Manuel Neuer

Spielte größ­ten­teils wie eine grund­so­lide Knei­pentür: Hielt draußen, was draußen zu halten war. Gab dann kurz vor Schluss eine Art Quar­ter­back auf der Suche nach Hail Mary“. Fand aber nur den Schädel von Maguire. Bitter.

Antonio Rüdiger

Sollte das Wort kom­pro­misslos“ jemals Einzug in der eng­li­schen Sprache finden, dann wegen Antonio Rüdi­gers Art und Weise der Ver­tei­di­gungs­ar­beit. Bolzte die Bälle bei seinen Klä­rungs­ver­su­chen so weit Rich­tung Ärmel­kanal, dass man den Ver­dacht haben musste, er würde das Spiel gern vor dem Sta­dion fort­setzen. Aber: Gewalt ist keine Lösung. Und Antonio Rüdiger nicht Schuld am Luft­schloss Drei­er­kette.

Mats Hum­mels

Klärte in der 44. bei Frei­stoß Eng­land mit einer famosen Flug­kopf­ball-Ein­lage gegen den lau­ernden Harry Kane. Legte in der 46. eine Mega-Monster-Grät­sche nach. Ehe man schon vom Der alte Mann und das Mehr“ fabu­lieren wollte, hüftsteifte er beim 0:1 ungünstig herum, so dass er Kane vor dem vor­letzten Pass nicht bei der Ball­an­nahme stören konnte. Muss er dran arbeiten, wenn er in zwei bis vier Jahren bei Let’s dance“ reüs­sieren will.

Mathias Ginter

Bereits nach 25 Minuten mit einer gelben Karte belastet. Zeigte sich davon aller­dings so beein­druckt wie Archi­tektur-Enthu­si­asten vom Haupt­bahnhof Mön­chen­glad­bach. Sollte Ginter der Schwach­punkt dieser deut­schen Mann­schaft gewesen sein, wie es man­cher Kri­ti­kaster im Vor­feld unkte, wäre sie ange­sichts seiner Leis­tung noch im Tur­nier.

Robin Gosens

Wie ein weit gereister Frei­geist, der sich in den Volks­hoch­schul­kurs Malen nach Zahlen, null bis eins“ ver­irrt hat: konnte sich nicht ent­falten. Kann nach dem Tur­nier immerhin als Ein-Mann-Cover­band auf Tour gehen. Für Por­tugal. The Man“.

Müller und das Pro­blem mit der Zeit

Toni Kroos

Spielte weniger Pässe (74) als Mats Hum­mels (82) oder als gegen Ungarn (106). Ver­suchte dem Spiel den­noch seinen Stempel auf­zu­drü­cken, kam in Sachen Kar­tof­fel­druck aber nur bis zur Kar­toffel.

Leon Goretzka

Der Jac­ques Cous­teau der deut­schen Mann­schaft – sollte die Tiefe suchen. Fand sie auch, zumin­dest dieses eine Mal in der achten Minute, als er fröh­lich in Rich­tung eng­li­sches Tor schnor­chelte und erst kurz vor dem Straf­raum zum Bei­fang von Declan Rice seiner Grät­sche wurde. Nahm seine Mis­sion danach allzu wört­lich, tauchte unter. Ehe er in der 90. +1 Minute noch­mals nach Luft schnappte, um mit seinem Fall­rück­zieher wie ein Thees-Uhl­mann-Zitat aus­zu­sehen: Zum Lai­chen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“.

Joshua Kim­mich

Das Haupt­au­gen­merk auf die Seiten wurde leider ledig­lich bei seiner frisch fri­sierten Matte gelegt. Kam so kaum zur Gel­tung. Schwa­cher Trost: Wer hätte vor dem Tur­nier gedacht, dass es am Ende ziem­lich wumpe war, ob Kim­mich nun als rechter Schie­nen­spieler oder doch im zen­tralen Mit­tel­feld auf­lief. Wie gesagt: schwa­cher Trost.

Thomas Müller

Von Beginn an wie ein deut­scher Tou­rist im eng­li­schen Kreis­ver­kehr: hohes Tempo, ziem­lich ziellos. Hatte in der 81. Minute den Aus­gleich auf dem Fuß, als er allein auf Eng­lands Tor­wart Pick­ford zulief. Aber so ist das wohl mit einem, der viel Zeit zum Nach­denken hat, dessen größte Stärke aber immer schien, dass er selbst nicht genau wusste was er im nächsten Augen­blick machen würde.