Es ist Zeit für einen Abge­sang. Gerade einmal sechs Jahre ist es her, dass der BVB mit dem Double-Gewinn den Höhe­punkt der Klopp-Ära fei­erte. Im DFB-Pokal­fi­nale besiegten die Borussen Bayern Mün­chen mit 5:2. In Worten: Fünf zu zwei. Der BVB war zum Angst­gegner auf­ge­stiegen für den FC Bayern und deren Coach Jupp Heynckes.

Diese Zeiten sind vorbei, wahr­schein­lich schon länger. Den end­gül­tigen Schluss­punkt hat die Riva­lität am ver­gan­genen Samstag gefunden. Mit 6:0 fer­tigten die Bayern Borussia Dort­mund ab und ließen dabei keinen Zweifel daran auf­kommen, dass aktuell ganze Gala­xien liegen zwi­schen den beiden größten deut­schen Fuß­ball­ver­einen. Fünf Thesen, wie es soweit kommen konnte.

1. Ja, die Bayern sind so gut
Die Leis­tungen der Bayern sind stets schwierig zu bewerten. Sind sie so gut? Oder sind ihre Gegner ein­fach eine Klasse schlechter? Auch wenn Borussia Dort­mund eine schwache Leis­tung gezeigt hat, schmä­lert das nicht die Qua­lität der Bayern.

Heynckes hat dem Team Sta­bi­lität und Struktur ver­liehen. Die Bayern agieren aus einem unor­tho­doxen 4 – 3‑3-System, das schnell zu einem 4−2−3−1 werden kann. Grund für die Wech­sel­spiel­chen sind die unter­schied­li­chen Rollen von Thomas Müller und James Rodri­guez. Wäh­rend Müller als halb­rechter Mit­tel­feld­spieler häufig nach vorne geht, lässt sich Rodri­guez eher fallen. Der Kolum­bianer hilft Mar­tinez, das Spiel aus der Mit­tel­feld-Zen­trale zu lenken. Franck Ribery besetzt die frei wer­dende Lücke auf halb­links, David Alaba wie­derum gibt den Links­außen. Im Spiel­aufbau ent­steht eine klare 2 – 3‑5-Struktur.

Das klingt mehr nach der Bau­an­lei­tung für einen Gabel­stapler als nach Fuß­ball. Im End­ef­fekt geht es aber genau darum: Das Bayern-Spiel ist nach einem klaren Plan durch­struk­tu­riert, die Spieler wissen, wo sie zu stehen haben. Ver­lässt ein Spieler seine Posi­tion, besetzt sofort ein Mit­spieler den vakanten Raum. Die Bayern haben stets meh­rere Anspiel­sta­tionen um den Ball herum, und nach Ball­ver­lusten können sie sofort in eine kom­pakte Ord­nung zurück­finden. Die Bayern sind vielen Geg­nern nicht nur indi­vi­duell über­legen, son­dern auch in der tak­ti­schen Orga­ni­sa­tion. Und das spürt man auf dem Platz.

2. Dort­munds Leis­tungs­ni­veau wird über­schätzt
Zwölf Spiele, sieben Siege, fünf Unent­schieden, 19:10 Tore: Peter Stö­gers Bun­des­liga-Bilanz konnte sich bis Sams­tag­abend sehen lassen. Die Ergeb­nisse ver­schlei­erten, dass die Leis­tungen der Dort­munder kei­nes­wegs über­ra­gend waren. Im Euro­pa­pokal deckten Ata­lanta Ber­gamo und RB Salz­burg die Dort­munder Schwä­chen auf. Es war nur eine Frage der Zeit, bis dies auch einem Bun­des­li­gisten gelingen sollte.

Ein Blick in die Zahlen zeigt, dass Dort­mund sich unter Stöger nicht wei­ter­ent­wi­ckelt hat. Im Geg­ne­teil: Sie lassen mehr geg­ne­ri­sche Tor­schüsse zu als sie selbst kre­ieren, auch die Pass­ge­nau­ig­keit ist geringer als unter Vor­gänger Peter Bosz.