Seite 2: Ein Ball mit Innenleben

Ali Can Pektas ist vier­ma­liger Tor­schüt­zen­könig der Blin­den­fuß­ball-Bun­des­liga. Er lässt den Ball wie eine Flipper-Kugel zwi­schen seinen Füßen hin und her hüpfen. Bei der Ori­en­tie­rung muss er sich auf seinen Hör­sinn ver­lassen.

Pektan folgt einem Ras­seln im Inneren des Balls. Dort befinden sich meh­rere Metall­kappen, in denen wie­derum Kügel­chen den Lärm erzeugen. Doch ganz auf sich allein sind die Spieler nicht gestellt. Kom­mandos kommen vom Trainer und Betreuern.

Auch der Tor­hüter gibt Anwei­sungen. Er ist die ein­zige sehende Person auf dem Feld, jedoch mit einer limi­tierten Ein­fluss­sphäre. Sein Straf­raum ist nicht breiter als eine Knei­pen­theke. Das kom­plette Feld misst 40 Meter in der Länge und 20 Meter in der Breite. Die Tore haben Feld­ho­ckey-Format.

Den Tränen nahe

Trotzdem schafft es die Deut­sche Mann­schaft nicht, den Ball im Gehäuse unter­zu­bringen. Kurz vor Schluss führt der Gegner bereits 3:0. Doch die Eng­länder begehen ihr sechstes Foul – Straf­stoß für Deutsch­land. Werden mehr als fünf Fouls in einer Halb­zeit verübt, gibt es einen Acht-Meter-Straf­stoß. Doch auch diese Chance bringt keinen Erfolg.

Die Deut­schen scheiden aus. Ali Can Pektas ist den Tränen nahe. Die Mann­schaft war mit großen Ambi­tionen ange­reist, hatte auf den Titel gehofft. Im Spiel um Platz Fünf kann sich das Team von Ulrich Pfis­terer immerhin noch für die Welt­meis­ter­schaft qua­li­fi­zieren.

Inte­gra­tion im DFB?

Pfis­terer ist schon lange dabei. Seit 2007 steht der gebür­tige Ber­liner am Sei­ten­rand der Natio­nal­mann­schaft. Sport­lich hat sich in dieser Zeit vieles ent­wi­ckelt. Doch die Mann­schaft pocht auf mehr Unter­stüt­zung und Aner­ken­nung.

Wir sind auf einem guten Weg Struk­turen zu schaffen“, sagt Team­ma­nager Rolf Hus­mann. Der DFB för­dert bisher nur die Blin­den­fuß­ball-Bun­des­liga, nicht die EM. Für die Spieler ent­stehen keine Mehr­kosten, aber auch kein zusätz­li­cher Ver­dienst. Andere Länder sind da weiter.

Die Eng­länder sind Voll­zeit-Profis“, sagt Pfis­terer. Das eng­li­sche Team gehört fest zum Dach­ver­band der Foot­ball Asso­cia­tion (FA). Ein Vor­bild für die Deut­schen Spieler. Das würde ich mir wün­schen, dass wir sobald wie mög­lich in den DFB inte­griert werden“, sagt Taime Kuttig. Immerhin können die Fans jetzt wieder den Laut­stär­ke­pegel auf­drehen.