Das ist neu: Bewun­de­rung für Wer­ders Fan­szene. Wie schnell das doch gehen kann. Bis zum Freund­schafts­spiel der Bremer gegen West Ham United hatte der Sup­port von der Weser inter­na­tional einen Ruf irgendwo zwi­schen Sack Reis und China. Dann stimmten ein paar hun­dert Mit­ge­reiste den Oasis-Klas­siker Won­der­wall“ an, was sich im nur über­schaubar besuchten Boleyn Ground recht impo­sant anhörte.

Und wie das so läuft lan­deten Videos davon bei You­tube und die sozialen Netz­werke freuten sich einen Keks. Beson­ders auf der Insel haben die Bremer Fans nun einen Ruf irgendwo zwi­schen Anfield und Ein­tracht Frank­furt. Was recht ange­nehm für die Bremer Fan­seele ist, denn…

Das fehlt irgendwie: Die Hoff­nung auf bes­sere Zeiten. Das Sturmduo Di Santo/​Selke? Ver­kloppt an RB Leipzig (aus­ge­rechnet!) und Schalke (aus­ge­rechnet!). Nam­hafte Neu­zu­gänge? Kann sich Bremen nicht leisten. Der Kader? Müf­felt schwer nach grauer Maus. Dabei ist Werder offenbar zum Siegen bzw. zum bal­digen Einzug in den Euro­pa­pokal ver­dammt, wenn man der Finanz-Ana­lyse des Bremer Wirt­schafts­ex­perten Rudolf Nickel Glauben schenken will. Der hat der Welt“ jüngst ein Inter­view gegeben und dabei Dinge gesagt, die kein Fan über seine Mann­schaft lesen möchte: Ich bin sicher, es han­delt sich bei dem Minus von Werder Bremen mitt­ler­weile um Beträge, die kaum noch mana­gebar sind.“ Oder: Der Verein sollte sich ernst­haft mit einem Investor befassen. Sollte dies nicht erfolgen und sich eben­falls die sport­li­chen Leis­tungen nicht bes­sern, ist Werder Bremen auf Dauer nicht mehr finan­zierbar.“ Ächz. Wie heißt es noch mal bei Won­der­wall“? Because maybe. You’re gonna be the one that saves me…“

Auf­reger der Som­mer­pause: Franco di Santo. Der wollte nach einer wirk­lich guten Saison mit Werder mal wieder irgendwo spielen, wo es was zu reißen gibt – und ent­schied sich erstaun­li­cher­weise für den FC Schalke. Nicht, ohne danach – das macht man heute so – einen Abschieds­brief zu ver­fassen. Liebes Werder Bremen, heute ist kein ein­fa­cher Tag für mich. Das Schicksal ist ja sehr iro­nisch und zwingt mich aus­ge­rechnet an so einem Tag für euch, es euch mit­zu­teilen. Herz­li­chen Dank für das ent­ge­gen­ge­brachte Ver­trauen, da es mir für meine Ent­wick­lung als Mensch und Spieler geholfen hat….“ Und so weiter. All das auch noch am Tag der Fans“, wie gemein! Was Jan Delay, Ex-Rapper, dazu ver­an­lasste, dem Werder-Volk aus der Seele zu twit­tern: scheiss geld, scheiss unloya­lität, scheiss söldner, scheiss schalke, scheiss gaz­prom“. Shit hap­pens.

Wäre diese Mann­schaft ein You­tube-Clip, dann dieser:

Ach, Werder ver­sucht es ja mit dem Schampus-Fuß­ball, wie er einmal war im Weser­sta­dion. Aber, ach…

11FREUNDE-Orakel: Werder schlid­dert bis zur Win­ter­pause Rich­tung Abgrund, auf Viktor Skripnik folgen Thomas Schaaf, wieder Viktor Skripnik und schließ­lich Noel Gal­lagher, der den Klub dann doch noch… Im Ernst: aus dem eins­tigen Cham­pions-League-Dau­er­teil­nehmer ist eine graue Maus geworden, die mit einer sehr guten Saison unter die besten Sechs kommen kann, ver­mut­lich aber am Ende einen zwei­stel­ligen Tabel­len­platz ein­nimmt. Mehr ist mit diesem Kader und Wer­ders Mög­lich­keiten wohl nicht drin. Viel­leicht schaffen es ja die Ultras, die ein­tö­nigen Dau­er­ge­sänge durch andere alte Klas­siker zu ersetzen. Back for Good wäre doch ganz nett, oder nicht?