Über die Men­ta­lität von Profis zu debat­tieren, gehört so ziem­lich zum ödesten, was es an Dis­kus­sionen im Fuß­ball so gibt. Mats Hum­mels hat dazu neu­lich in einem Inter­view mit 11FREUNDE tref­fend fest­ge­stellt: Ich sage immer: Man­gelnde Men­ta­lität‘ ist der kleine Bruder des Stel­lungs­feh­lers. Der Begriff wird dann benutzt, wenn man nicht so genau weiß, was falsch gelaufen ist.“ Bei der 0:2‑Niederlage von Borussia Dort­mund gegen Mainz 05 war Hum­mels aber auch deut­lich zu hören, als er rief: Unser Pres­sing ist Alibi.“ Und ver­mut­lich würde er sich nach diesem Spiel doch auf eine Dis­kus­sion über die Men­ta­lität im Team ein­lassen.

Unser Pres­sing ist Alibi“

Borussia Dort­mund hatte in der Rück­runde zuvor zwölf von 14 Spielen gewonnen und nur zwei ver­loren. Dabei hatte Favres Team jeweils nach den Bayern die zweit­meisten Tore geschossen und die zweit­we­nigsten kas­siert. Der BVB hatte einen Haufen Pro­bleme aus der Hin­runde gelöst, als irri­tie­rende Defen­siv­schwä­chen und fahr­läs­sige Abschlüsse dafür sorgten, dass die Mann­schaft eben kein rich­tiger Titel­kan­didat wurde.

Natür­lich kann es mal pas­sieren, dass Mainz in Dort­mund gewinnt. Der Zauber des Fuß­balls besteht schließ­lich auch darin, dass unter­le­gene Mann­schaften manchmal einen Sieg mit­nehmen, weil der Zufall und der Fuß­ball­gott es so wollen. Das Pro­blem des aktu­ellen Mainzer Sieges in Dort­mund ist aber: Er war völlig ver­dient. Mainz hatte schlichtweg die bes­seren Tor­chancen und lief auch noch neun Kilo­meter mehr. Oder Dort­mund lief neun Kilo­meter weniger, was dann zum Teil erklärt, warum sich Hum­mels über Alibi-Pres­sing beschwerte.

Stäh­lern humor­loses Immer-gewinnen-Wollen

Nun könnte man meinen, dass es halt dazu­ge­hört, dass Mann­schaften zum Ende einer Saison aus­kup­peln und dann komi­sche Resul­tate dabei her­aus­kommen. Aller­dings ist es fast schon Wett­be­werbs­ver­zer­rung, dass Mainz nun Punkte aus Dort­mund mit­nehmen konnte, die sie vor vier Wochen nie­mals geholt hätten. Uner­freu­lich ist auch, dass das ein Dort­munder Mur­mel­tiertag war. Ein ähn­li­ches Erlebnis hatten die Mainzer bereits vor zwei Jahren, als sie am vor­letzten Spieltag in Dort­mund mit 2:1 gewannen. Noch spek­ta­ku­lärer war die schwarz­gelbe Auf­bau­hilfe am letzten Spieltag 2013, als sich Hof­fen­heim mit einem Sieg in Dort­mund noch in die Rele­ga­tion ret­tete.

Solche Spiele gab es beim FC Bayern in der jün­geren Ver­gan­gen­heit nicht. Der Rekord­meister hat eine stäh­lern humor­lose Hal­tung des Immer-gewinnen-Wol­lens eta­bliert, die längst tief in der DNA des Klubs ver­an­kert ist. Leider gehört es zu den trau­rigen Erkennt­nissen über den Zustand der Bun­des­liga, dass es keinen anderen Klub gibt, bei dem das eben­falls so ist. Allein durch ein sol­ches Wollen würde der BVB den rie­sigen wirt­schaft­li­chen Vor­sprung der Bayern natür­lich nicht ver­kürzen können. Aber ohne eine solche Men­ta­lität von Cham­pions wird der Verein auch dann die Chance auf einen Titel­ge­winn ver­passen, wenn es sie denn mal gibt.