Seite 4: „Die 3. Liga tut weh“

Sport­lich war Cottbus für Sie eine Erfolgs­ge­schichte.
Ich hatte mit Pele Wol­litz einen Trainer, der genau wusste, was ich kann. Der aber auch genau wusste, was er noch aus mir heraus kit­zeln möchte. Und wie er mich anzu­pa­cken hat. Irgend­wann hat er mich länger spielen lassen, das Ver­trauen habe ich dann zurück­ge­zahlt.

Wie muss man Sie denn anpa­cken?
Er hat unan­ge­nehme Gespräche mit mir geführt. Mir selbst nach guten Spielen gesagt, wo ich noch Luft nach oben habe. Teil­weise hat er mich richtig zur Sau gemacht. Aber das habe ich gebraucht, um die Dinge zu begreifen. Bis dahin war es bei mir immer noch so: Ich habe ein gutes Spiel gemacht – und wurde danach gleich wieder etwas lazy. (Lacht.)

2019 stiegen Sie mit Cottbus aus der 3. Liga ab und unter­schrieben kurz darauf einen Ver­trag bei Pader­born. Aller­dings war zu dem Zeit­punkt der Ver­hand­lungen noch gar nicht klar, dass der SC Pader­born auf­steigen würde. Wie haben Sie den letzten Spieltag und die ent­schei­dende Partie zwi­schen Pader­born und Dresden ver­folgt?
Ich war in Dresden im Sta­dion. Und habe mehr geschwitzt als die Jungs unten auf dem Platz. Es war zu viel für mich, emo­tional. Am Tag zuvor waren wir abge­stiegen – und plötz­lich ging es für mich darum, Bun­des­liga zu spielen. Es war extrem heiß, das Spiel ging hin und her, man musste die ganze Zeit auf das Par­al­lel­spiel von Union in Bochum achten. Ich war mit einem Freund im Sta­dion und habe ihn die ganze Zeit nur ange­schrien: Aktua­li­sier den ver­dammten Live­ti­cker!!! Wie steht’s in Bochum, man?“ Beim Abpfiff bin ich sofort raus­ge­stürmt und habe meine Familie ange­rufen.

Was unter­scheidet die Bun­des­liga von den Ligen, die Sie davor kannten?
Das Tempo ist extrem. Die Spieler sind hand­lungs­schnell. In der dritten Liga gibt es auch super Kicker, aber es dauert halt alles etwas länger. Du bekommst viel mehr Zeit für deine Aktionen. Machst du in der Bun­des­liga einen klit­ze­kleinen Fehler, wird das sofort aus­ge­nutzt. Wer da langsam im Kopf ist, hat keine Chance. Ein guter Spieler unter­scheidet sich von einem sehr guten Spieler vor allem im Kopf. Der­zeit bin ich gut unter­wegs – aber noch nicht sehr gut.

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Strely Mamba feiert den Gewinn des Bran­den­bur­gi­schen Lan­des­po­kals 2016/2017

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Viele dachten: Der Mamba, das ist doch eine Ein­tags­fliege“

Wel­cher Spieler hat Sie bisher am meisten beein­druckt?
Kai Havertz! Wir haben gleich am ersten Spieltag in Lever­kusen gespielt. Ich stand auf dem Platz und habe teil­weise gestaunt. Gefühlt hatte der keinen Puls, keine Mimik, nichts. Aber diese Ball­be­hand­lung, dieses Tempo in seinen Aktionen… und das in seinem Alter. Wahn­sinn.

Tun die Gegen­spieler in der Bun­des­liga mehr weh?
Nein. Die abso­lute Kampf­liga ist die 3. Liga. Die tut weh. Wer dort besteht, kann kör­per­lich in jeder Liga spielen. Bei uns in Pader­born haben die meisten Jungs auch mal 3. Liga gespielt – die können Ihnen das alle bestä­tigen.

Was macht man eigent­lich am Abend, nachdem man zwei Tore in Dort­mund erzielt hat?
Nicht schlafen, so viel steht fest. (Lacht.) Vor 80.000 Leuten spielen, zwei Tore machen, das war ein­fach ganz krass. Der Abend hat für mich auf jeden Fall viel ver­än­dert. Seit diesem Abend sind ich und meine Geschichte plötz­lich im Fokus. Aber das beste daran war, dass ich die Leis­tung gleich in der Woche danach gegen Leipzig bestä­tigen konnte. Viele dachten bestimmt: Der Mamba, das ist doch eine Ein­tags­fliege.“ Dann kam mit Leipzig gleich das nächste Brett. Und ich habe wieder gut gespielt und getroffen. Seitdem wird mir von den Innen­ver­tei­di­gern ein ganz anderer Respekt ent­ge­gen­ge­bracht.

Wie merkt man das?
An ihrem Ver­halten. Ent­weder mar­kieren sie mich viel enger – oder sie halten einen viel grö­ßeren Sicher­heits­ab­stand. Wir haben danach gegen Bremen gespielt und plötz­lich hatte ich total viel Raum. Die haben sich extrem tief fallen lassen, weil sie nicht wollten, dass ich ins Laufen komme. Danach ging es gegen Union – da war es das kom­plette Gegen­teil. Es gab direkt auf die Socken, von Anfang an. Und du merkst es auch in den Gesprä­chen vor den Spielen, wenn du mit Jungs quatscht, die du kennst. Da wird ganz anders über dich geredet, da merkst du, dass die alle ver­folgt haben, was du so gemacht hast.

Strely Mamba, Sie sind in den ver­gan­genen vier Jahren von der Ober­liga in die Bun­des­liga gestürmt und haben in dieser Saison bereits fünf Tore geschossen. Wo soll das eigent­lich alles enden?
Wenn ich es mir aus­su­chen könnte, würde ich gerne irgend­wann ins Aus­land wech­seln. Am liebsten in die Pre­mier League, der Fuß­ball dort käme meinem Spiel­stil wahr­schein­lich ent­gegen. Immer Vollgas, hoch und runter, wenig Mit­tel­feld­ge­plänkel. Wenn ich in der Bun­des­liga bleiben kann, wäre das aber natür­lich auch schön.