Seite 2: Welche Rolle Mutko während der WM spielt

Mutko selbst saß erst am Don­nerstag mit Gianni Infan­tino, dem Prä­si­denten der Fifa, vor unzäh­ligen Fern­seh­ka­meras. Nicht, um über einen Aus­schluss des WM-Gast­ge­bers. Son­dern, um klar­zu­stellen: Diese stän­digen Vor­würfe und Spe­ku­la­tionen zielen nur darauf ab, unser Land zu dis­kre­di­tieren.“ Denn Mutko ist nicht nur zum Vize-Pre­mier seines Landes auf­ge­stiegen, er ist auch der Chef des WM-Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees. So hatte er einen Olympia-Aus­schluss bis zuletzt für unmög­lich gehalten, doch bei der WM hält Mutko die Fäden in der eigenen Hand.

Bei der WM werden die Doping­tests erneut allein durch die Fifa orga­ni­siert, die Welt-Anti-Doping-Agentur erhält nur einen Beob­ach­ter­status. Experten ver­muten, dass wäh­rend des Tur­niers aus­ge­rechnet ein Doping­labor in Moskau die Arbeit ver­richten soll. Beauf­sich­tigt von Lands­män­nern, die den Doping­skandal für eine Ver­schwö­rung der west­li­chen Welt halten.

Ver­häng­nis­volles Signal

Eigent­lich müsste die Fifa jetzt, nach dem Urteil der IOC und dem indi­rekten Ein­ge­ständnis, dass die McLaren-Reports wahr sind, reagieren. Ich gehe davon aus, dass dieser heu­tige Tag auf der Ebene der FIFA sehr auf­merksam ver­folgt wurde und die Drähte glühen. Für mich ist schwer vor­stellbar, dass einer, der auf Olym­pi­schen Boden nicht mehr will­kommen ist, eine prä­gende und ent­schei­dende Rolle bei der Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft spielt. Das wäre ein ver­häng­nis­voller Signal des Fuß­balls gegen­über dem Welt­sport.“, sagt DOSB-Prä­si­dent Alfons Hör­mann.

Ein ver­häng­nis­volles Signal gegen­über dem Welt­sport. Es scheint aller­dings, als wäre es der Fifa und Infan­tino herz­lich egal in der mora­li­schen Bewer­tung end­gültig hinter das IOC zu fallen. Als würde Han Solo von irgend­woher rufen: Schurke? Schurke sagen Sie? Hört sich nett an, wie Sie das sagen.“

Artikel 28

Klar, dem rus­si­schen Gast­geber die Fuß­ball-WM zu ent­ziehen, ist nahezu undenkbar. Laut Artikel 28 des Fifa-Dizi­pli­nar­codes wäre aber ein sport­li­cher Aus­schluss des Mit­glieds­landes mög­lich. Zumin­dest Mutko könnte seiner orga­ni­sa­to­ri­schen Pflichten ent­bunden werden. Wahr­schein­li­cher ist eher, dass die WM auf Eis aus­ge­tragen wird. Durch C‑Promis mit blanken Bow­ling­schuhen und in Hockey­montur.

Schön wäre das nicht. Aber nicht wesent­lich häss­li­cher als der tat­säch­liche Wahn­sinn.