Lars Ricken, Sie werden regel­mäßig mit dem Cham­pions League-Finale gegen Juventus Turin kon­fron­tiert. Gibt es bei sol­chen Anfragen bestimmte Fragen, die Sie beson­ders stören?
Das würde ich nicht sagen. Aber es ist ganz inter­es­sant, dass ich immer wieder gefragt werde, wie oft ich mir das Tor zum 3:1 ange­schaut habe. Anschei­nend sind manche Men­schen der Mei­nung, dass ich mir das Tor nachts ansehe, damit ich besser schlafen kann.

Wie ist es mit Fragen zur kon­kreten Spiel­si­tua­tion vor dem Tor?
Ich werde häufig gefragt, wie oft ich die Geschichte dieses Tores schon erzählen musste. Dabei ist es doch so, dass jeder die Geschichte des Tores gesehen hat. Daher ist es meis­tens genau umge­kehrt: Ich muss nicht meine Geschichte erzählen, son­dern die Leute erzählen mir, wie sie das Tor erlebt haben.

Ist Ihnen eine der Geschichten beson­ders in Erin­ne­rung geblieben?
Ein Fan hat mir erzählt, wie sehr er mich für meinen Schuss ver­flucht hat. So ein Idiot, wie kann der aus dieser Situa­tion aufs Tor schießen“, hat er gewütet und sich abwin­kend weg­ge­dreht. Wenige Sekunden später brach der Jubel los und seine Freunde und er lagen quer über­ein­ander. Das ist für mich die größt­mög­liche Bestä­ti­gung: Mit einem Tor habe ich den Men­schen einen unver­gess­li­chen Augen­blick beschert.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie vor ihrem Tor von der Bank aus beob­achtet haben, dass Per­uzzi oft zu weit vor seinem Kasten stand. Das heißt, Sie hatten diesen 30-Meter-Heber von der Bank aus geplant?
Vor der Halb­zeit gab es eine Situa­tion, in der er sich rund 30 Meter von seinem Gehäuse ent­fernt hatte. Als ich das von der Bank aus sah, habe ich gesagt, dass ich den Ball bei meinem ersten Ball­kon­takt blind drauf­haue.

Ganz so blind geschossen sah der Heber später nicht aus.
Andreas Möller hatte mich ein paar Sekunden nach meiner Ein­wechs­lung so frei gespielt, dass ich nicht mehr blind drauf­hauen musste. In dieser Situa­tion war der Distanz­schuss die beste Vari­ante. Aber ich hatte schon die ganze Zeit im Hin­ter­kopf: Schieß – von wo auch immer.