Seite 2: „Dnjepr ist eine sehr spezielle Mannschaft“

Klingt doch nach para­die­si­schen Zuständen für Trainer wie Sie.
Die Arbeit mit der Mann­schaft dort war in der Tat sehr ange­nehm. Die Spieler in Ost­eu­ropa bringen von Hause aus sehr viel Dis­zi­plin mit, das hat es mir leicht gemacht. Außerdem waren Sie sehr lern­willig, nicht nur was fuß­bal­le­ri­sche Dinge anging, son­dern auch das ganze Drum­herum. Nach und nach haben wir die Spieler davon über­zeugt, ihre Ernäh­rungs­ge­wohn­heiten zu ändern und stärker auf ihre Rege­ne­ra­tion zu achten. Alle haben da mit­ge­zogen.
 
Gab es trotzdem Dinge, die für Sie unge­wohnt waren? Als Spa­nier in der Ukraine, das klingt erst einmal nach Kul­tur­schock.
Nein, da gab es eigent­lich nichts. Gut, gerade im Winter war es schon ziem­lich kalt. Eine ver­nünf­tige Vor­be­rei­tung war da nicht mög­lich, also sind wir immer ins Trai­nings­lager gefahren. Nach Spa­nien zum Bei­spiel (lacht).
 
Dnjepr wird von dem Olig­ar­chen Igor Kolo­mo­jskij geführt, einem der reichsten Männer der Ukraine. War die Zusam­men­ar­beit mit ihm kom­pli­ziert?
Über­haupt nicht. Er hat sich nie in sport­liche Dinge ein­ge­mischt. Ich glaube, er konnte unsere Situa­tion ganz gut ein­schätzen.
 
Wie meinen Sie das?
Dnjepr ist ein kleiner Verein, der immer im Schatten von Dynamo Kiew oder jetzt Schachtjor Donezk stand. Die Mög­lich­keiten dort sind größer. Als wir ankamen, hat der Verein fast nie inter­na­tional gespielt. Erst in den ver­gan­genen Jahren ist Dnjepr gewachsen, unsere Ergeb­nisse wurden immer besser, auch im Umfeld hat sich viel getan. Alles andere als Platz drei hinter den zwei Großen wäre zu meiner Zeit aber unrea­lis­tisch gewesen.
 
Dabei sollte doch genug Geld vor­handen sein, um grö­ßere Ziele anzu­gehen.
Im Ver­gleich zu Donezk etwa spielen bei Dnjepr nur wenige Aus­länder. Es gibt Bra­si­lianer, einen Por­tu­giesen, Tsche­chen oder Rumänen, aber die meisten sind Ein­hei­mi­sche. Spieler aus der Region oder anderen Teilen der Ukraine. Das macht die Mann­schaft spe­ziell. Das Zusam­men­hö­rig­keits­ge­fühl ist sehr aus­ge­prägt.
 
Reicht das gegen Titel­ver­tei­diger Sevilla aus, um zu bestehen?
Sevilla ist der klare Favorit. Sie haben die bes­seren Indi­vi­dua­listen und sind die stär­kere Mann­schaft. Ihr Stil ist ein völlig anderer, sie greifen an, sind offensiv aus­ge­richtet. Aber man weiß ja, in einem Spiel kann viel pas­sieren. Der Bes­sere gewinnt nicht auto­ma­tisch.
 
Señor Ramos, diese Frage muss erlaubt sein: Warum haben Sie bei Dnjepr auf­ge­hört?
Auf­grund der poli­ti­schen Situa­tion, die sich im Laufe des ver­gan­genen Jahres immer mehr ver­schlech­tert hatte. Meine Frau lebte mit mir all die Zeit in Dnjepro­pe­trowsk, aber wir haben dann gespürt, dass es besser ist, nach Hause zurück­zu­kehren. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Es war eine fami­liäre Ent­schei­dung.