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Nie­mand weiß, wie viele Zuschauer die EM-Spiele im Sta­dion sehen dürfen. Für unseren Kunst­schuss im EM-Son­der­heft haben wir die Banner-Fans der deut­schen Natio­nal­mann­schaft daher vor­sorg­lich mit ihren Zaun­fahnen schon einmal an Alter­na­tiv­orten foto­gra­fiert. 11FREUNDE #235 ist ab sofort am Kiosk oder hier bei uns im Shop erhält­lich.

Frank Nie­mann, was machen Sie da auf dem Foto?
Wegen der Geis­ter­spiel­pro­ble­matik hat 11FREUNDE mich mit meinem Air-Bäron“-Banner in einem alter­na­tiven Umfeld foto­gra­fiert: auf einem Hoch­stand im Forst in der Nähe meines Wohn­orts.

Sieht aus, als würden Sie in der Ferne irgendwas suchen.
Ja, denn wir wissen ja nicht, was bei der EM auf uns zukommt. (Lacht.) Ich muss also vor­be­reitet sein.

Wo werden Sie die EM-Spiele denn ver­folgen?
Ich habe Follow-Your-Team“-Tickets für die drei Vor­run­den­spiele in Mün­chen, die Karten für die K.O.-Runde wurden mir von der UEFA stor­niert. Nun kommt es aber darauf an, wie viele Zuschauer ins Sta­dion dürfen. Gut mög­lich, dass wegen der Beschrän­kungen am Ende unter Kar­ten­in­ha­bern gelost werden muss, weil ich ver­mute, dass das Sta­dion eigent­lich aus­ver­kauft ist.

Es könnte also pas­sieren, dass Sie kein Spiel im Sta­dion ver­folgen?
Das könnte pas­sieren. Für den Fall muss mich mal beim DFB schlau machen. Ich kenne da jemanden, der die Karten ver­gibt, den ich zumin­dest anrufen kann.

Sagen Sie am Telefon: Hallo, hier ist Frank Nie­mann“ oder Moin, hier Air Bäron“?
(Lacht.) Nein, ich melde mich da schon mit rich­tigem Namen. Die Dame dort kennt mich schon lange, sie gibt auch keine Garantie auf Tickets, aber sie hat gesagt, ich darf mich bei ihr melden, wenn’s mal eng wird.

Es gibt also einen steten Aus­tausch mit dem Ver­band?
Für Fans, die regel­mäßig bei den Spielen sind, gibt es Ansprech­partner beim DFB, die bei großen Cho­reos helfen. Einige von diesen Choreo-Leuten helfen auch uns mit den Fahnen, damit wir vor dem offi­zi­ellen Ein­lass ins Sta­dion dürfen, um für die Banner einen guten Platz zu finden.

Für die Vor­runde sind Sie ange­meldet, die Haupt­runde haben Sie schon abge­schrieben?
Was heißt abge­schrieben? Momentan weiß ja nie­mand, wie die EM genau abläuft. Zumal sich auch die Frage stellt, ob es ange­sichts der Virus­krise Sinn ergibt, groß­artig im Aus­land unter­wegs zu sein.

Keine Lust?
Das gesund­heit­liche Risiko schwingt mit, begeis­tert bin ich von der Aus­sicht jeden­falls nicht. Zumal auch keiner weiß, wo wie viele ins Sta­dion dürfen und ob am Ende über­haupt Leute aus dem Aus­land rein­dürfen. Vom jet­zigen Stand­punkt würde ich sagen: Wenn ich die drei Spiele in Mün­chen sehe, wäre es schon super.

Ich bin nicht der Typ, der die Fahne zwin­gend irgendwo auf­hängen muss, nur weil Fuß­ball im Fern­sehen läuft.“

Was erwarten Sie sport­lich?
Deutsch­land ist bekannt­lich eine Tur­nier­mann­schaft. Ich gehe davon aus, dass trotz der schwa­chen Ergeb­nisse zuletzt eine gute Mann­schaft auf­laufen wird. Aber die Kon­kur­renz ist natür­lich groß. Vieles wird von der Tages­form abhängen.

Auch das Image der deut­schen Mann­schaft hat in den letzten Jahren gelitten.
Über die Jahre hat es immer Höhen und Tiefen gegeben, das wird sich wieder ändern. Ich habe mit dem EM-Titel 1996 als Fan ange­fangen – mehr geht nicht. Mir geht es bei der ganzen Sache letzt­lich darum, bei Spielen auf Freunde zu treffen und etwas von der Welt zu sehen. Natür­lich freue ich mich, wenn es sport­lich läuft und die Mann­schaft Spaß macht. Aber wenn es nicht so ist und die in der Vor­runde raus­fliegen, ist es halt so. Das ist Fuß­ball.

Wo wird das Air Bäron“-Banner hängen, wenn Sie kein Ticket bekommen?
Dann bleibt es in meinem Zimmer in West­be­vern. Ich bin nicht der Typ, der die Fahne zwin­gend irgendwo auf­hängen muss, nur weil Fuß­ball im Fern­sehen läuft. Wenn die irgendwo zu sehen ist, dann bitte im Sta­dion.

Die Ver­bände ver­kaufen immer mehr Wer­be­flä­chen in den Sta­dien. Bei der letzten WM wurden Banner von den Sicher­heits­kräften auch von den Balus­traden abge­rissen. Wie sehr erschwert der moderne Fuß­ball Ihr Anliegen?
Je mehr Wer­be­banden es gibt, desto weniger Platz bleibt uns mit den Fahnen. Hinzu kommt, dass inzwi­schen ein ordent­li­cher Schwung von Leuten mit der Natio­nalelf reist, die ihre Fahnen plat­zieren wollen. Auch da muss man sich einigen. Aber bis jetzt hat es immer noch geklappt und ich ver­suche wei­terhin mein Bestes.

Und wenn nicht, ist es auch okay?
Natür­lich ist mein Ziel, die Fahne so auf­zu­hängen, dass sie am Ende gut im Fern­sehen zu sehen ist. Aber es ist auch nicht so, dass ich nur zu Spielen fahre, wenn ich sicher weiß, dass die Fahne hängt. Mir geht es schon in erster Linie darum, Fuß­ball live zu sehen.

Schon mal dar­über nach­ge­dacht, ihr Hobby an den Nagel zu hängen.
Ehr­lich gesagt: nein!