Raphael Guer­reiro
Ist Dort­munds Raphael Guer­reiro viel­leicht der Sexiest Links­ver­tei­diger Alive? Nor­ma­ler­weise qua­li­fi­ziert einen Links­ver­tei­diger doch bloß sein linker Fuß für die Posi­tion. Oder weil er der Neu­zu­gang im Team ist, der auf die Frage des Trai­ners, welche Posi­tion er denn spiele, ganz diplo­ma­tisch mit Da, wo Sie mich auf­stellen, Coach“ geant­wortet hat. Oder weil er unter seiner Brille auf dem linken Auge ein Pflaster trägt und sich per­spek­ti­visch somit nur die linke Außen­bahn anbietet. Tja, und ehe man sich ver­sieht, läuft man mit der Rücken­nummer 2 auf, ist das aus­er­ko­rene Mann­schaftsarsch­loch und daher als Links­ver­tei­diger nicht mehr weg­zu­denken. Raphael Guer­reiro hin­gegen hebt die Gesetz­mä­ßig­keiten aus den Angeln. Er spielt spek­ta­kulär wie ein Links­außen, mit einer Über­sicht wie ein Achter und einem Füß­chen wie ein Zehner. Zusam­men­ad­diert ergibt das: Sexy!

Meine Güte wurde Sven Jablonski, der Schieds­richter der Begeg­nung zwi­schen Dort­mund und Union, ges­tern abge­feiert. Und zwar von Sandro Wagner. Wobei das ja erstmal nichts zu bedeuten hat. Denn Sandro Wagner feiert alles und jeden ab. Wie dieser eine Kumpel, der immer eine Spur drüber und wahn­sinnig schnell zu eupho­ri­sieren ist. Der Thomas Müller ein­fach extrem kultig findet, Dort­munds Cup-Tri­kots super nice“ und Sven Jablonski für die deut­sche Ant­wort auf Pier­luigi Col­lina hält. Und der immer noch den Gag bringt, ihn Svenja Blonski zu nennen. Hehe. Gut, der letzte ist geneh­migt.

Oliver Glasner
Oliver Glasner kehrte am Wochen­ende zurück nach Wolfs­burg. Mit seinem neuen Arbeit­geber Ein­tracht Frank­furt. Wirk­lich herz­lich wurde er nicht auf­ge­nommen, wirk­lich Bock, dort zu sein, hatte er augen­schein­lich aber auch nicht. Schon mal drüber nach­ge­dacht, dass Glasner even­tuell unter Epi­lepsie leidet und er es daher nicht mehr aus­ge­halten hat, ständig diese bekloppte Light-Show in Wolfs­burg zu erleben? Gut, oder er hat halt gemerkt, dass Wolfs­burg ein Verein ist, der Rama Lama Ding Dong“ nach seinen Toren spielt und hat das nicht mehr aus­ge­halten. Oder halt wegen Volks­wagen. Oder Wout Weg­horst. Oder 50+1. Oder Nie­der­sachsen.

Hertha BSC
So sieht die neue Rea­lität der Hertha aus: Duell auf Augen­höhe gegen Fürth, für beide gilt: ver­lieren ver­boten, Bel­fodil, Jastrzembski und Plat­ten­hardt sollen es für die Ber­liner richten, es wird lau­siger Fuß­ball gespielt, sich zum 2:1‑Sieg gedar­dait. Und plötz­lich steht Hertha grund­so­lide auf Platz neun der Tabelle, Teams wie Leipzig, Stutt­gart und Glad­bach dahinter, Rich­tung Euro­pa­pokal sind es nur drei Punkte. Und alle so: hä?

Der You­Tube-Kanal der öffent­lich-recht­li­chen Sender
Was für ein Upgrade! End­lich zeigen die öffent­lich-recht­li­chen Sender ARD und ZDF auch über You­Tube Spiel­zu­sam­men­fas­sungen der Bun­des­liga-Begeg­nungen. Für unseren Geschmack steckt in ihnen noch ein leicht über­höhter künst­le­ri­scher Anspruch, sodass End- und Schlüs­sel­szenen der Spiele meist zu Beginn der Zusam­men­fas­sung gezeigt, Tore aus eigen­ar­tigen Kame­ra­per­spek­tiven prä­sen­tiert und die Inter­view-Sequenzen zwi­schen den Spiel­szenen ein­ge­baut werden. Den­noch eine wohl­ge­se­hene Neue­rung. Jetzt müssen wir uns den Sams­tag­abend nicht mehr frei­halten, um die Sport­schau zu gucken, son­dern können uns im Alter­na­tiv­pro­gramm auch end­lich wieder der Soko Kitz­bühel widmen, bei der Klinik am Süd­ring rein­schauen oder halt Hund­katzemaus weg­bingen. Dafür zahlt man doch gerne Rund­funk­ge­bühren!

Der Bun­des­liga-Samstag auf Sky
Sky hin­gegen hat inzwi­schen also nur noch die Rechte für die Bun­des­liga-Spiele am Samstag. Dazn und Amazon Prime und SAT.1 und wahr­schein­lich Kika und Juwelo machen die rest­li­chen Spiele unter sich aus. Und als wäre das alles nicht schon genug, folgte am Samstag der womög­lich grau­en­haf­teste Spieltag, den die Bun­des­liga je gesehen hat. 7:0 stand es am Ende für Bayern gegen Bochum, in den anderen drei Par­tien fiel bloß ein ein­ziges Tor. Was hätten Michael Leo­pold und Didi Haar­mann da noch groß ana­ly­sieren können? So half wahr­schein­lich wirk­lich nur noch der Blick auf nächste Saison, in der end­lich alles anders wird: Haa­land weg, Glad­bach und Frank­furt abge­stiegen, Wolfs­burg das neue Dort­mund und Bayern zusätz­lich mit Antonio Rüdiger, Timo Werner und Flo­rian Wirtz gegen Jahn Regens­burg. Nur auf Sky. Love My Life.

Sam Lam­mers
Tja, Andre Silva. Das hätte man so auch nicht erwarten können, dass sie dich in Frank­furt nach nur fünf Spiel­tagen eigent­lich schon fast wieder ver­gessen haben. Der Grund heißt Sam Lam­mers. Der desi­gnierte Nach­folger hat nach zwei Toren in seinen letzten beiden Spielen schon mal ange­deutet, was er kann und sieht mit seinen lockigen Haaren aus, wie der Lausbub aus der Nach­bar­schaft. Die Frage muss auch mal erlaubt sein, wann das ange­fangen hat, dass sich Fuß­baller blond gefärbte Klo­bürsten auf die Schä­del­be­haa­rung haben setzen lassen, sich Man­dalas in die Kopf­haut rasieren oder die Mähne zu kleinen Zöpf­chen zusam­men­knoten. Also Lam­mers: Weiter so! Und bevor es dunkel wird, bist du bitte zu Hause.

Robert And­rich
Auf sein erstes Tor für Bayer Lever­kusen folgte umge­hend die erste Rote Karte. Folg­lich also auch die erste Straf-Kiste, der erste Voll­rausch mit den Mann­schafts­kol­legen, die erste Ziga­rette in der Kabine, zum ersten Mal um drei Uhr nachts die Ver­eins­hymne gröhlen, nachts das erste Mal auf den Platz schlei­chen und besoffen Frei­stöße trai­nieren, das erste kaputt geschos­sene Fenster im Ver­eins­heim. Und der erste Walk of Shame am Montag, wenn es zurück zum Trai­ning geht.

Borussia Dort­mund
Spiele des BVB sind bis­lang die High­lights der jungen Bun­des­liga-Saison. 5:2, 1:2, 3:2, 4:3, 4:2 lauten die Ergeb­nisse der ersten fünf Spiel­tage. Das sind 5,5 Tore im Schnitt und liest sich im Ver­gleich zum oft­mals ein­schlä­fernden Bun­des­liga-Vor­abend­pro­gramm wie ein Splat­ter­film. Was einer­seits an dem irren Nor­weger mit der Chainsaw liegt, ande­rer­seits aber auch an der naiven Teen­ager-Ver­tei­di­gung, die natür­lich in den dunklen Wald fährt, um Urlaub zu machen. Dort gibt es natür­lich keinen Emp­fang und als dann natür­lich der Strom aus­fällt, die geg­ne­ri­schen Monster-Stürmer kommen, will das Auto natür­lich nicht anspringen, natür­lich rennen manche in den dunklen Wald hinein, manche nach oben ins Bade­zimmer, natür­lich lauert dort im Spiegel die Gefahr. Und in etwa so erklärt sich, wes­halb Dort­mund in jedem Spiel min­des­tens zwei Tore ein­ge­schenkt bekommt. Und besagter Chainsaw-Nor­weger dann wieder alles aus­baden muss. Natür­lich. Alles etwas vor­her­sehbar, aber trotzdem unter­haltsam.

Patrick Owo­moyela und Roman Wei­den­feller
Okay, zum Abschluss noch eine Quiz­frage: Was ist pein­li­cher als ein Haufen christ­de­mo­kra­ti­scher Männer, die im Kreis stehen und einen kleinen Kanz­ler­ka­ni­daten-Zwerg mit Fuß­ball­ge­sängen abfeiern? Genau, ein Haufen christ­de­mo­kra­ti­scher Männer, die im Kreis stehen und einen kleinen Kanz­ler­kan­di­daten-Zwerg mit Fuß­ball­ge­sängen abfeiern und dabei eigent­lich den Ball­spiel­verein Borussia Dort­mund reprä­sen­tieren. Die Rede ist selbst­ver­ständ­lich von Patrick Owo­moyela und Roman Wei­den­feller, die am Sonntag beim legen­dären (dritten?) Triell anwe­send waren und im Anschluss die After­show-Party von Armin Laschet auf­ge­wir­belt haben. Mit ihren 41 Jahren bringen die beiden Hans-guck-in-die-Lufts ordent­lich jugend­li­chen Elan in die Runde. Aki ist stolz!