Was geschieht, wenn 15 Bun­des­li­gisten samt Stahl­koffer voller Gepäck und großen Ambi­tionen ins Win­ter­trai­nings­lager fahren? – Gar nichts. Scheinbar. Die Fuß­ball-Bun­des­liga ist zurück und ödete am ersten Spieltag nach der Win­ter­pause auf neu­er­liche Weise an. Nach über einem Monat Karenz­zeit schossen in der ersten Halb­zeit zehn Mann­schaften zusammen ein Tor. Viel zu wenig.

Überall ver­bes­sern

Jeder Tag gibt uns das Gefühl, dass wir eine gute Stim­mung haben, die Mann­schaft bereit ist für die Auf­gaben“, hielt zum Bei­spiel Thomas Tuchel in Mar­bella fest. Der Fuß­ball habe viele Facetten, überall wolle sich seine Mann­schaft ver­bes­sern. Gegen Werder Bremen sah das in der Anfangs­vier­tel­stunde gut aus. Nach dem Platz­ver­weis an Jaroslav Drobny und den Aus­wechs­lungen von Claudio Pizarro und Serge Gnabry sah der BVB wie der sichere Sieger aus. Statt­dessen kam Bremen, die sich am Ende selbst schlugen, zurück ins Spiel. Und Tuchel? Der erkannte, dass trotz Über­zahl nie­mals Ruhe ein­ge­kehrt war.

Doch nur Borussia Dort­mund an den Pranger zu stellen, wäre zu ein­fach. Schalke 04 mühte sich ebenso gegen den FC Ingol­stadt. Denen ist hin­gegen nichts vor­zu­werfen, denn das Trai­nings­lager fand auf hei­mi­schem Rasen statt und trotzdem zeigte der Gast mehr Enga­ge­ment, Kampf und Lauf­be­reit­schaft als Urlauber von Mar­bella.

Bis jetzt unge­schlagen

In die spa­ni­sche Sonne hatte es auch Darm­stadt 98 und Borussia Mön­chen­glad­bach ver­schlagen. Es ist die Stan­dard­va­ri­ante des win­ter­li­chen Trai­nings­la­gers für Bun­des­li­gisten. Und wäh­rend andere Mann­schaften über den gesamten Atlantik segelten, um in Orlando vor­zu­spielen oder sich kein Bild von den Men­schen­rechts­ver­let­zungen in Katar zu machen, konnte man an der Costa del Sol in aller Ruhe an seinen Zielen arbeiten.

Das Ergebnis? Blut­leer und ver­ängs­tigt grätschten sich beide Abstiegs­kan­di­daten über den Platz, ver­mieden tun­lichst den engeren Kon­takt zum geg­ne­ri­schen Straf­raum. Immerhin klopften sich die neuen Trainer Torsten Frings und Dieter Hecking nach dem 0:0 freudig auf die Schul­tern: Bis jetzt unge­schlagen.

Lea­therman am Gurt

Es war, als wären 15 Bun­des­li­gisten mit Lea­therman am Gurt in die ent­le­gensten Länder gereist, nur um beim hei­mi­schen Dia-Vor­trag mit Sel­fies vor dem Hotelbuffet auf­zu­warten.

Wolfs­burg zeigte im Ver­gleich zum Vor­jahr auch keine Leis­tungs­stei­ge­rung, son­dern pro­fi­tierte von einer Gelb-Roten Karte der beson­ders unnö­tigen Sorte an Ham­burgs Albin Ekdal. Und so konnte nur eine Mann­schaft in der ersten Kon­fe­renz des Jahres spie­le­risch ein wenig über­zeugen: TSG Hof­fen­heim. Der – und hier befindet sich der iro­ni­sche Höhe­punkt des Dramas – als einer von nur drei Bun­des­li­gisten zuhause geblieben war.