Man kennt das Ritual aus den Sta­dien der Repu­blik: Wann immer ein Mit­glied der aktiven Fan­szene eines Ver­eins ver­stirbt, stehen ähn­liche Abläufe an. Der Verein bekundet seine Trauer mit einer Schwei­ge­mi­nute, der Tote wird mit mar­kigen Worten geehrt und die Fans orga­ni­sieren eine Gedenk-Cho­reo­gra­phie. Auch in Chem­nitz wurde am ver­gan­genen Samstag auf diese Art getrauert. Um Thomas Tommy“ Haller. So weit, so gut und nach­voll­ziehbar.

Wenn da nicht ein Pro­blem wäre. Haller näm­lich war nicht nur Fan des Chem­nitzer FC, son­dern zudem beken­nender und bekannter Neo­nazi, der weit über die Anhän­ger­schaft des Ver­eins hinaus gewirkt hatte. Und des­halb stehen der Chem­nitzer FC und seine Fans seit zwei Tagen wieder einmal im Kreuz­feuer der Kritik.

Sup­port für den local Hool“

Was war pas­siert? In der ver­gan­genen Woche erlag Thomas Haller nach langer Krank­heit im Alter von 55 Jahren seinem Krebs­leiden. Vor der Partie des sou­ve­ränen Tabel­len­füh­rers der Regio­nal­liga Nordost gegen die VSG Alt­glie­nicke bekun­deten rund 4.000 Zuschauer im Sta­dion des Chem­nitzer FC des­halb ihre Trauer und ihr Bei­leid. Wäh­rend auf der Anzei­ge­tafel ein Por­trät Hal­lers samt Trau­er­flor ein­ge­blendet wurde, hielt der Sta­di­on­spre­cher eine Rede auf den Ver­stor­benen und sprach sein tiefstes Mit­ge­fühl“ aus. Im Fan­block wurde der­weil hinter einem großen Ruhe in Frieden, Tommy“-Banner eine Fahne mit weißem Kreuz gehisst. Zu reich­lich melo­dra­ma­ti­scher Beschal­lung ent­zün­deten Chem­nitzer Fans wäh­rend der anschlie­ßenden Schwei­ge­mi­nute einige Ben­galos.

Doch damit nicht genug: Als Top­tor­jäger Daniel Frahn das zwi­schen­zeit­liche 3:2 erzielte, rannte er zur Sei­ten­linie und bekam von einem Betreuer der Chem­nitzer ein schwarzes Shirt mit der Auf­schrift Sup­port your local Hools“ über­reicht, das Frahn in Rich­tung der Kurve prä­sen­tierte. Im Ver­lauf des Wochen­endes machte der neu­er­liche Nazi-Skandal“ von Chem­nitz dann die Runde und ent­wi­ckelte sich von einem veri­ta­blen Shit­s­torm zu einem hand­festen Pro­blem für den CFC.

Hoo­ligan, Nazi und Ras­sist

Die Auf­re­gung ist dabei so groß wie nach­voll­ziehbar. Thomas Haller war nicht gerade ein kleines Licht in der west­säch­si­schen Neo­na­zi­szene, son­dern unter anderem Gründer und lang­jäh­riger Anführer einer Hoo­ligan-Gruppe mit dem ein­deu­tigen Namen Hoo­NaRa“ – Hoo­li­gans Nazis Ras­sisten“. Trotz – oder wegen? – dieser selbst­be­wussten Demons­tra­tion der poli­ti­schen Ein­stel­lung am äußersten rechten Rand war die Hoo­NaRa“ lange ein aktiver Teil der Chem­nitzer Fuß­ball­land­schaft. Bis 2006 konnte Haller mit seiner Firma Haller Secu­rity“ sogar Sicher­heits­dienste im Sta­dion über­nehmen.

Die Hoo­NaRa“ wirkte aber auch über den Fuß­ball hinaus. Der Grup­pie­rung werden Ver­bin­dungen zum extrem rechten Terror-Netz­werk NSU nach­ge­sagt. Eines ihrer Mit­glieder war 1999 an dem Mord an Patrick Thürmer, einem jungen Punker, betei­ligt. Heute ist die Hoo­NaRa“ lange nicht mehr öffent­lich in Erschei­nung getreten.