Nein, es wird aller Vor­aus­sicht nach kein schöner Nach­mittag werden für Mats Hum­mels. Wenn er Borussia Dort­mund morgen in einem Trikot mit dem Slogan Echte Liebe“ als Mann­schafts­ka­pitän zur Partie gegen den VfL Wolfs­burg auf den Platz führt, dürfte sich der Bei­fall für ihn im Rahmen halten – um es vor­sichtig zu for­mu­lieren. Ver­mut­lich wird sich der bis­lang nur digi­tale Shit­s­torm im eigenen Sta­dion in ein echtes Pfeif­kon­zert ver­wan­deln. Die meisten BVB-Fans scheinen über den ange­kün­digten Wechsel von Mats Hum­mels näm­lich in einem Maße wütend, dass es sogar ihre Empö­rung vor vier Jahren über­trifft, als Mario Götze nach Mün­chen ging. 

Ich ver­stehe ihn nicht, es gibt keinen Grund uns zu ver­lassen“, hatte Hum­mels damals gesagt. Ich muss nicht unbe­dingt in der besten Mann­schaft der Welt spielen, nur um eine rela­tive Garantie auf Titel zu haben.“ Zwei Jahre später, in denen der BVB wirk­lich keinen Titel geholt und auch ein Finale der Cham­pions League ver­loren hatte, legte er noch einmal nach: Ich habe mich nie an Titeln gemessen. Mir geht es um etwas anderes: Ich spiele gern Fuß­ball, am liebsten den Fuß­ball, der zur mir passt. Ich muss nicht sagen: Wenn ich nie die Cham­pions League gewonnen habe, werde ich nicht glück­lich im Leben.“

ES IST VIEL BESSER, EIN LEGIONÄR ZU SEIN!

Nun hat Hum­mels seine Mei­nung geän­dert oder viel­leicht auch gar nicht. Auf jeden Fall hat er Gründe dafür gefunden, seinen Ver­trag in Dort­mund nicht zu ver­län­gern und anstatt dessen ab der kom­menden Saison beim FC Bayern spielen zu wollen. Viel­leicht will er stolz dort ein­reiten, wo er vor acht Jahren nach einem mageren Bun­des­li­ga­spiel für Klein­geld nach Dort­mund abge­geben wurde. Viel­leicht gibt es in Mün­chen auch einen noch phan­tas­ti­scher dotierten Ver­trag.

Dass der Wechsel des inzwi­schen beständig auf Welt­klas­se­ni­veau spie­lenden Hum­mels für Borussia Dort­mund sport­lich ein Pro­blem sein wird, steht außer Zweifel. Dass sein Abgang gerade nach Mün­chen ein Desaster für einen halb­wegs aus­ge­gli­chenen Wett­be­werb in der Bun­des­liga ist, ist eben­falls nicht von der Hand zu weisen. Aber er wird die Bun­des­liga auch sonst ein Stück ver­än­dern. Der Hass über diesen Transfer dürfte für viele Spieler ein Signal sein: ES IST VIEL BESSER, EIN LEGIONÄR ZU SEIN! BEKENNE DICH NICHT ZU DEINEM VEREIN! Zumin­dest dann nicht, wenn man sich nicht absolut sicher ist, dass man mit 28 Jahren noch das denken wird, was man mit 24 denkt.