11FREUNDE am Morgen

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Dr. h.c. Niko­laus Schneider, Birgit Galley, Dr.Irina Kum­mert und Bernd Knob­loch. Das sind die Mit­glieder der Ethik-Kom­mis­sion des DFB, die sich ges­tern unter anderem mit dem Freisler-Ver­gleich des DFB-Prä­si­denten Fritz Keller, aber auch mit ein paar klas­si­schen Cur­tius-Moves zu beschäf­tigen hatte. Am Ende der Bera­tungen stand zwar ein Ergebnis, das aber nicht ver­kündet, son­dern dis­kret an das DFB-Sport­ge­richt wei­ter­ge­reicht wurde. Ein Vor­gang wie­derum, den der DFB nicht einmal mehr als Pres­se­mit­tei­lung raus­feu­erte, son­dern ledig­lich als dürre Mel­dung auf der Home­page ver­mel­dete.

Ganz gleich jedoch, ob das Sport­ge­richt nun den DFB-Prä­si­denten zu Sozi­al­stunden im Sekre­ta­riat von Reiner Koch oder zum Ver­zehr von her­un­ter­ge­setzten Tafel­wein aus dem Lidl ver­don­nert – Fritz Keller ist ohnehin geschei­tert und sollte mög­lichst rasch zurück­treten. Er war als Erneuerer ange­treten, der mit Charme und Alters­weis­heit den schon zuvor von zahl­losen Skan­dalen und Intrigen geschüt­telten Ver­band befrieden und in ein ruhi­geres Fahr­wasser steuern sollte. Statt­dessen gab er zur Über­ra­schung derer, die ihn ins Amt gehievt hatten, plötz­lich den unnach­gie­bigen Auf­klärer des offen­kundig gekauften Som­mer­mär­chens 2006. Eine Auf­gabe, die einen kühlen und erfah­renen Juristen aufs Äußerste gefor­dert hätte, für die ein hitz­köp­figer Winzer aus Frei­burg mit allen­falls rudi­men­tärer Sach­kenntnis aller­dings defi­nitiv der fal­sche Mann war. Zumal Keller auch noch sehenden Auges ins Unglück gerannt war, hatte er sich doch bei seinem Antritt die Richt­li­ni­en­kom­pe­tenz seiner Vor­gänger abschwatzen lassen. Die Fehl­tritte, sei es der fah­rige Auf­tritt im Sport­studio oder sein unsäg­li­cher NS-Ver­gleich, taten ihr Übriges. Keller hat keine Zukunft als DFB-Prä­si­dent.

Aber wer soll ihm nach­folgen? Philipp Lahm, der von der Bou­le­vard­presse ins Spiel gebracht wurde? Dann müsste Lahm erst einmal irgend­eine Art von Agenda ent­werfen, die über die schmerz­haft banalen Plat­ti­tüden seiner Kolumne in der Zeit“ hin­aus­gehen. Oder Rudi Völler, der von Andreas Rettig aus Kan­di­da­ten­ka­russel gesetzt wurde? Nein, viel­leicht wäre es besser, wenn jemand käme, der nicht vom Fuß­ball­ge­schäft defor­miert ist. Muss ja kein zweiter Grindel sein, auch kein stock­eitler Funk­tionär aus Alten­diez. Und ein kon­kreter Name fällt mir auch gerade nicht ein (ehr­lich gesagt). Aber das wäre doch mal erfri­schend: ein DFB-Prä­si­dent, der nicht die letzten dreißig Jahre damit zuge­bracht hat, im Busi­ness­be­reich der Allianz-Arena das panierte Schnitzel vom Tablett zu fin­gern.

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Alles auf Horst

Der Ham­burger Weg. Als vor der Saison Daniel Thioune als neuer HSV-Trainer vor­ge­stellt wurde, über­boten sich die Sport­me­dien (11Freunde natür­lich wie immer mitten drin) mit Lobes­hymnen auf den Coach, der zuvor den VfL Osna­brück von Erfolg zu Erfolg hatte eilen lassen. Thioune würde nun, da waren sich alle sicher, den auf bibli­sche Weise geplagten Ham­burger SV ins gelobte Land, also zumin­dest in die erste Liga führen. Statt­dessen wurde Thioune zum vierten glücks­losen Zweit­li­ga­coach beim HSV. Wie for­mu­lierte es ges­tern ein Twit­terer seuf­zend: Der HSV schafft eben alle“. Alle, bis auf einen. Denn für die letzten drei Spiele über­nimmt Horst Hru­besch, der alte Fah­rens­mann aus der Nach­wuchs­ab­tei­lung, die Profis. Das ist einer­seits natür­lich Wahn­sinn, unge­fähr wie damals, als Arminia Bie­le­feld Jörg Berger für ein Spiel ver­pflich­tete und natür­lich trotzdem abstieg. Und ande­rer­seits wün­schen wir uns trotzdem, dass das hin­haut. Dass Horst Hru­besch wie der große Bell­heim ein paar alte Kämpen um sich schart (Rudi Kargus malt natür­lich die Mann­schafts­auf­stel­lung), der ver­zagten Truppe wieder das Siegen bei­bringt und doch noch den Auf­stieg schafft. Wir sagen: Alles auf Horst!

Zitat des Tages

Ich kann es nicht in Worte fassen. Es war extrem dra­ma­tisch. Wir haben an uns geglaubt, einen Rie­sen­schritt gemacht.“

Düsseldorfs Shinta Appelkamp nach seinem Last-Minute-Treffer gegen den Karlsruher SC, der die Fortuna ganz nah an den drittplatzierten HSV heranrücken lässt
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Schöne Ein­lage

Das war knapp. Da war Ajax Ams­terdam gerade mal wieder Meister geworden, da warf Tor­schütze Davy Klaassen bei den anschlie­ßenden Fei­er­lich­keiten, zu denen sich dann doch ein paar tau­send Anhänger ver­sam­melt hatten, im Über­schwang der Euphorie seine Schuhe in die Menge. Erst als die Lat­schen schon in der Luft waren, begriff Klaassen, dass sich in ihnen extra für ihn ange­fer­tigte Spe­zi­al­ein­lagen befanden, die er unbe­dingt wie­der­haben musste. Also star­teten Klub und Spieler einen Aufruf in den sozialen Medien: Davy Klaassen heeft jullie hulp nodig!“ Die gute Nach­richt folgte prompt: Die Schuhe sind wieder da. Und Kla­aasen kann wieder Fuß­ball spielen.

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Nach­hol­spiel

Wer gedacht hatte, Hertha BSC würde sich nach der Corona-Qua­ran­täne bleich und aus­ge­mer­gelt über den Platz schleppen, sah sich ges­tern abend im Nach­hol­spiel der Ber­liner in Mainz getäuscht. Mit dem 1:1 gelang es zwar nicht, Boden auf den um acht Punkte ent­eilten Kon­kur­renten gut zu machen, aber Hertha kickte in der zweiten Hälfte so ziel­strebig und moti­viert, dass es bei kon­se­quen­terer Nut­zung der Chancen auch ein Sieg hätte werden können. So reichte der Füh­rungs­treffer durch einen schmis­sigen Kopf­ball von Lucas Tou­sart in der 36. Minute nicht, weil Mainz durch Phil­lipp Mwene post­wen­dend aus­glich. Trotzdem wurde Coach Pal Dardai für seine Ver­hält­nisse nahezu unan­ge­messen gefühlig: Ich habe die nochmal zusam­men­ge­holt, ich mache das sonst nicht. Ich habe sie gelobt“, ver­kün­dete Dardai und wirkte dabei fast erschro­cken über sich selbst. Die wei­teren Nach­hol­spiele gegen Frei­burg und Schalke wird Hertha nun gewinnen müssen, um den Anschluss zu behalten. Aber wie sagte Dardai weiter: Auf diesem Spiel kann man auf­bauen. Mehr, als ich erwartet habe“.

Vor­ge­zo­gener Valen­tinstag

Hal­li­hallo! Der Trainer des SC Cam­buur, Henk de Jong, ist ein echter Gen­tleman. Da mag ihn auch der ESPN-Reporter vor dem Erst­liga-Spiel gegen De Graaf­schap vor lau­fender Kamera nach seiner Ein­schät­zung fragen, wenn die Gattin vor­bei­fla­niert, wird trotzdem ordent­lich gegrüßt. Und so unter­brach de Jong seine Aus­füh­rungen für den herz­li­chen Ruf mit Hand­gruß: Hé, mijn vrouw!“ Und die grüßte offenbar freund­lich zurück.

Heute und morgen werden die Final­teil­nehmer der Cham­pions League ermit­telt. Den Anfang machen um 21 Uhr Man­chester City und PSG. Nach dem 2:1‑Hinspielsieg von City brau­chen die Pariser schon einen Sieg mit zwei Toren Unter­schied, denn Aus­wärts­tore zählen ja dopp…, ich höre schon auf!

Eine schönen Dienstag wünscht

Philipp Köster