Wenn das deut­sche Frau­en­na­tio­nal­team heute abend im Vier­tel­fi­nale auf Frank­reich trifft, ist das aus ver­schie­denen Gründen ein spe­zi­elles Spiel. Hal­len­fuß­ball auf Plas­tikrasen“, brachte es die Welt“ auf den Punkt. Über den Kunst­rasen, auf dem das WM-Tur­nier statt­findet, ist ja nun schon oft genug geschimpft worden (über­wie­gend zurecht), die Sache mit dem Hal­len­fuß­ball bedarf einer kurzen Erklä­rung.

Aus­tra­gungsort des Spiels ist das Olym­pia­sta­dion von Mont­real, im Volks­mund genannt The Big O“, wegen seiner äußeren Form, aber manchmal auch The Big Owe“ (Die großen Schulden), weil es einst sehr, sehr teuer war. Das alte Schätz­chen, erbaut für die Olym­pi­schen Som­mer­spiele 1976, hat eine Menge erlebt, nur leider nagt mitt­ler­weile an ihm der Zahn der Zeit. Der Ober­rang ist bau­fällig und darf nicht mehr betreten werden. Das Zelt­dach ist irgendwie kaputt, jeden­falls lässt es sich nicht mehr öffnen. Das alles sorgte bei den bis­he­rigen WM-Spielen für eine recht gespens­ti­sche Atmo­sphäre, die all jenen in die Hände spielt, die meinen, die Frauen würden von der FIFA ja doch immer benach­tei­ligt.

Deutsch­land und Frank­reich, die besten euro­päi­schen Mann­schaften

Aus­ge­rechnet hier findet nun also der bis­he­rige sport­liche Höhe­punkt des Tur­niers statt. Deutsch­land und Frank­reich, das sind nicht nur die besten euro­päi­schen Mann­schaften (Platz 1 und 3 der Welt­rang­liste), es sind auch die beiden Teams, die im Ach­tel­fi­nale den stärksten Ein­druck hin­ter­ließen. Wäh­rend die Fran­zö­sinnen die – zuge­ge­be­ner­maßen harm­losen – Süd­ko­rea­ne­rinnen mit 3:0 schlugen, fegte die deut­sche Mann­schaft die gerade auf­kei­menden Selbst­zweifel nach einer bes­ten­falls soliden Vor­runde durch ein sou­ve­ränes 4:1 gegen den letzt­ma­ligen WM-Dritten Schweden bei­seite.

Dass die Schwe­dinnen unter­ein­ander und mit ihrer Trai­nerin Pia Sund­hage über­kreuz lagen: geschenkt. Im vierten Tur­nier­spiel zeigte das deut­sche Team end­lich mal über 90 Minuten eine Dynamik, die zuvor allen­falls pha­sen­weise zu sehen war. 19 Tore in vier Spielen hat die Elf mitt­ler­weile geschossen und Anja Mittag und Celia Sasic führen mit je fünf Tref­fern die Tor­schüt­zen­liste an. Den­noch scheint es, als ob erst dieses K.O.-Duell gegen einen im Prinzip gleich­wer­tigen Gegner das wirk­liche WM-Gefühl in Spie­le­rinnen aus­ge­löst hat.

Dieses Match hätten sich viele als WM-Finale vor­stellen können

Dass es nun gleich gegen Frank­reich geht, ist aber fast schon zuviel des Guten. Dieses Match hätten sich viele auch als WM-Finale vor­stellen können – obgleich diese Sicht arg euro­zen­tris­tisch ist, gehen doch in Nord­ame­rika alle von einem End­spiel USA gegen Kanada aus. Wäh­rend der Spiel­plan letz­teres immerhin theo­re­tisch ermög­licht, ist ent­weder für Frank­reich oder Deutsch­land heute der Ofen aus. Kein Wunder also, dass dies auch die Stunde der psy­cho­lo­gi­schen Kriegs­füh­rung ist. Eine Dampf­walze“ sieht die Fran­zösin Jes­sica Houara d’Hommeaux bereits auf sich zurollen – bis zum beliebten Panzer“ der eng­li­schen Bou­le­vard­presse bei Män­ner­tur­nieren ist es da nur noch ein kleiner rhe­to­ri­scher Schlenker.

Wenigs­tens eine Sorge sind aber mitt­ler­weile beide Mann­schaften los: Die Qua­li­fi­ka­tion für die Olym­pi­schen Spiele im nächsten Sommer haben sie mit dem Vier­tel­fi­nal­einzug sicher­ge­stellt. Dann wird übri­gens auf Kunst­rasen und unter freiem Himmel gespielt. Herr­lich.