Es ist unge­müt­lich an diesem Frei­tag­abend im Gäs­te­block des Ber­liner Olym­pia­sta­dions. Ein kalter Wind, die Tem­pe­ra­turen knapp über dem Gefrier­punkt. Borussia Mön­chen­glad­bach hat gerade sang- und klanglos 0:3 ver­loren.

Auf der gegen­über­lie­genden Seite feiert die Ost­kurve mit ihren Spie­lern eine blau-weiße Party. Vor dem Gäs­te­block hin­gegen braut sich das Gegen­teil zusammen, als die Spieler der Foh­lenelf in die Kurve schlei­chen und artig applau­dieren. Denn als die ersten Fans pfeifen und wild in Rich­tung der Akteure ges­ti­ku­lieren, dreht die Mann­schaft um und flüchtet in die Kabine.

Nur zwei mick­rige Pünkt­chen aus den ver­gan­genen fünf Spielen

Zwei Wochen liegt diese für Glad­ba­cher Ver­hält­nisse doch unge­wöhn­liche Situa­tion nun zurück. Dazwi­schen: Län­der­spiel­pause, ver­eins­freie Zeit. Unge­wöhn­lich ist die Situa­tion des­halb, weil es in den ver­gan­genen Jahren für die Borussia eigent­lich nur bergauf ging. In den ver­gan­genen Spiel­zeiten lan­dete der Verein in der Liga auf den Plätzen sechs, drei und vier. Das bedeu­tete: einmal Europa League, zweimal Cham­pions League. 

Doch jetzt sieht alles anders aus. Aus den ver­gan­genen fünf Bun­des­li­ga­spielen holte Glad­bach nur zwei mick­rige Pünkt­chen, schoss kein ein­ziges Tor. Tabel­len­platz elf, sechs Punkte auf die inter­na­tio­nalen Ränge, fünf Punkte auf den Rele­ga­ti­ons­platz.

Viele Fans trauern noch immer Lucien Favre hin­terher

Zwar steht die Borussia im Ach­tel­fi­nale des DFB-Pokals und hat gute Chancen aufs inter­na­tio­nale Über­win­tern. Den­noch: Im Umfeld toben wilde Dis­kus­sionen. Über die sport­liche Situa­tion, die Ent­wick­lung der ver­gan­genen zwölf Monate und über den Trainer. Und das alles vor dem viel­leicht wich­tigsten Sai­son­spiel, dem Derby gegen den 1. FC Köln.

André Schu­bert hat keinen leichten Stand in Mön­chen­glad­bach. Dem Coach, der den Klub im ver­gan­genen Jahr sen­sa­tio­nell von Platz 18 auf Platz vier geführt hat, fehlt die Rücken­de­ckung – zumin­dest von Seiten großer Teile der Anhänger. Viele Fans trauern immer noch Schu­berts Vor­gänger Lucien Favre hin­terher. Der Schweizer gilt auch heute noch für viele Borussen als Gott­vater, eine Art Ret­ter­figur, die den kri­selnden Klub ab 2011 wach­küsste und ihm neues Leben ein­hauchte.