Der Artikel erschien erst­mals im Januar 2019.

Euro­sport hat aber auch wirk­lich Pech. Da hatte sich der sym­pa­thi­sche Nischen­sender, auf dem immer Snooker läuft, so viel ver­spro­chen von seinen Bun­des­li­ga­über­tra­gungen am Frei­tag­abend – und dann gab’s an diesem Termin meis­tens Nürn­berg gegen Wolfs­burg oder Düs­sel­dorf gegen Mainz. Ver­irrte sich mal ein attrak­tives Spiel auf den Freitag, so zog gleich ein öffent­lich-recht­li­cher Sender seine Option und zeigte die Partie eben­falls und für alle emp­fangbar.

Heute hätte sich das ändern können. Um 20:30 Uhr kämpfen näm­lich Hertha und Schalke unter Flut­licht um Punkte. Es ist viel­leicht nicht El Clá­sico und ver­mut­lich werden die Teams auch nicht gerade für eine Stern­stunde der Fuß­ball­ge­schichte sorgen. Doch immerhin ist es eine wich­tige Partie zweier Tra­di­ti­ons­ver­eine mit vielen Fans.

Neben­säch­li­cher Spiel­stand

Und was pas­siert? Um 20:30 Uhr wird die von einem irra­tio­nalen Wahn erfasste Nation nicht etwa nach Berlin schauen, son­dern nach Ham­burg, wo zwei Mann­schaften sich in einem bru­talen und hek­ti­schen, dafür aber wenigs­tens strunz­lang­wei­ligen Turn­hal­len­sport messen.

Stopp, das ist jetzt selbst für eine Hyperbel viel zu über­spitzt for­mu­liert. Denn Hand­ball ist natür­lich nicht kom­plett strunz­lang­weilig. Son­dern nur 57 Minuten lang. 

Schließ­lich besteht der bei weitem größte Teil des Spiel­ver­laufes aus einer selbst den wil­ligsten Zuschauer in den Stumpf­sinn trei­benden ste­reo­typen Wie­der­ho­lung stets glei­cher Abläufe und Aktionen, wobei es gänz­lich neben­säch­lich ist, ob es nun gerade 9:9 oder 15:15 oder 23:23 steht. Denn ent­schei­dend ist allein die Schluss­phase – in der 180 Sekunden mehr als zehn Minuten dauern können, weil ständig die Uhr ange­halten wird.

Krise des Fuß­balls? 

Der Kolum­nist George Will hat mal sinn­gemäß gesagt, dass Ame­rican Foot­ball typisch ame­ri­ka­nisch ist, weil es aus einer Abfolge von Gewalt­taten besteht, die regel­mäßig durch Sit­zungen von Komi­tees unter­bro­chen werden. Da fragt man sich doch, was der klas­si­sche deut­sche Pro­vinz­sport Hand­ball über unser Land aus­sagt, denn zumin­dest in dieser Hin­sicht ist er dem Ame­rican Foot­ball nicht unähn­lich. 

Am selt­samsten an der ganzen Hand­ball­hys­terie ist aber, dass sie eine Krise des Fuß­balls doku­men­tieren soll. So mel­dete sich am Don­nerstag ein Radio­sender in der Redak­tion, weil ein Gesprächs­partner zum Thema Was der Fuß­ball vom Hand­ball lernen kann“ gesucht wurde.