Ges­tern hatte ich Geburtstag, heute beginnt die Bun­des­liga. In der Sport­schau“, im Jargon der alt­ehr­wür­digen Reporter, hieß so etwas mal Dupli­zität der Ereig­nisse“. Zwei Tage der Freude, sollte man meinen, auf die ich als Fuß­ball- und Geschenke-Fan wochen­lang hin­ge­fie­bert habe. Doch es ist nicht mehr so wie früher. Wie damals, als ich mir die Zeit, die ich noch zu warten hatte, bis es end­lich, end­lich so weit war, mit der Formel noch x Mal schlafen“ ver­an­schau­lichte.

Als ich dann aber natür­lich nicht ein­schlafen konnte vor lauter Auf­re­gung, dass es bald los­gehen würde mit dem Fuß­ball und den Geschenken, der Bun­des­liga und meinem Geburtstag. Und als in der Sport­schau“ eben noch die Rede war von der Dupli­zität der Ereig­nisse“. Ich bin da wesent­lich rou­ti­nierter geworden: Geburts­tage nehme ich nur­mehr schul­ter­zu­ckend hin. Und auch dem Auf­takt der Bun­des­liga blicke ich mit Indif­fe­renz ent­gegen.

Lasst euch mal was Neues ein­fallen

Woran mag das liegen? Geburts­tage, inzwi­schen habe ich 37 erlebt, gehen mit einem Gefühl der Ver­grei­sung einher, das die Freude natur­gemäß trübt. Immer mehr Kerzen auf dem Kuchen, aber immer weniger Kraft, sie aus­zu­pusten. Eine ähn­liche Melan­cholie beschleicht mich, wenn ich einen Blick auf die Kader der Ver­eine werfe: Es gibt dort nur noch einen Profi, der älter ist als ich – Alex­ander Man­ninger, Ersatz­tor­wart des FC Augs­burg. Viele könnten hin­gegen unter gewissen Umständen meine Söhne sein.

Und noch etwas haben mein Geburtstag und die Bun­des­liga gemein: Sie über­ra­schen mich nicht mehr. Die Geschenke, die ich bekomme, sind ohne Frage schön, aber erwartbar – sie ähneln also sehr stark einem typi­schen Sai­son­ver­lauf des FC Bayern, der am Ende bestimmt wieder Meister wird. Und dann stehen sie auf dem Rat­haus­balkon am Mari­en­platz, der Müller, der Lahm und der Neuer und ver­su­chen zu lächeln. So wie ich an meinem Geburtstag. Schon wieder Meister. Schon wieder ein Jahr älter. Tja, was soll man machen? Des­halb mein Aufruf an den Fuß­ball und das Leben über­haupt: Lasst euch mal was Neues ein­fallen. Ich will end­lich mal wieder nicht schlafen können vor Auf­re­gung.