Seite 3: „Ich hatte keine andere Wahl, ich brauchte das Geld“

Haben Sie denn groß getönt, dass Sie noch Profi werden würden?
Brauchte ich gar nicht, das spricht sich auch so rum. Du redest mit Mit­spie­lern, Gegen­spie­lern, Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen oder Fans, die fragen nach deiner Zukunft, du sagst: Pro­fi­fuß­ball.“ Und dann weiß das ein paar Wochen später die halbe Ober­liga. Und dann wird natür­lich auch geläs­tert. Aber ich sage mal so: Ich bin im Gegen­satz zu einigen dieser Typen, die sich damals das Maul zer­rissen haben, heute nicht arbeitslos.

Arbeitslos waren Sie auch damals nicht – Sie haben ja in einem Fit­ness­studio gejobbt.
Ich hatte keine andere Wahl, ich brauchte das Geld. Zum Glück kannte ich den Chef ganz gut und konnte mir die Schichten so legen, dass ich es abends trotzdem zum Trai­ning geschafft habe. Auch wenn das bedeu­tete, dass ich um 06:00 Uhr los­legen musste. Ging halt nicht anders.

Richtig Fahrt nahm ihre Kar­riere erst auf, als Sie zum ersten Mal im Leben den Süd­westen des Landes ver­ließen und nach Cottbus wech­selten. Wie sind Sie in der Lau­sitz gelandet?
Ich spielte zu der Zeit für Sand­hausen II in der Ober­liga, schoss in der Saison zehn Tore und zeigte gute Leis­tungen. Aber der Trainer der ersten Mann­schaft meinte, dass der Sprung zur 1. Mann­schaft in die 2. Bun­des­liga zu groß für mich wäre. Weil ich unbe­dingt höher spielen wollte und das Angebot von Pele Wol­litz auf dem Tisch lag, bin ich nach Cottbus in die Regio­nal­liga gegangen.

In einem Inter­view mit Spox haben Sie mal gesagt, Cottbus sei zunächst ein Kul­tur­schock“ gewesen. Wieso?
Ich bin damals mit dem Zug nach Cottbus gefahren, am Haupt­bahnhof aus­ge­stiegen und dachte nur: Wo bin ich hier denn gelandet?“ Jede Stadt ver­sprüht ja eine Atmo­sphäre, und egal wo man hin­kommt, man ent­wi­ckelt immer recht schnell ein Gefühl für den Vibe einer Stadt. Und in Cottbus war dieser Vibe für mich zunächst nicht son­der­lich ein­la­dend: Die Leute guckten mich komisch an, es war grau, im Ver­gleich zum Süd­westen wirkte alles etwas ver­krampft. Aber ich dachte mir: Scheiß drauf.“

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Strely Mamba als Ober­liga-Stürmer bei Sand­hausen II

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Und dann wurde es besser?
Auf jeden Fall. Ich habe mit der Zeit tolle Men­schen ken­nen­ge­lernt, und die Stadt selber, mit dem his­to­ri­schen Markt­platz und der Alt­stadt, ist nicht nur grau, im Gegen­teil, es gibt tolle Ecken. Aber Fakt ist auch: Wenn die Leute mich als dun­kel­häu­tigen Men­schen in einem schi­cken Auto gesehen haben, haben sie komisch geguckt. Genauso, wenn ich mit etwas teu­reren Kla­motten durch die Stadt gelaufen bin. Es gab komi­sche Blicke – oder dumme Bemer­kungen.

Was für Bemer­kungen?
Ich wurde auch ras­sis­tisch belei­digt. Einmal war­tete ich am Bür­ger­steig auf einen Freund, der mich mit dem Auto abholen wollte. Dann kam gleich ein Typ an: Gehen Sie sofort von meinem Grund­stück!“ Ich meinte nur: Hä? Ich stehe doch auf dem Bür­ger­steig und warte nur kurz.“ Dann wurde es gleich ernst: Gehen Sie hier weg. Hauen Sie ab. Gehen Sie dahin, wo Sie her­kommen.“ Da meinte ich nur, dass ich aus Deutsch­land käme und wo ich seiner Mei­nung nach denn hin­gehen solle. Aber das war ein älterer Mann. Noch schlimmer emp­finde ich ras­sis­ti­sches Denken, wenn es von jungen Leuten kommt. Einmal war ich im Super­markt, hinter mir stand ein junger Kerl. Ich hatte meine Ein­käufe auf das Band gelegt, aber Kau­gummis ver­gessen, und musste des­halb noch mal kurz nach hinten in der Schlange, um welche zu holen. Ich ging also für einen Augen­blick weg, und sofort rutschte der Kerl vor mich. Also sagte ich: Ent­schul­di­gung, können Sie mich bitte vorbei lassen.“ Er reagierte nicht. Er dachte, die Stimme könnte auf keinen Fall meine sein, weil es ja deut­sche Worte waren. Dann habe ich ihn ange­tippt. Er drehte sich um, guckte mich an und sagte: Du kannst ja deutsch…?“ Ich dachte nur: Ist das sein Ernst? Sehe ich aus, als käme ich vom Mars?

Was macht das mit Ihnen?
Einer­seits denke ich bei ras­sis­ti­schen Belei­di­gungen, wenn einer zum Bei­spiel Scheiß Neger“ brüllt: Das sind schwache Men­schen, die können sich nicht anders helfen und gehen des­wegen auf die Haut­farbe. Weil sie sich davon erhoffen, mich wirk­lich zu treffen. Ande­rer­seits denke ich: Das sind teil­weise die glei­chen Leute, die mir dann am Wochen­ende im Sta­dion zuju­beln. Und dann regt es mich natür­lich auf. Zur­zeit häufen sich die ras­sis­ti­schen Belei­di­gungen in Sta­dien ja auch wieder, in Ita­lien, in Eng­land. Und ich wäre der erste, der vom Platz gehen würde, wenn so etwas bei einem Spiel von mir pas­sieren würde. Egal, wie es steht oder was das für Kon­se­quenzen hätte. Man darf Ras­sismus nicht tole­rieren. Ich bin fest davon über­zeugt: Alle Men­schen sind gleich. Wir atmen die gleiche Luft, egal ob schwarz, weiß, gelb oder rot. Ich bin nicht anders als Sie.

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Strely Mamba jubelt für Energie Cottbus

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