Neu­lich gab es eine Dop­pel­seite im Tages­spiegel“: Die Schreib­ti­sche der Macht“.

Ger­hard Schröder und Helmut Schmidt an edlem Eichen­holz thro­nend, stil­voll in Schwarz-Weiß foto­gra­fiert, gehalten mehr von Erha­ben­heit als von der Stuhl­lehne. So etwas fas­zi­niert mich. Mein eigener Schreib­tisch ist so ver­müllt, dass ich mein biss­chen Macht schon lang nicht mehr finden kann.

Fein­säu­ber­lich im rechten Winkel

Wenn schon die Poli­ti­ker­büros so luxu­riös sind, wie sieht es dann erst im Fuß­ball aus, wo die Mäch­tigen bekannt­lich und völlig zu Recht deut­lich mehr ver­dienen? Die Ant­wort ist ernüch­ternd.

11FREUNDE hat mal Trai­ner­büros foto­gra­fiert: Das waren teils win­zige Kabuffs! Der Sender Sky stürmt der­zeit für Ein­sEins – Das Stand­punkt­ge­spräch“ Mana­ger­büros. Da erklärt Robin Dutt dann seine Ord­nung, alles liegt fein­säu­ber­lich im rechten Winkel. Ver­mut­lich damit er seine Macht noch finden kann.

Ich war mal in einem Mana­ger­büro eines Zweit­li­gisten, den ich nicht näher benennen möchte. Das sah aus, als hätte ein Film-Regis­seur das Kli­schee eines Mana­ger­büros insze­niert. Rand­voller Aschen­be­cher, auf dem Tisch ver­streut lagen Kicker-Son­der­hefte und CD-Roh­linge, auf denen mit Edding Scou­ting„ geschrieben stand. Auf dem Bild­schirm war Trans​fer​markt​.de auf­ge­rufen. Groß­artig!

Soh­ne­mann, sach’ ma’ weiß’ du dat?“

Noch besser war das Büro des Prä­si­denten. Ein end­loser Schreib­tisch in einem end­losen Büro, in dem man hätte Fuß­ball spielen können. Fens­ter­blick aufs Sta­dion. Der Prä­si­dent lehnte sich in seinem Sessel zurück, wäh­rend am äußersten Ende des Schreib­ti­sches ein junger Mann gebückt über einem Laptop saß. Irgend­wann fragte ich den Prä­si­denten etwas, das selbst er nicht wusste. Da rief er durch das Büro: Soh­ne­mann, sach’ ma’ weiß’ du dat?“ Der junge Mann am Laptop sah auf und zuckte mit den Schul­tern. Das war also sein Sohn!

Anlernen nennt man das, wenn man wartet, dass der Alte end­lich abtritt und einem die Geschäfte über­gibt. Das wäre doch auch was für Trai­ner­büros! Da hätte André Schu­bert jah­re­lang bei Lucien Favre am äußersten Ende des Schreib­ti­sches hocken und vor sich hin mur­meln können: Tritt end­lich zurück, du Sack!“

Das ist echte Macht – wenn die Leute deinen Rück­tritt her­bei­sehnen und du ein­fach sitzen bleibst! Das haben schon Schröder und Schmidt ver­standen. Der Schreib­tisch ist nur schmü­ckendes Bei­werk.