1. Pokal­fieber.
In Peru steigt der womög­lich span­nendste Pokal­wett­be­werb der Welt. Zumin­dest waren die stakes ver­mut­lich selten irgendwo higher, wie Oliver Bier­hoff es wahr­schein­lich aus­drü­cken würde. Alle Ama­teur­mann­schaften des Landes, bis zu 25.000 Teams, spielen in meh­reren Runden vom Distrikt bis zum natio­nalen Finale die Copa Peru“ aus. Und der Gewinner steigt in die Pri­mera Divi­sion, die erste Liga auf.

2. Klas­sen­kampf.

Das wich­tigste Spiel in der Pri­mera Divi­sion steigt zwi­schen Ali­anza und Uni­ver­si­tario de Desportes aus Lima. Ali­anza, das älteste Team der Liga, ist tra­di­tio­nell den Armen­vier­teln ver­bunden, mit Uni­ver­si­tario, dem perua­ni­schen Rekord­meister, hält es das Bil­dungs­bür­gertum. Der Cla­sico Peruano“ geht zurück bis ins Jahr 1928, als sich beide Teams zum ersten Mal gegen­über­standen. Uni­ver­si­tario ging als Underdog in Füh­rung. Nach 81 Minuten und einem Faust­kampf auf dem Platz musste der Schieds­richter das Spiel abbre­chen, weil fünf Ali­anza-Spieler die rote Karte gesehen hatten. Die Aus­ein­an­der­set­zung setzte sich unter den Fans auf den Rängen fort und wegen der am häu­figsten ein­ge­setzten Waffe ging die Partie als Cla­sico de los Bas­to­nazos“ in die Geschichte ein, das Derby der Schlag­stöcke.“ 

3. Kata­strophe (I).

Am 8. Dezember 1987 war Ali­anza nur ein Spiel von der 18. Meis­ter­schaft der Ver­eins­ge­schichte ent­fernt. Doch nach einem 2:0 in Pucallpa im Ama­zo­nas­ge­biet stürzte die Fokker F27 der perua­ni­schen Marine, mit der das Team zurück in die Heimat reiste, nur wenige Kilo­meter vor dem Flug­hafen in den Pazifik. Einzig der Pilot über­lebte. Ali­anza spielte die Meis­ter­schaft mit Jugend­spie­lern und einigen Leih­gaben des chi­le­ni­schen Klubs Colo-Colo zu Ende, musste den Titel aber Uni­ver­si­tario über­lassen und konnte bis 1997 nicht mehr die Liga gewinnen. Mit Colo-Colo ver­bindet den Verein seitdem eine innige Freund­schaft.

4. Kata­strophe (II).

Die mit Abstand größte Kata­strophe der Fuß­ball­ge­schichte ereig­nete sich bei einem Län­der­spiel Perus gegen Argen­ti­nien. Am 24. Mai 1964 starben nach offi­zi­ellen Angaben 328 Men­schen bei einer Mas­sen­panik im Estadio Nacional in Lima wäh­rend des Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiels für die Olym­pi­schen Spiele 1964 in Tokio, wei­tere 500 wurden ver­letzt. Als Perus Aus­gleich nicht aner­kannt wurde, stürmten die Heim­fans den Platz, die Polizei feu­erte Trä­nengas auf die Tri­bünen und drängte die Zuschauer so die Treppen hin­unter Rich­tung der mit Stahl­toren ver­schlos­senen Aus­gänge. Alle Opfer starben auf den Treppen und an den Toren, die Men­schen im Innen­raum über­lebten. Tat­säch­lich könnte die Zahl der Toten noch deut­lich höher gelegen haben. Doch auch so ist sie schon höher als die von Hills­bo­rough, Brad­ford, Heysel, Ibrox und Burnden Park zusammen.

5. Schie­bung.

Die Welt­meis­ter­schaft 1978 durfte die argen­ti­ni­sche Mili­tär­dik­tatur aus­richten. Peru traf im letzten Spiel der Zwi­schen­runde auf den Gast­geber. Argen­ti­nien musste mit vier Toren Dif­fe­renz gewinnen, um Bra­si­lien abzu­fangen und selbst ins Finale ein­zu­ziehen. Am Ende stand ein 6:0, das mit Glück aber wenig zu tun hatte. Gerüchte über argen­ti­ni­sches Doping halten sich nach wie vor hart­nä­ckig, perua­ni­sche Natio­nal­spieler bestä­tigten später, dass Druck aus­geübt wurde. 2012 bestä­tigte ein perua­ni­scher Poli­tiker die Mani­pu­la­tion, die von den Staats­chefs höchst­per­sön­lich aus­ge­han­delt wurde. 13 perua­ni­sche poli­ti­sche Gefan­gene wurden frei­ge­lassen, 50 Mil­lionen Schulden gestri­chen und 35.000 Tonnen Getreide gelie­fert, im Aus­tausch für feinstes Pro­pa­gan­da­ma­te­rial für die argen­ti­ni­sche Mili­tär­junta. Zur Sicher­heit bekamen drei Natio­nal­spieler noch 20.000 Dollar. Einer von ihnen, Rudolfo Manso, bekam oben drauf noch einen netten Spitz­namen von den perua­ni­schen Fans: El Vendido“, der Ver­kaufte.