Seite 3: „Ein bisschen Arjen Robben, ein bisschen Mark Van Bommel“

Im Winter wären Sie dann fast nach Neapel aus­ge­liehen worden.

Genau. Erst wollte ich gar nicht weg – auch wenn ich kaum zum Zug kam, befand ich mich ja erst seit kurzer Zeit bei Everton und hatte gehofft, noch eine Chance zu bekommen. Als sich jedoch meine Lage wäh­rend der gesamten Trans­fer­pe­riode nicht geän­dert hatte, habe ich den Ver­ant­wort­li­chen am letzten Tag mit­ge­teilt, doch wech­seln zu wollen. 

Wie ging es weiter?

Für Neapel war die Ent­schei­dung wohl etwas zu kurz­fristig, so schnell ließ sich der Wechsel nicht rea­li­sieren. Mit Sam All­ar­dyce hatte Everton zudem erst kürz­lich einen neuen Trainer instal­liert, bei dem ich mich nochmal im Trai­ning für mehr Ein­satz-Zeiten emp­fehlen wollte.

Statt­dessen blieben Sie weiter draußen.

Ich erkannte dann recht schnell, dass ich in Everton keine Zukunft mehr hatte und auch der Trainer nahm mich zur Seite. Er erklärte mir ganz deut­lich: Wir planen nicht mit dir. Wenn du willst, kannst du im Sommer wech­seln.“ 

Keine schöne Aus­gangs­lage.

Für mich war das eher hilf­reich. Der Coach hat mir das direkt am Anfang offen erklärt und ich hatte so genug Zeit um mich auf einen Wechsel im Sommer ein­zu­stellen. 

Die bri­ti­sche Presse ist dafür bekannt, mit Spie­lern hart ins Gericht zu gehen. Die Sun“ hat Sie als Außen­seiter“, Flop“ oder Alb­traum-Transfer“ bezeichnet. 

Das war nicht schön, inter­es­sierte mich aber nicht son­der­lich.

Stimmt es denn, dass Sie nach dem ver­lo­renen Europa-League-Finale mit Ajax 2017 anfangs bei Everton nicht mit Wayne Rooney spra­chen, da dieser Sie mit Man­chester United besiegt hatte? 

Was für ein Blöd­sinn! Wir haben uns sogar sehr viel über das Spiel unter­halten. Ich fand es viel­mehr inter­es­sant, seine Ansicht vom Spiel zu hören, als dass es dadurch Streit gegeben hätte. Ich weiß nicht, wie die Zei­tungen auf so etwas kommen.

Zurück zur deut­schen Presse: Der Kicker“ beschrieb ihre Spiel­weise kürz­lich mit ein biss­chen Arjen Robben, ein biss­chen Mark van Bommel“ …

(Lacht.) … das habe ich auch gelesen! Natür­lich ein spie­le­risch kurioser Ver­gleich, aber ich ver­stehe, was damit gemeint ist. 

Und zwar?

Wahr­schein­lich die Spiele gegen Union Berlin und Leipzig. (In der Partie gegen Union holte Klaassen nach leichtem Kon­takt des Kee­pers einen Elf­meter heraus, gegen Leipzig hätte er nach seinem Ellen­bo­gen­schlag gegen Nordi Mukiele die rote Karten sehen müssen Anm. d. Red.) Die Medien wollen daraus zu viel auf­bau­schen, das fühlt sich für mich nach Sen­sa­tions-Presse an. 

Also sind die Ver­gleiche unge­recht­fer­tigt?

Teil­weise. Der Union-Tor­wart trifft mich leicht, viel­leicht war es kein klares Foul, aber auch keine Schwalbe. Für mich war es ein ver­tret­barer Elf­meter. In der Szene gegen Leipzig war es ja auch keine bewusste Aktion von mir. Im Fern­sehen sah es zwar hart aus, aber ich kann garan­tieren: Es war wirk­lich nicht meine Absicht ihn im Gesicht zu treffen. Weil es zwei Spiele hin­ter­ein­ander waren, mussten die Zei­tungen wohl etwas in diese Rich­tung schreiben.