Inter­view­ter­mine mit viel beschäf­tigen Fuß­ball-Prot­ago­nisten sind in Tagen wie diesen ein Ritt auf der Rasier­klinge. Fährt der Zug, der einen recht­zeitig zum ver­ab­re­deten Treff­punkt bringt? Wird der Befragte pünkt­lich sein, damit man auch den ICE erreicht, der einen wohl­be­hütet zurück in seine Heimat fährt? Wie wird der Gesprächs­partner auf die Fragen reagieren? Hat er gute Laune, weil das Team funk­tio­niert? Schlechte, weil sich gerade wieder ein Leis­tungs­träger ver­letzt hat oder das Kind daheim geschrieen hat? Fragen über Fragen.

In der Bun­des­liga ist es fast üblich, dass man Jour­na­listen ein wenig warten lässt. Spieler müssen schnell noch einmal zur Mas­sage, Trainer ziehen ein Mee­ting vor, Manager haben eh ihren eigenen Ter­min­plan – und oft ist es auch Teil des Macht­spiels, sich nichts vom Pres­se­spre­cher vor­schreiben zu lassen. Umso über­raschter stellen wir fest, dass Felix Magath – seines Zei­chens Trainer und Manager in Per­so­nal­union und des­halb zumin­dest auf dem Papier unab­kömm­li­cher als jeder andere in der Bun­des­liga – die Geschäfts­stelle im Wolfs­burger Sta­dion an diesem Spät­som­mertag mit lässig umge­schla­genen Schal auf die Minute pünkt­lich betritt. Ein kurzer, freund­li­cher Schnack mit der Sekre­tärin, dann schließt er die Tür zum Kon­fe­renz­raum hinter sich, begrüßt uns mit festem Blick, bei­läufig, aber mit einem festen Hän­de­druck und ent­schul­digt sich für seine ca. 180-sekün­dige Ver­spä­tung. Auf unsere Fragen reagiert er wie auf eine Aus­stel­lung mit expres­sio­nis­ti­scher Kunst. Manchmal über­legt er über Sekunden, auf was wir wohl hinaus wollen. Dann platzt er ent­rüstet heraus. Hier und da beöm­melt er sich ein biss­chen. Und als wir nach den Bayern fragen, schmun­zelt er wis­send – fast iro­nisch – und ant­wortet dann doch gewohnt sach­lich und dis­kret. In Erin­ne­rungen schwel­gend an seine große Zeit als Spieler beim HSV, lockert er dann irgend­wann den Griff der ver­schränkten Arme vor seiner Brust. Ich habe geraucht und ab und an habe ich auch einen getrunken – und wun­der­bare Jahre in Ham­burg ver­lebt.“ Und lehnt sich zurück, lächelt wie Scooter aus der Muppet-Show ver­gnügt hinter dem Gestell, für das er mal zum Bril­len­träger des Jahres gekürt wurde. Das ist kein Quälix, kein dröger Schach­spieler, kein schlichter Rasen-Stra­tege oder Fuß­ball-Streber. Magath ist ein Kumpel-Typ, viel zu unprä­ten­tiös und höf­lich, um ein steifer Unsym­path zu sein. Ein stilles Wasser mit vielen Untiefen, die zu ergründen, zwei Stunden in der Tra­ban­ten­stadt ein­deutig zu kurz sind. Am Ende sagt er: Alles Gute für Sie.“ Zwei Stunden Lebens­zeit – sinn­voll genutzt. So soll es sein.