Andy Näge­lein, essen Sie lieber eine Nürn­berger Rost­brat­wurst oder eine scharf ange­bra­tene Ente asia­ti­scher Art?
Ich würde die Rost­brat­wurst nehmen. Was mein Essen angeht, bin ich sehr eigen. Ich ernähre mich hier mehr von euro­päi­scher, west­li­cher Nah­rung. Ab und an darf es aber natür­lich auch mal etwas klas­sisch Asia­ti­sches sein.

Gibt es in Hong­kong genug Mög­lich­keiten, sich euro­pä­isch zu ernähren?
Das ist kein Pro­blem, da Hong­kong früher eine bri­ti­sche Kron­ko­lonie war. Die Stadt hat einen euro­pä­isch-asia­ti­schen Touch. Es leben sehr viele Leute aus dem Westen hier. Man bekommt also alles.

Sie wurden in China geboren, sind aber in Mit­tel­franken auf­ge­wachsen. Wie sind Sie zum Fuß­ball gekommen?
Mein Vater ist Deut­scher und hat acht Jahre in Hong­kong gear­beitet und dort meine Mutter, die Hong­kon­gesin ist, ken­nen­ge­lernt. Ich bin als Klein­kind zusammen mit meiner Familie nach Deutsch­land gekommen. Mein Vater ist sehr fuß­ball­be­geis­tert und hat in Hong­kong auch viel gespielt, aller­dings nicht als Profi. Er hat mir die Begeis­te­rung für den Fuß­ball wei­ter­ge­geben.

Sie haben in Deutsch­land unter anderem für Burg­hausen, Schwein­furt und Emden gespielt. Im Sommer 2009 wech­selten Sie nach Zypern. Keine sechs Monate später erhielten Sie den wohl ver­rück­testen Anruf Ihres Lebens. Erin­nern Sie sich noch daran?
Eines Abends klin­gelte mein Telefon. Mein Berater fragte, ob ich mir vor­stellen könne, in China zu spielen. Ich musste erst mal schlu­cken, weil ich schon einmal in China war und damals nicht so begeis­tert war. Meine Schwester hat 2001 ein Aus­lands­se­mester in Peking gemacht, und ich habe sie besucht. Ich dachte: Hoppla, das ist schon eine ganz andere Welt.“

Sie haben gezö­gert?
Klar, so eine Ent­schei­dung geht einem nicht so leicht von der Hand. Ich wusste aber aus meh­reren Erzäh­lungen, dass sich das Land geän­dert hatte. China war Gast­geber von Olympia 2008, wurde bei­nahe überall moder­ni­siert und war nicht mehr das, was es 2001 noch war.

Sie ent­schieden sich für einen Wechsel.
Mein zypri­scher Klub konnte damals die Gehälter nicht mehr zahlen. Im Gespräch mit meinem Berater hörte sich die China-Geschichte auch sehr gut an, wes­wegen ich mir dachte: Komm, schau es dir an.“ Ich habe mich dann einige Tage später in den Flieger gesetzt und das Aben­teuer Asien begonnen.

Wie ging es dann weiter?
Shan­dong Luneng, der Verein bei dem ich unter­schreiben sollte, absol­vierte in Hainan ein Trai­nings­lager. Ich habe ein paar Mal mit der Mann­schaft trai­niert, aber direkt gemerkt, dass es nicht passt.

Warum?
Ich hatte zwei Monate lang kein Fuß­ball mehr gespielt, weil ich mich in Zypern ver­letzt hatte. Die Mann­schaft von Shan­dong war stark und ziem­lich ein­ge­spielt. Ich konnte meine Leis­tung nicht abrufen. Auch die Essen­um­stel­lung im Hotel und der gene­relle Lebens­stil war zu Beginn ein regel­rechter Kul­tur­schock. Das Früh­stück bestand aus Suppe, Reis und Gemüse. Am zweiten Tag bekamen wir dann auf Wunsch ein wenig Toast­brot mit Butter. Das Ver­halten am Tisch war ich auch nicht gewohnt. Schmatzen, Rülpsen und lautes Auf­stoßen gehören in China dazu. Ich habe mit meinem Berater tele­fo­niert und ihm gesagt, dass ich noch etwas Zeit brauche, bevor ich eine finale Ent­schei­dung treffe. Ich habe mir dann ein Flug­ti­cket nach Hong­kong gekauft. Dort wollte ich zusammen mit meiner Familie ent­scheiden, ob ich das Aben­teuer China wage oder nicht.