1.
Immer wieder Anlass für Hohn und Spott: Die angeb­lich nicht kon­forme Sport­ler­figur des bra­si­lia­ni­schen Ex-Tor­jä­gers. Er selbst sagt: Die Physis habe ich von meinem Vater Pedro, ein harter Arbeiter mit bester Gesund­heit. Von meiner Mutter habe ich die Ele­ganz, diese leichte Art mich zu bewegen.“ Und nicht nur das: Durch sie habe ich Lust auf Schmuck und Gold bekommen!“ Halten wir fest: Ein kern­ge­sunder ele­ganter Tänzer mit einer Schwäche für Gold und Schmuck. Klingt nach schwulem Tango-Jüng­ling, ist aber: Ailton Gon­calves da Silva!



2.
Schöner Name, nur wer ver­passte dem Ex-Bremer, Ex-Schalker, Ex-Duis­burger (lassen wir das…) bloß den Spitz­namen Toni? Ant­wort: Felix Magath. Dem frü­heren Werder-Coach war der Geburts­name seines Stür­mers ein­fach zu lang. Er sagt zu mir: ´Ich biete dir zwei Vari­anten an: Ail oder Toni.´ ´Mach Toni´, hab ich ihm gesagt“, erin­nert sich Ailton. Ail? Für alle Schalker, denen Magaths kom­pli­zierter und ellen­langer Vor­name ein Dorn im Auge sein sollte – wir emp­fehlen die Alter­na­tiven Fel“ oder Ix“.

3.

Ail nannte den Mann mit dem schnellen bekannt­lich kein Schwein. Dafür ver­mehrt Kugel­blitz, eine gagige Ver­nied­li­chung, erfunden im uner­gründ­li­chen Kosmos der Bou­le­vard­zei­tungen. Die Sport Bild“ wollte es im Februar 2000 ganz genau wissen und ließ Bremen Angreifer von einem Experten aus­messen. Und Holger Dittrich, Abtei­lungs­leiter im Bremer Mode­haus Worm­land“ ent­täuschte die Fan­tasie-Reporter nicht. Seine kna­ckige Ana­lyse: Kopf­um­fang: 57 Zen­ti­meter, kleiner Kopf. Hals: 40 cm, eher schmal, Größe M. Brust­korb: 98 cm, voll im Schnitt. Bauch: 87 cm, optimal. Ober­schenkel: 60 cm, eine Levis 501 würde ihm nicht passen. Waden: 38 cm.“ Fazit: Wären die Ober­schenkel von Ailton etwas schmaler, hätte er die Figur einer Schau­fens­ter­puppe.“ Wäre das auch geklärt.

Schampan und Bia bra­si­lian – Erin­ne­rungen an Ailton»>

4.
Apropos Gold­schmuck. Die Bild“-Zeitung wagte einst ob der opu­lenten Hals­bänder Ail­tons einen inter­es­santen Ver­gleich. Der bunte Vogel (Max Merkel) trägt Gold­ketten so dick wie Abschlepp­seile.“ Mit Gold scheint es die Familie Gold zu haben. Seine Frau Rosalie durfte sich zu gut ver­die­nenden Zeiten angeb­lich bei jedem Ailton-Tor über ein neues Teil in der über­füllten Schmuck­scha­tulle freuen. Erst in Liga zwei schraubte der Gatte dann die Ansprüche runter: Ich habe ihr eine Gold­kette ver­spro­chen, wenn ich mein erstes Tor für Duis­burg schieße. Mehr gibt es aber nicht. Das wird zu teuer.“ Für den MSV schoss der Bra­si­lianer dann genau ein Tor. Rosalie wird’s gefreut haben.

5.
Mit Geld hatte es der lei­den­schaft­liche Pfer­de­freund (Ich bin ein Cowboy und ein Cowboy geht zu keinem Kur­pfu­scher, der steckt Schmerzen weg.“) aller­dings schon vor dem unrühm­li­chen Abgang beim FC Ober­neu­land nicht ganz so. In Gel­sen­kir­chen tauchte Ailton regel­mäßig in der Geschäfts­stelle auf, um nach einem Vor­schuss zu fragen. Als er sich bei Manager Rudi Assauer 50.000 Euro für eine Hotel-Inves­ti­tion“ borgen wollte, drehte der kluge Rudi seinem Spieler den Geld­hahn zu. Assauer: Ich habe ihm mehr­fach kleine Geld­be­träge aus eigener Tasche geliehen. Die Kohle habe ich mitt­ler­weile abge­schrieben.“



6.
Nach seinem Wechsel von Werder Bremen zu Schalke 04 fragte die Welt“ säu­er­lich: Die Auto­kenn­zei­chen ihrer Wagen zeigen, dass die Autos in Dort­mund ange­meldet sind. Als Schalker eine Tod­sünde.“ Ailton diplo­ma­tisch: Dafür sind die Wagen blau. Außerdem färbe ich im Garten meinen Rasen blau. Grün ist die Farbe von Werder, aber ich bin jetzt Schalker!“ Das Ende vom Lied: Dem Rasen blieb die Natur­ka­ta­strophe erspart, Gott sei Dank.

Als Ailton den HSV auf Platz 3 schoss »>

7.
Ail­tons Her­zens­dame Rosalie begeis­terte zunächst ob ihrer Schön­heit die Klatsch­presse („Rosalie in Rosa, zum Ver­lieben – dieser Blick, dieser Mund…“), bekam neben diversen Schmuck­ge­schenken aller­dings auch eine Ohr­feige ihres Gatten ver­passt und musste sich dann auch noch anhören, wie ihr Kerl vor der Presse prahlte: Ich bin über­haupt kein Haus­mann. Ich spiele Fuß­ball, und wen ich nach Hause komme, muss das Essen auf dem Tisch stehen und das Bett gemacht sein. Zu Hause will ich nur ent­spannen: Fern­sehen, Dart spielen, Musik hören – fertig! Ich habe noch nie einen Staub­sauger zu Hand genommen!“ Die Bild“ notierte: Dafür sind im Hause Ailton die Frauen zuständig.“ Wobei in diesem Zusam­men­hang dann doch der Plural über­raschte. Ail­tons Töchter waren zu diesem Zeit­punkt näm­lich 5 und 2 Jahre alt. Früh übt sich!

8.
Und weil Rosalie eine Spie­ler­frau ist und weil Ailton ein Fuß­baller ist und weil die Bild“-Zeitung die Bild“-Zeitung ist, musste sich Frau Ailton selbst­ver­ständ­lich auch noch die Fragen nach der trauten Zwei­sam­keit stellen. Wir zitieren: An der Wand hängt ein Bild von Ailton, rei­tend auf einem Hengst. Frage: ´Ist er ein guter Lieb­haber?´ Ant­wort: Er ist beides, wild und sanft.´ Frage: ´Ailton sagt, er braucht Sex vor jedem Spiel.´ Ant­wort: ´Ich mache dann etwas sehr Spe­zi­elles mit ihm…´“ Lechz.

Ailton keine Lust auf UI-Cup“ – 10 Dinge über Inter­toto »>

9.

Lange bevor Bay­erns Gaudi-Fran­zose Franck Ribery Was­ser­bomben auf seine Kol­legen feu­erte, sorgte Ailton bereits zu Bremer Zeiten für Tanz, Lach und Tral­alala. Seinem besten Kumpel Paul Stal­teri („Wenn er sauer ist, brüllt er immer: ´Fuck! Fuck!´. Das imi­tiert dann die ganze Truppe.“) legte Ailton regel­mäßig reife Bananen in die Schuhe. Auch lustig: Ich bin in Bremen ziem­lich lange ohne gül­tigen Füh­rer­schein gefahren. Meiner war abge­laufen. Aber: Hätte ich mit dem Fahrrad zum Trai­ning fahren sollen? Nein, das ging nicht.“ Wenn das Chris­tian Brand hören würde…

10.
Sollte die Kar­riere von Ailton nun end­gültig im Eimer sein, erin­nern wir uns lieber an gol­dene Bremer Zeiten. Zum Bei­spiel an die ersten Start­schwie­rig­keiten (Manager Lemke: Er hat schon vier Dol­met­sche­rinnen ver­schlissen. Der Ersten hat er erzählt, er sei Fuß­ball­star und brauche kein Deutsch zu lernen.“) Oder an das herz­liche Ver­hältnis zu För­derer Thomas Schaaf (Ailton: Er ist nicht der beste Trainer, aber für Süd­ame­ri­kaner per­fekt.“). Oder daran, dass auch dem Bra­si­lianer Ailton bei­nahe ein deut­scher Natio­nal­stürmer geworden wäre (Ailton: Wenn Rudi Völler anrufen würde, würde ich nicht auf­legen, son­dern fragen: ´Wann ist Trai­ning? Ich komme gleich!´“). Ach.

Oh Bro­ther… – die unglaub­liche Reise von Toni Ailton»>