Seltsamer Boom in England

Und die Deutschen? Eben!

Allein die Häufigkeit, mit der Senf-, Ketchup-, Bier- oder eben Blutflecken auf dem gängigen Fan-Outfit, dem guten alten Trikot landen, macht die Southgate-Weste als dauerhaftes Fan-Utensil aber leider eher unwahrscheinlich. Trikots kosten ja mittlerweile ebenfalls ein kleines Vermögen, immerhin aber kann man sie einfach in der Maschine waschen, und muss sie nicht nach jedem Tragen in die Reinigung bringen.

Außerdem hat auch der Southgate-Look seine Tücken, denn obschon sein Auftreten in der Heimat mit Wohlwollen begleitet wird, waren auch leise kritische Stimmen zu vernehmen, die darauf hinwiesen, dass bei einer Weste wie Southgate sie trägt, der unterste Knopf offen zu bleiben hat. Das mag nach Erbsenzählerei klingen, aber in den entsprechenden gesellschaftlichen Kreisen ist man ruiniert, wenn die Knopf-Kniggeregeln missachtet werden. Dann lieber ein fleckiges, schweißiges Trikot, gern mit einem anzüglichen Spitznamen auf dem Rücken.

Ramen-Nudeln auf dem Kopf

Dass es auch günstiger geht, bewies vor einigen Tagen ein namenloser Neymar-Fan, der während eines Brasilien-Spiels auf der Tribüne abgelichtet wurde. Neymar trägt zu jedem Spiel eine neue Frisur, die möglichst noch extravaganter ist als die vorige. Alle drei Tage zum Edel-Friseur zu gehen, können (und wollen) sich die meisten Fans aber natürlich nicht leisten, ganz gleich, wie sehr sie ihrem Idol nachzueifern versuchen.

Besagter Fan hatte sich für die Ein-Euro-Shop-Variante von Neymars blonden Minipli-Locken entschieden und sich kurzerhand eine Portion Ramen-Nudeln mit Plastikfolie auf dem Kopf befestigt. Ob er eine Southgate-Weste dazu trug, zeigten die TV-Bilder leider nicht. Man kann es wirklich nur hoffen.

Und die Deutschen? Noch sah man keine Fans in edlen schwarzen Nationalmannschafts-Anzügen auf russischen Fanmeilen. Immerhin aber auch kaum Vokuhilas oder Beckmann-Jacken. Möglicherweise sind die Deutschen stilmäßig also im grauen Mittelfeld angekommen. Und das wäre doch ein Erfolg.