Jona­than Tah ist 1,95 Meter groß und wiegt 97 Kilo­gramm. Mit seiner Statur könnte er wohl auch als Tür­steher im ange­sag­testen Club der Stadt arbeiten. Statt­dessen ist er aber Innen­ver­tei­diger bei Bayer Lever­kusen.

Julian Weigl ist 1,86 Meter groß und wiegt 71 Kilo­gramm. Viel­leicht würde Jona­than Tah den schlak­sigen Julian mit den schmalen Schul­tern als Tür­steher nicht in den ange­sag­testen Club der Stadt lassen. Das macht aber nichts, denn Julian Weigl ist Innen­ver­tei­diger bei Borussia Dort­mund.

Dabei ist er eigent­lich Mit­tel­feld­spieler, defen­siver Mit­tel­feld­spieler um genau zu sein. Doch als sich beim BVB zum Ende der Hin­runde ein etat­mä­ßiger Innen­ver­tei­diger nach dem anderen ver­letzt, stellt Trai­ner­fuchs Lucien Favre ein­fach den 23-Jäh­rigen ins Abwehr­zen­trum. Dort macht er seine Sache so gut, dass selbst der wie­der­ge­ne­sene Ömer Toprak der­zeit nicht an ihm vor­bei­kommt.

Cle­ver­ness und Spiel­ver­ständnis

Dass er nicht gerade den ide­al­ty­pi­sche Kör­perbau für die Posi­tion auf­weist, ist Weigl bewusst: Ich bin jetzt nicht so bullig wie die, da muss man schon clever agieren“, sagte er nach dem Spiel gegen Ein­tracht Frank­furt, bei dem er sich gegen die kan­tigen Angreifer Sébas­tien Haller und Ante Rebić sowie den Kraft­würfel Luka Jović behaupten musste. Und in der Tat stellte sich Weigl äußerst clever an: „ Es kommen Auto­ma­tismen rein. Man weiß, wo man zu stehen hat und findet das Timing, wann man weg­bleibt oder wann man in den Kopf­ball oder den Zwei­kampf gehen muss.“

Neben seiner cle­veren Zwei­kampf­füh­rung kommen dem Innen­ver­tei­diger Weigl auch sein Spiel­ver­ständnis und seine Pass­si­cher­heit zugute. Die Tiefe, die ihm die neue Posi­tion bietet, nutzt er geschickt, um das eigene Spiel immer wieder klug auf­zu­bauen. So fallen die feh­lenden Kilos bei ihm kaum ins Gewicht.

Ähn­lich ist es bei Makoto Hasebe: Der Japaner bringt ein ver­gleichbar geringes Kampf­ge­wicht auf die Waage, ist mit 1,80 Metern aber sogar noch deut­lich kleiner als Weigl. Was ihn jedoch nicht daran hin­dert, seit geraumer Zeit als eine Art moderner Libero für defen­sive Sta­bi­lität bei Ein­tracht Frank­furt zu sorgen. In seiner pres­ti­ge­träch­tigen Rang­liste kürte ihn der kicker“ jüngst sogar zum besten Innen­ver­tei­diger der Liga. Der asia­ti­sche Kon­ti­nen­tal­ver­band zeich­nete ihn im November als inter­na­tio­nalen Fuß­baller des Jahres aus. 

Sahin und Bodzek: Die Rou­ti­niers

Neben dem schmäch­tigen Weigl und dem drah­tigen Hasebe hat die Liga aber noch wei­tere Innen­ver­tei­diger zu bieten, die nicht dem Pro­to­typen ent­spre­chen. So beor­derte etwa Werder-Trainer Flo­rian Koh­feldt beim Pokal­spiel in Dort­mund Nuri Sahin vom Mit­tel­feld in die Zen­trale seiner Dreier- bezie­hungs­weise Fün­fer­kette. Und der orga­ni­sierte die Bremer Abwehr über weite Stre­cken der Partie ganz so, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Damit und mit starken 83 Pro­zent gewon­nener Zwei­kämpfe hatte er ent­schei­denden Anteil daran, dass sich die Dort­munder trotz teils enormen Drucks kaum ernst­hafte Tor­chancen her­aus­spielen konnten.

Mit den beiden Innen­ver­tei­di­gern an seiner Seite konnte Werder zudem Sahins Geschwin­dig­keits­de­fizit aus­glei­chen. Ganz ähn­lich funk­tio­niert das bei For­tuna Düs­sel­dorf und Adam Bodzek: Ent­scheidet sich Fried­helm Funkel für ein Spiel­system mit Drei­er­kette, stellt er in der Regel den 33-jäh­rigen Rou­ti­nier in deren Zen­trum.

Mit ihrem abge­klärten, bedäch­tigen Spiel bilden Sahin und Bodzek einen wei­teren char­manten Gegen­satz zu sprint­starken Abwehr­mon­stern wie Niklas Süle oder dem Leip­ziger Dayot Upa­me­cano. Schön, dass es auch Trainer gibt, die bei ihren Innen­ver­tei­di­gern andere Qua­li­täten als die markt­üb­li­chen zu schätzen wissen. Viel­leicht klappt es dem­nächst dann ja sogar mit dem Club-Besuch.