Als Serge Aurier im Juni ver­gan­genen Jahres sein Natio­nal­mann­schafts­debüt für die Elfen­bein­küste im Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel gegen Ghana gab, konnte er nicht wissen, wo seine junge Kariere zwölf Monate später einen ersten Zwi­schen­halt machen würde. Nun ist der 21-jäh­rige aus Oura­gahio, einer kleinen Stadt im Westen der Elfen­bein­küste, im WM-Kader seines Landes und bereitet sich in Bra­si­lien auf das größte Tur­nier der Welt vor. Gemeinsam mit dem berühm­testen Sohn des Landes: Didier Drogba. Ein Spieler mit dem Aurier einen ähn­li­chen Back­ground teilt — und viel­leicht ja sogar ein ähn­li­ches Schicksal.

Frank­reich oder Elfen­bein­küste

So wie Drogba, der aus der selben Region stammt, ver­ließ Aurier seine Heimat bereits in jungen Jahren in Rich­tung Frank­reich. Bei Vill­epinte FC wurde er zunächst als defen­siver Mit­tel­feld­spieler aus­ge­bildet, ehe er 2006 zusammen mit seinem Bruder Chris­to­pher vom RC Lens ver­pflichtet wurde.

Seine Füh­rungs­qua­li­täten brachten ihm schnell die Kapi­täns­rolle bei der Reser­ve­mann­schaft ein, mit 16 unter­schrieb er seinen ersten Pro­fi­ver­trag beim Klub. Am Ende der Saison erspielte sich seine Mann­schaft die Vize­meis­ter­schaft und zwei Jahre später auch die U‑18-Meis­ter­schaft. Aurier machte sich einen Namen: Als Serge, das Bison“. Den Spitz­namen erhielt er für seine dyna­mi­sche Spiel­weise. Zu dieser Zeit ver­suchte der ivo­ri­sche Ver­band ver­geb­lich Aurier für das Natio­nal­team zu gewinnen. Statt­dessen sah der Spieler seine Zukunft damals bei der Equipe Tri­co­lore“, schließ­lich besaß er auch die fran­zö­si­sche Staats­bür­ger­schaft.

Von Lens wech­selte er nach Tou­louse, und, kein Scherz, am 1. April 2012 gelang ihm sein erstes Tor als Profi. Vielen Men­schen dürfte vor allem sein zweiter Treffer in Erin­ne­rung geblieben sein. Am zweiten Spieltag der Saison 2012/13 traf Aurier gegen Saint Eti­enne per Volley von der Straf­raum­grenze.

Auch wenn er inzwi­schen als Rechts­ver­tei­diger auf­läuft, schaltet sich Aurier immer wieder in das Offen­siv­spiel ein und erzielt so auch immer wieder spek­ta­ku­läre Tore. Für Tou­louse traf er in der abge­lau­fenen Saison sechs Mal und berei­tete wei­tere sechs Treffer direkt vor, was ihn zu einem der tor­ge­fähr­lichsten Ver­tei­diger in Europa macht. Es ver­wun­dert also nicht, dass er zum Rechts­ver­tei­diger der Saison“ in der Ligue 1 gewählt wurde.

Besser als Eboué?

Ver­gan­genes Jahr ent­schied sich Aurier schließ­lich für die Elfen­bein­küste – Natio­nal­trainer Sabri Lamouchi zögerte keine Sekunde, ihn in die Aus­wahl zu berufen. Die Elfen­bein­küste hat lange auf einen Nach­folger des großen Emma­nuel Eboué warten müssen. Doch Aurier scheint dessen Fähig­keiten zu besitzen. Mehr noch: Er könnte sogar ein noch bes­serer Spieler werden als der ehe­ma­lige Arsenal-Ver­tei­diger Eboué es jemals war.

Der FC Arsenal ist neben anderen euro­päi­schen Top­klubs einer der Bewerber als neuer Arbeit­geber von Serge Aurier. Der ist sich dessen bewusst und dies könnte wie­derum dazu bei­tragen, dass er bei der WM noch einmal einen Leis­tungs­schub bekommt. Es passt zudem auch ins Bild, dass er aus­ge­rechnet im Geburts­land seines großen Vor­bilds Roberto Carlos den inter­na­tio­nalen Durch­bruch schaffen könnte. Aurier besitzt einen ähn­lich explo­siven Antritt wie der Bra­si­lianer und obwohl er nicht so viele Frei­stöße schießt ist er ein gefürch­teter Ecken­schütze. Die rasante Kar­riere des Serge Aurier, sie hat gerade erst begonnen.