Seite 4: „No human is illegal“

So oder so: Sie scheuen auf dem Platz keine Kon­flikte, das fällt auch anderen Ver­einen auf. Gab es im Sommer Ange­bote?

Da kann ich die Werder-Fans direkt beru­higen: Ich bin sehr glück­lich hier und fühle mich sehr gut, da denke ich nicht an einen Wechsel. 

Falls Sie den Verein doch mal wech­seln sollten, laufen Sie ver­mut­lich mit der Nummer 40 auf. 

Wieso? 

Bei Ajax trugen Sie die Nummer zehn, bei Everton die 20 und jetzt bei Werder die 30.

(Lacht.) Stimmt, das ist mir vorher gar nicht auf­ge­fallen. Dahinter steckt aber kein System, bei Everton ist mir eher zufällig die Nummer 20 zuge­teilt worden, bei Werder war dann die 30 frei. 

Eine andere Tra­di­tion ihrer Kar­riere ist es, in ihren jewei­ligen Teams Niklas Moi­sander als Kapitän zu beerben. Gibt es dafür schon Pläne mit Flo­rian Koh­feldt? 

Zum Glück nicht! Niklas ist schließ­lich ein wahn­sinnig wich­tiger Spieler für uns. Des­wegen wün­sche ich mir eher, dass er noch mög­lichst lange in Bremen bleibt und ich das Kapi­täns-Amt nicht für ihn über­nehmen muss. 

Diese Saison kam es ja bereits ein paar Mal dazu.

Das fühlte sich auch gut an, war aber nur die Not­lö­sung auf Grund seiner Ver­let­zung. Ich kann auch ohne eine Kapi­täns­binde für Werder Ver­ant­wor­tung über­nehmen. 

Ver­ant­wor­tung neben dem Platz über­nehmen Sie zudem durch ihr Enga­ge­ment in der Flücht­lings-Hilfe. 

Genau. Meine Freundin ist schon seit Län­gerem sehr enga­giert in der Flücht­lings­the­matik und ver­sucht, mit der Stif­tung eines Bekannten auch Geflüch­teten vor Ort zu helfen. Also sind wir letzten Sommer für eine Woche in ein Auf­fang­lager nach Lesbos gereist. 

Was waren ihre Ein­drücke dort?

Zuerst einmal war ich beein­druckt, wie positiv die Lebens­ein­stel­lung der Leute trotz der oft schreck­li­chen Schick­sale geblieben ist. Trotzdem sind die Zustände dort wirk­lich erschre­ckend und bedrü­ckend. Zusammen haben wir mit den Leuten vor Ort ein Fuß­ball­spiel orga­ni­siert, um auf die Situa­tion und die dor­tigen Lebens­um­stände auf­merksam zu machen.

Sie selbst teilten auf Insta­gram“ ein Foto mit dem Schriftzug No Human is illegal“ – eine Bot­schaft, die oft auch auf Ban­nern im Weser­sta­dion zu lesen ist. 

Das stimmt. Auch das gefällt mir an den Werder-Fans. 

Sind für die Zukunft wei­tere Aktionen geplant?

Natür­lich kann ich nicht fünf Mal im Jahr nach Lesbos fliegen, aber auch in Bremen bringe ich mich ein. Bei Werder gibt es das Pro­jekt Spiel­raum“, in dessen Rahmen ich letzten Monat zusammen mit Marco Friedl einen Auf­ent­haltsort für Flücht­linge besucht habe. Ich denke, Fuß­ball­spieler sollten ihre Vor­bild-Funk­tion auch in sozialen Berei­chen nutzen.