Ein schöner Som­mertag, Ende August in Han­nover. Am Flüss­chen Leine, unweit des Nie­der­sach­sen­sta­dions, feixen junge Bur­schen, gut ange­hei­tert und offen­sicht­lich eupho­ri­siert von einem Fuß­ball­ereignis. Eine rot-weiße Fahne steckt im Gras der Ufer­bö­schung, die Jungs feuern drei Kum­pels an, die prus­tend das Gewässer durch­schwimmen. Überall nur Ver­rückte“, knurrt ein älterer Herr mit Hund. Denn inmitten all der lär­menden Fuß­ball­fans, die zwi­schen Maschsee und Haupt­bahnhof die Innen­stadt bevöl­kern, fallen die Lei­ne­schwimmer kaum auf. Eine Stunde ist es her, dass Kickers Offen­bach zum Deut­schen Pokal­sieger gekürt wurde, was nicht nur die Emo­tionen der vielen tau­send mit­ge­reisten Fans erklärt, son­dern auch die Ein­lö­sung einer Wette ver­langt. Wenn wir gewinnen sollten, springen wir in die Leine“, hatten sie in Offen­ba­cher Fan­kreisen getönt, ange­sichts des favo­ri­sierten Geg­ners ein über­schau­bares Risiko.

Dieses Opfer musste gebracht werden“, sagt heute Man­fred Kehm, einer der Schwimmer. Aber wie das immer so ist: Alle haben es laut­stark ver­kündet und am Ende waren wir nur zu dritt.“ Im Vor­feld waren die Rollen zwi­schen den Teams klar ver­teilt gewesen: auf der einen Seite der in der Bun­des­liga eta­blierte 1. FC Köln mit vier Natio­nal­spie­lern im Kader, auf der anderen Auf­steiger Kickers Offen­bach, gerade zum zweiten Mal in die Eli­te­liga beför­dert. In der Geschichte des DFB-Pokals wird der Über­ra­schungs­er­folg des OFC als erster Sieg eines unter­klas­sigen Ver­eins geführt, aber das stimmt nicht so ganz. Denn nur die erste Runde des DFB-Pokals fand auch wirk­lich in der Saison 1969/70 statt. Alle wei­teren Spiele wurden erst nach der Som­mer­pause aus­ge­tragen – und zwar sehr gerafft im August. Grund war die frühe WM in Mexiko vom 31. Mai bis 21. Juni, bei der die deut­sche Elf mit den Köl­nern Kapell­mann, Löhr, Overath und Weber Dritter wurde. Des­halb spielten die Kickers die wei­teren Pokal­par­tien als Erst­li­gist und bereits mit ihrem Bun­des­li­gakader.

Canellas herrschte am Bie­berer Berg wie einst Napo­leon in Frank­reich

OFC- Prä­si­dent Horst-Gre­gorio Canellas wollte mit Offen­bach hoch hinaus. Seine oberste Maxime lau­tete: Wir wollen nicht mehr schlechter als Frank­furt stehen!“ Doch ver­ant­wort­lich für den Sie­geszug des OFC im Pokal war vor allem Inte­rims­trainer Kurt Schreiner. Der ehe­ma­lige Außen­läufer der Kickers hatte schon einmal als Trainer erfolg­reich aus­ge­holfen. Dass er den Posten des Chef­trai­ners aber­mals über­nahm, ver­dankte er einer Reihe unvor­her­seh­barer Ereig­nisse, die typisch Canellas“ waren. Der Süd­früch­te­händler herrschte am Bie­berer Berg wie einst Napo­leon in Frank­reich, Trainer waren unge­achtet ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rungen ihres Jobs selten sicher. Diese Erfah­rung machte auch Zlatko Tschik“ Caj­kovski, der die Kickers immerhin zur Meis­ter­schaft in der Regio­nal­liga Süd und erfolg­reich durch die Auf­stiegs­runde geführt hatte.

Das Unter­nehmen Bun­des­liga indes traute ihm Canellas nicht zu und ver­pflich­tete kur­zer­hand den Dort­munder Aki Schmidt. Der aber konnte sein Amt nicht wie geplant am 1. Juli 1970 antreten, weil er mit seinem Auto in eine Bau­stelle gerauscht war und noch an den Unfall­folgen labo­rierte. Also bat Canellas Schreiner: Kurt, du musst das noch mal machen!“ Der dama­lige OFC-Keeper Karl-Heinz Volz schwärmt vom Offen­ba­cher Inte­rims­coach: Schreiner führte als Trainer ganz moderne Dinge ein. Viele spre­chen heute ehr­furchts­voll vom FC Bar­ce­lona mit seinem schnellen Kurz­pass­spiel. Wir übten unter Schreiner Tag für Tag nichts anderes.“

Knall­harte Vor­be­rei­tung

Voller Vor­freude brach die Kickers-Gemeinde Ende August nach Han­nover auf. Der OFC-Tross bezog Quar­tier im Park­hotel Laatzen, die Ankunft wurde von einem Team der Tages­schau“ gefilmt. Am ersten Abend ging die Mann­schaft ins Kino und schaute den knall­harten“ („Offen­bach-Post“) Italo-Wes­tern Django“ mit Franco Nero in der Haupt­rolle. Zusätz­lich moti­viert waren die Kickers-Spieler durch eine vor­an­ge­gan­gene Begeg­nung mit den Akteuren des 1. FC Köln in der mit­tel­hes­si­schen Sport­schule Grün­berg.

Dort hatten sich beide Teams auf die neue Saison vor­be­reitet, und als der OFC ein Test­spiel gegen den Ama­teur­klub Lollar nur mühsam gewann, spot­teten einige Kölner über die Leis­tung des Bun­des­li­ga­neu­lings. Da ahnte keiner, dass man sich so schnell wieder sehen würde. Für die Fans wurde zum End­spiel ein bewirt­schaf­teter Son­derzug ein­ge­setzt, der am Finaltag um 11.14 Uhr Offen­bach plan­mäßig ver­ließ und in Mühl­heim, Hanau und Geln­hausen wei­tere Kickers­fans auf­nahm.

Unter den Zug­rei­senden befand sich auch Heinz Fröh­lich, der sich mit einem Freund etwas Beson­deres für den großen Tag aus­ge­dacht hatte. Weil er als gelernter Fein­täschner gut an Stoff her­ankam und sein Kumpel leid­lich zeichnen konnte, ent­warfen die beiden ein Trans­pa­rent für das Pokal­fi­nale, mit dem sie in Offen­bach stadt­be­kannt wurden. Nicht nur wegen seiner Größe, son­dern auch wegen des darauf ver­ewigten Spruchs, der in erster Linie der eigenen Mann­schaft Mut machen sollte: Wir brau­chen keinen Overath – der OFC ist so auf Draht“. An den Son­derzug kann sich Fröh­lich noch erin­nern, nicht aber an ein­zelne Zug­stopps oder ob es über­haupt Hal­te­stellen gab“. Eines zumin­dest weiß er noch immer: In Göt­tingen musste gehalten werden, weil das Bier alle war.“

Vom Bahnhof ging es – damals noch ohne großes Poli­zei­auf­gebot – gera­de­wegs ins Sta­dion. Die Han­no­ve­raner beäugten die rot-weiße, mehr­heit­lich ange­trun­kene Men­schen­menge mit einer gewissen Zurück­hal­tung, auch wenn die Jungs und Mädels mit ihren von Oma oder Mama gestrickten Schals und den eben­falls hand­ge­nähten Fahnen eher goldig aus­ge­sehen haben. Natür­lich traf man auf dem Weg auch viele selbst­be­wusste Kölner, die nur an die Sie­ges­feier danach dachten. Zoff in dem Sinn gab es damals noch nicht“, sagt Heinz Fröh­lich. Wir wollten zum Fuß­ball und nichts anderes.“ Im Sta­dion waren die Blöcke getrennt, es domi­nierte zwangs­läufig die beiden Klubs gemeine Farb­kom­bi­na­tion rot-weiß, wenn­gleich die Kölner in der Mehr­zahl waren. Schät­zungen gehen von 5000 bis 8000 Offen­ba­chern und bis zu 15 000 Köl­nern aus. Wie man es aus Offen­bach gewohnt war, sam­melte sich das Gros der OFC-Fans auf der Gegen­ge­rade in Höhe der Mit­tel­linie.

Alle einen Steh­platz“

Wir hatten alle Steh­platz“, erzählt Man­fred Kehm. Im Sta­dion konnte man sich frei bewegen. Von daher war es klar, dass wir dort stehen, wo wir auch in Offen­bach immer standen.“ Trotz des bis dahin Erreichten herrschte im Umfeld des hes­si­schen Tra­di­ti­ons­klubs zunächst Beschei­den­heit. Ver­tei­diger Seppl Weil­bä­cher gab als Ziel aus: Wir wollen nur nicht so hoch ver­lieren.“ Über eine Sieg­prämie hatte man gar nicht erst gespro­chen. Am Tag des End­spiels wurde die Elf wieder von Aki Schmidt betreut, der sich mitt­ler­weile gesund gemeldet hatte. Klu­ger­weise beschloss Schmidt, das erfolg­reiche System seines Vor­gän­gers zu über­nehmen. Das Sta­di­on­rund war erwar­tungs­froh, aber mit etwa 50 000 Zuschauern nicht aus­ver­kauft, und das, obwohl die ARD nicht live über­trug, son­dern ledig­lich Aus­schnitte in der Sport­schau“ zeigte. Die Begeg­nung erschien wegen ihres ver­meint­lich klaren Sie­gers wohl zu unat­traktiv. Viel­leicht können wir das ein wenig halten“ Schon kurz nach dem Anpfiff ver­deut­lichten die in Rot spie­lenden Offen­ba­cher ihrem in Weiß geklei­deten End­spiel­gegner, dass sie nicht nur kämpfen, son­dern auch spielen konnten. In der 25. Minute setzten die Kickers das erste Aus­ru­fe­zei­chen, als Klaus Winkler zwei Kölner Ver­tei­diger aus­tanzte – Karl-Heinz Thielen wirkte dabei für den Bruch­teil einer Sekunde wie zur Salz­säule erstarrt – und Tor­wart Man­glitz mit einem fein gezir­kelten Schuss in die lange Ecke keine Chance ließ. Im Offen­ba­cher Lager herrschte trotzdem nur ver­hal­tener Opti­mismus.

Canellas mit­ten­drin

Viel­leicht können wir das ein wenig halten“, lau­tete das vor­sich­tige Credo auf den Rängen zur Halb­zeit.  Nach dem Sei­ten­wechsel drängte die Geiß­bo­ckelf mit aller Macht auf den Aus­gleich. Doch gegen die kör­per­be­tont agie­renden Offen­ba­cher erwiesen sich ihre unge­stümen Bemü­hungen als untaug­lich. Wie an einer Gum­mi­wand prallte der Ball immer wieder zurück, und so kam es, wie es kommen musste: Die mal wieder mit Mann und Maus vor­ge­rückten Kölner ver­loren den Ball, worauf der Ex-Essener Horst Pille“ Gecks zu einem Solos­print über 60 Meter ansetzte und dem FC-Keeper ein raf­fi­niertes Schüs­s­chen ver­ste­ckelte“ („Offen­bach-Post“). Auf der Kickers-Bank sah man danach nur ein über­ein­ander fal­lendes und sprin­gendes Men­schen­knäuel, mit­ten­drin Prä­si­dent Canellas, der ent­gegen dem DFB-Pro­to­koll nicht in der Ehren­loge Platz genommen hatte.

Erst der 1:2‑Anschlusstreffer durch Hannes Löhr gab den Köl­nern Auf­trieb, und sieben Minuten vor dem Ende ging plötz­lich ein Weißer im Offen­ba­cher Straf­raum zu Boden. Einen Schwä­che­an­fall des Köl­ners Bernd Rupp („Gefallen wie später Holz im 74er End­spiel“, O‑Ton Volz) inter­pre­tierte der Unpar­tei­ische als Regel­wid­rig­keit und zeigte auf den Elf­me­ter­punkt. Wilde Pro­teste der Kickers-Akteure, und auch auf den Rängen sorgte die Ent­schei­dung von Schieds­richter Schu­len­burg für Tumulte. Ein großer, far­biger Hüne drosch den Ball vom Elf­me­ter­punkt“, erin­nert sich Volz. Den habe ich dann noch beru­higt.“ Volz meint, mehr­heit­lich Zuschauer aus Han­nover aus­ge­macht zu haben, die den all­ge­meinen Unmut zum Anlass nahmen, mit einem Platz­sturm ihr Müt­chen zu kühlen. Die Fans selbst sehen das etwas anders, nament­lich Fröh­lich und Kehm, die aller­dings auf ihren Plätzen blieben. Das waren Offen­ba­cher“, sagt Kehm. Ich glaube, der Große, der den Ball vom Elfer kickte, war einer aus der OFC-Box­ab­tei­lung.“

Sicher ist: Die Partie war minu­ten­lang unter­bro­chen und stand kurz vor dem Abbruch. Schließ­lich sorgten Ordner und die Polizei gemeinsam mit den Spie­lern dafür, dass die Leute den Rasen ver­ließen. Spä­tes­tens zu diesem Zeit­punkt hatten sich die vielen neu­tralen Zuschauer auf die Seite der Kickers geschlagen und doku­men­tierten dies durch gel­lende Pfiffe. Was im Ver­lauf der Tumulte auf dem Feld vor sich ging, konnte nie genau geklärt werden. Allerlei Ver­sionen exis­tieren über den angeb­li­chen Platz­ver­weis, den Referee Schu­len­burg gegen den Offen­ba­cher Hansi Reich aus­sprach. Eine davon konnte man in der Offen­bach-Post“ vom 31. August 1970 nach­lesen: Hansi Reich hatte Schu­len­burg nach dessen Elf­me­ter­pfiff auf die 50 000 auf­merksam gemacht: Hören Sie, wie die mit Ihrer Ent­schei­dung ein­ver­standen sind!‹ ›Raus, Sie gehen raus!‘, war die Reak­tion des Schiris. Dazu Weil­bä­cher, unbe­herrscht: Der bleibt drin!‘“

Und er blieb, und das trotz Wolf­gang Over­aths Pro­testen. Weil es damals noch keine für alle sicht­bare rote Karte gab, konnte der Schieds­richter dem Spieler den Platz­ver­weis aus­schließ­lich verbal mit­teilen, was einen gewissen Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum zur Folge hatte. Zumin­dest die Elf­me­ter­ent­schei­dung blieb aber unwi­der­rufen. OFC-Keeper Volz nutzte die Gele­gen­heit, sich inmitten des Tru­bels auf die Tor­linie zu setzen und zu ent­spannen. Ich war sehr gelassen, weil ich wusste, wie Biskup schießen wird. Auch damals gab es ja schon Fern­sehen und ich hatte es in der Sport­schau immer gesehen: Er schoss alle Elfer der Kölner, und zwar immer rechts unten.“ Schließ­lich machte sich Werner Biskup auf den Weg zum Krei­de­punkt. Was pas­sieren würde, wenn er traf, konnte keiner vor­her­sagen. Poli­zisten warfen ihre Mützen in die Höhe Doch Karl-Heinz Volz machte alle Spe­ku­la­tionen zunichte. Der junge Tor­wart, der noch vor nicht allzu langer Zeit die Ersatz­bank gedrückt hatte, fischte Bis­kups Schuss mit einer exzel­lenten Parade aus dem rechten Eck. Nun pro­tes­tierten die Kölner, Volz habe sich zu früh bewegt, aber dass Schieds­richter Schu­len­burg diesen Elf­meter nicht wie­der­holen lassen würde, war ange­sichts der vor­herr­schenden Erre­gungs­zu­stände klar.

Jour­na­listen feiern in der Kabine mit

Der anschlie­ßende Jubel war unbe­schreib­lich. Poli­zisten, die eben noch das Spiel­feld abge­si­chert hatten, warfen ihre Mützen in die Höhe. Die letzten sieben Minuten ver­gingen wie im Flug, dann hatte der OFC im dritten Anlauf – nach den ver­lo­renen End­spielen um die Deut­sche Meis­ter­schaft 1950 und 1959 – end­lich einen Titel geholt. Nach der Pokal­über­gabe durch Außen­mi­nister Hans-Diet­rich Gen­scher begaben sich die freu­de­strah­lenden Roten, getrieben von ihrer erneut auf den Platz stür­menden Anhän­ger­schar, auf die Ehren­runde. Ent­gegen der heu­tigen Unsitte, für alle Fälle gerüstet zu sein, fand in der Kabine des Sie­gers eine impro­vi­sierte Feier statt. Sport­jour­na­list Erich Müller hatte das Glück, dabei zu sein: Damals war das für uns Jour­na­listen mög­lich, die Kabinen auf­zu­su­chen. Ich weiß noch, dass es erst mal keinen Sekt zum Feiern gab, ja eigent­lich gar nichts Alko­ho­li­sches. Es dau­erte eine Vier­tel­stunde, bis was da war, aber bis dahin hat sich auch keiner gelang­weilt.“ Der 1. FC Köln war sich seiner Sache zu sicher gewesen. Nicht im Traum hatte man daran gedacht, dass Offen­bachs Win­fried Schäfer und nicht Wolf­gang Overath der spiel­ent­schei­dende Mit­tel­feld­stra­tege sein würde.

Auf Seiten des DFB war die Über­ra­schung über den Spiel­aus­gang jedoch am Offen­kun­digsten. Beim Ban­kett in den Maschsee-Gast­stätten“ sah die Sitz­ord­nung mit den auf den Tischen plat­zierten Wim­peln vor, dass die Kölner Elf vorne an den Sie­ger­ti­schen und die Offen­ba­cher in der zweiten Reihe erwartet wurden. Dies musste in aller Eile umgrup­piert werden, was tat­säch­lich ein paar Kölner Funk­tio­näre zum Anlass genommen haben sollen, den Saal wut­ent­brannt zu ver­lassen.

Die Kölner sind kaan Gechner meer, schickt uns Inter Mai­land her!“

Ganz im Gegen­satz zu den FC-Spie­lern, die nach alter Fuß­ball­sitte auf­standen und den Gegner ehrten: Auf den Sieger des deut­schen Pokal­end­spiels, Kickers Offen­bach, ein drei­fa­ches Hip-Hip-Hurra!“ Im Son­derzug zurück in die Heimat schwappte der­weil der Jubel über: Die Kölner sind kaan Gechner meer, schickt uns Inter Mai­land her!“ Ver­wirrt durch die eska­lie­renden Glücks­hor­mone und gut betankt, blieben manche sogar auf der Strecke, als sie bei einem unplan­mä­ßigen Zwi­schen­stopp vor Bebra den Zug ver­ließen und die Wei­ter­fahrt ver­passten, weil sie sich schon am Offen­ba­cher Haupt­bahnhof wähnten. In Offen­bach selbst war zu diesem Zeit­punkt der Ver­kehr zum Erliegen gekommen. Die Offen­bach-Post“: Vor dem Haupt­bahnhof gehörte die Kreu­zung noch lange allein den Kickers­fans. Man fei­erte die erste Begeg­nung mit den Daheim­ge­blie­benen, tanzte auf der Straße und schwenkte noch einmal den Wald der Kickers­fahnen. Auto­fahrer hatten nur dann eine Chance, durch diesen Men­schen­wall hin­durch­zu­kommen, wenn sie sich mit einem rhyth­mi­schen Hup­kon­zert als Kickers­an­hänger aus­wiesen.“

Ganz Offen­bach fei­erte ein Fuß­ball­fest, und wer hätte gedacht, dass dies für lange Zeit das letzte sein sollte? Beim Emp­fang der Mann­schaft säumten 150 000 Men­schen die rot-weiß geschmückten Straßen. Ober­bür­ger­meister Georg Diet­rich been­dete seine Ansprache mit dem Satz: Jetzt wird einer drauf­ge­macht!“ Die Mann­schaft wollte dem Stadt­ober­haupt nicht nach­stehen, auch wenn wir gar nichts mehr trinken konnten“, so Volz. Wir hatten uns am Sams­tag­abend schon etwas ver­aus­gabt, damals trank ja nie­mand Cola.“ Außer­ge­wöhn­lich war laut Volz die Ankunft am Frank­furter Flug­hafen: Nicht nur, dass dort eine Menge Leute war­teten. Dann sind wir auch noch mit diesen offenen Wagen über die Auto­bahn nach Offen­bach. Die war für den Ver­kehr Rich­tung Offen­bach kom­plett gesperrt worden. Ganz alleine auf der A 3 – eine heute sicher undenk­bare Sache.“ Ganze zweimal ist es danach noch pas­siert, dass Auto­bahnen hier­zu­lande gesperrt wurden: wäh­rend der auto­freien Sonn­tage wegen der Ölkrise 1973 sowie bei der Blo­ckade des Frank­furter Flug­ha­fens 1981, als tau­sende Men­schen den Neubau der Start­bahn West ver­hin­dern wollten. Doch das ist eine andere Geschichte.