Thomas Schaaf zer­fällt. Das merkt man sogar dann, wenn er selbst eigent­lich betonen will, dass er genau das nicht tut, son­dern wie eh und je er selbst ist. Dass – wie in bes­seren Zeiten – immer noch gilt: Es gibt nur einen Thomas Schaaf. 

Ges­tern konnte man lesen, dass ich eigent­lich nach der Partie zurück­ge­treten bin“, sagte er am Sonn­tag­vor­mittag in der SPORT1-Sen­dung Dop­pel­pass“. Da sind also inzwi­schen min­des­tens zwei Schaafs: Der, über den berichtet wird, und der, der diese Berichte liest, hin­nimmt, irgendwie an sich abprallen lassen will. Das Objekt der Spe­ku­la­tion und das Sub­jekt, das sich daran nicht betei­ligen will. 

Trapp sagt null Mal Schaaf“ – der Beweis?

Der Thomas Schaaf, über den berichtet wird, kom­mu­ni­ziere, so heißt es, zu wenig mit seiner Mann­schaft. Es gebe atmo­sphä­ri­sche Stö­rungen“ und interne Zweifel an seiner fuß­ball­spe­zi­fi­schen Kom­pe­tenz. Die Frank­furter Rund­schau“ kol­por­tierte das im April als erstes, die Bild“ hat letzte Woche nun Öl ins Feuer gegossen: Der Schaaf-Hammer“, titelte sie schläch­te­risch. Im Sommer droht der Raus­wurf.“ Ein­tracht-Kapitän Kevin Trapp las auf der Spiel­tags­pres­se­kon­fe­renz eilends eine etwas steife Erklä­rung vor, in der es hieß: Viele Dinge werden hier schlechter gesehen, als sie sind.“ Die Chance, das als Medi­en­kritik zu ver­stehen, ließen die Medien selbst geflis­sent­lich ver­strei­chen. Sie zählten lieber nach, wie oft Trapp in seiner Ver­laut­ba­rung den Namen des Trai­ners ver­wendet hatte: null Mal. Wenn das mal kein Beweis für atmo­sphä­ri­sche Stö­rungen ist.

Ob es diese nun gibt oder nicht, ist jedoch längst zweit­rangig. Sie sind als Gerücht in der Welt, und Gerüchte sind in der Fuß­ball­branche nicht selten gefähr­li­cher als die Wahr­heit. Die Spe­ku­la­tionen haben Thomas Schaaf in eine Lage ver­setzt, aus der er sich natur­gemäß kaum wird befreien können. Wir sehen eine sich selbst erfül­lende Pro­phe­zeiung: Schaafs Hang zur Ein­sil­big­keit wird zu seinen Ungunsten aus­ge­legt, und das soll er, der ja tat­säch­lich ungern mehr sagt als unbe­dingt nötig, nun bit­te­schön wort­reich ent­kräften. Als würde man einem alten Mann in den Bart spu­cken und sagen: Opa, du sab­berst ja!“