Maxi­mi­lian Beister, Sie sind Gesell­schafter der Nach­hil­fe­schule Immer­schlau“, die am Samstag auch in Ham­burg eine Nie­der­las­sung eröffnet. Wie kam es dazu?
Mein Traum war es immer, Pro­fi­fuß­baller zu werden. Doch ich wusste auch, dass dieser Sprung nur den wenigsten gelingt. Außerdem kann durch eine Ver­let­zung schnell alles vorbei sein. Des­wegen war mir früh klar, dass ich vor­sorgen will.
 
Eine Nach­hil­fe­schule ist aber nicht gerade das klas­si­sche zweite Stand­bein.
Ich wollte etwas machen, womit ich mich voll iden­ti­fi­zieren kann, und nichts, was auf Spe­ku­la­tionen auf­ge­baut und weit von meiner eigenen Per­sön­lich­keit ent­fernt ist, nur weil es einen hohen Profit ver­spricht.
 
Wie sieht diese Iden­ti­fi­ka­tion aus?
Meine eigene Schul­zeit ist noch gar nicht so lange her. Und auch wenn ich immer nur Fuß­ball im Kopf hatte, war mir schon bewusst, wie wichtig ein Schul­ab­schluss ist. Nicht nur, um später bes­sere Kar­rie­re­chancen zu haben, son­dern auch, weil die Schule den Cha­rakter formt.
 
Sie werden aber kaum selbst Nach­hilfe geben, oder?
In erster Linie bin und bleibe ich natür­lich Fuß­baller. Ich will die Kinder zum Lernen moti­vieren und dazu immer mal wieder vor Ort sein. Die Kinder sollen Spaß an der Schule haben, und wenn ich das ver­mit­teln kann, bin ich zufrieden.
 
Was waren Ihre Lieb­lings­fä­cher?
Politik, Wirt­schaft, Eng­lisch und Geo­gra­phie.
 
Und die Pro­blem­felder?
Die Natur­wis­sen­schaften: Physik, Mathe­matik und Bio­logie. Da brauchte ich selbst auch einen Nach­hil­fe­lehrer. Ich weiß also, wovon ich spreche, und wie sehr einem das helfen kann, seine Ziele zu errei­chen.
 
Neben der Nach­hil­fe­schule sind Sie kürz­lich auch noch als Vor­stands­mit­glied an der Grün­dung eines neuen Ver­eins betei­ligt gewesen. Was hat es damit auf sich?
Mit Freunden haben wir den Sport­club Lüne­burg gegründet. Die Idee ist in den letzten Jahren immer wieder auf­ge­kommen. Jetzt haben wir sie in die Tat umge­setzt.
 
Worin lag dabei Ihre Moti­va­tion?
Im Nor­mal­fall schließt man sich einem bestehenden Verein an und muss mit den gege­benen Struk­turen zurecht kommen. Wir hin­gegen können von Anfang an alles so umsetzen, wie wir uns das vor­stellen. Aber das Schönste an der Sache ist, dass wir uns alle schon lange kennen und über den Verein ver­bunden bleiben.
 
Sie starten in der Saison 2014/15 mit einer Mann­schaft in der 2. Kreis­klasse. Sind Sie beim HSV nicht aus­ge­lastet?
(lacht) Ich spiele ja nicht selbst. Viel­mehr habe ich ver­sucht, mein Netz­werk zu nutzen, um Spon­soren zu suchen. Das lief erfreu­lich gut. Im nächsten Schritt haben wir über­legt, was wir mit dem Geld anfangen wollen. Wir haben einen Trainer, einen Co-Trainer, einen Physio und sogar jemanden, der sich um die Wäsche küm­mert. Das sind für die Kreis­klasse natür­lich her­vor­ra­gende Bedin­gungen. Dann mussten wir noch eine Spiel­stätte suchen und sind beim OSV Lüne­burg fündig geworden.
 
Klingt nach einem ehr­gei­zigen Pro­jekt.
Wir konnten zumin­dest so viel Begeis­te­rung wecken, dass selbst Spieler aus der Bezirks­klasse zu uns kommen, ein­fach um Teil des Sport­club Lüne­burg zu werden. Daher ist es unser Ziel, in den ersten zwei Jahren jeweils auf­zu­steigen.
 
Wie ist es um den Fuß­ball in Lüne­burg der­zeit bestellt?
Der Fuß­ball in Lüne­burg ist aktuell tot. Es gibt ledig­lich einen Fünft­li­gisten (Lüne­burger SK Hansa, Anm. d. Red.), der ständig von der Insol­venz bedroht ist. Aber die Leute in der Stadt gieren nach Fuß­ball. Und wir wollen sie für uns gewinnen.
Auch sehr prak­tisch, dass Sie später mal zu Ihrem eigenen Verein wech­seln können.
(lacht) Wenn ich 35 bin und der Verein dann in der Regio­nal­liga spielt: Warum nicht? Aber mein Fokus liegt natür­lich und noch hof­fent­lich lange auf meiner Pro­fi­kar­riere. Des­wegen habe ich mit dem ope­ra­tiven Geschäft in Lüne­burg auch wenig zu tun.
 
Was kann sich der Sport­club Lüne­burg bei Ihrem der­zei­tigen Verein, dem HSV, abschauen?
Das große Plus des HSV ist das über­ra­gende Fan-Poten­tial des Ver­eins. Das zu nutzen, sollte immer das Ziel sein. In dieser Hin­sicht kann man sicher­lich viel vom HSV lernen. Auch wenn das natür­lich eine ganz andere Liga ist.
 
Der HSV hat im Moment gehörig zu kämpfen, die Bun­des­liga zu halten. Sie sind ver­letzt und müssen tatenlos zuschauen. Wie schätzen Sie die Situa­tion ein?
Ich habe auch in der Reha noch Kon­takt zu den Spie­lern. Genauso zu Mirko Slomka. Mit ihm wirkt die Mann­schaft gefes­tigter. Es ist schwer zu erklären, warum es in dieser Saison nicht so funk­tio­niert, wie wir uns das vor­ge­stellt haben. Ein Ansatz ist viel­leicht, dass der Druck von außen in Ham­burg sehr hoch ist. Das führt im Miss­erfolg eher zur Ver­un­si­che­rung.
 
Wann werden Sie der Mann­schaft wieder helfen können?
Bisher läuft alles nach Plan. Die Krü­cken bin ich gerade los­ge­worden, und bald beginne ich mit Was­ser­gym­nastik. Das klingt viel­leicht dröge, ist für einen Fuß­baller in meiner Situa­tion aber wie Musik in den Ohren. Auch wenn es immer schwer ist, Pro­gnosen abzu­geben: Mein Ziel ist es, am 1. August wieder ins Mann­schafts­trai­ning ein­zu­steigen.