Woche ist hier was los. Unsere Stände werden natür­lich extra bestückt, weil die Fans zum Derby natür­lich beson­ders gerne Flagge zeigen.

Alles, was schwarz-gelb ist, wird aber wohl sys­te­ma­tisch ver­bannt.
Werner Weist: Da habe ich aus meinen Feh­lern gelernt.

Das heißt, Sie wollten auf Schalke tat­säch­lich BVB-Tri­kots ver­kaufen?
Werner Weist: In meinem ersten Jahr habe ich mit den Kol­legen hier und beim BVB aus­ge­macht, dass wir in einigen Ständen auch BVB-Schals und ‑Tri­kots anbieten wollen. Also haben wir die Stände mit schwarz-gelben Dingen aus­ge­stattet. Am Spieltag brach aller­dings die Hölle aus. Die Fans rund ums Park­sta­dion ver­sam­melten sich zu wahren Pro­test­zügen rund um unsere Ver­kaufs­stände, bei mir glühte die Tele­fon­lei­tung. Nach zehn Minuten musste ich den Befehl geben: Alles wieder raus aus den Ständen“. Die Sachen lan­deten sofort unter der Laden­theke und der Ver­such wurde als geschei­tert erklärt.

Am Samstag trifft FC Schalke in der Arena auf den Borussia Dort­mund. Ist es für Sie ein beson­deres Spiel?
Werner Weist: Auch wenn es mir keiner glaubt, für mich ist es ein Spiel wie jedes andere. Ich werde in meinem Büro sitzen und die Ver­käufe an meinem Com­puter über­wa­chen.

Sie schauen das Spiel gar nicht?
Werner Weist: Natür­lich steht da auch ein Fern­seher. Aber ich drücke nie­mandem die Daumen oder bin beson­ders auf­ge­regt. Aber ich glaube, dass der BVB müde vom Top­spiel ist und Schalke am Ende knapp gewinnen wird.