Die Fans von New­castle United haben es wahr­lich nicht leicht. Seit sage und schreibe 1927 warten sie auf einen Meis­ter­titel, also stolze 31 Jahre länger als die Fans vom FC Schalke 04. Seit 2007 plagen sie sich oben­drein mit Klub-Eigen­tümer Mike Ashley herum, diesem aus ihrer Sicht nichts­nut­zigen Geld­geier, der New­castle fort­wäh­rend der Lächer­lich­keit preis­gibt, aber bis­lang ein­fach nicht ver­kaufen will. Die Zahl von Ash­leys Ver­feh­lungen ist so gewaltig, dass die meisten Fans sogar Samantha Fox an der Klub­spitze akzep­tieren würden oder Mr. Bean – Haupt­sache der gegen­wär­tige Eigner ver­schwindet.

All das muss man wissen, um zu ver­stehen, warum der ganz große Auf­schrei aus­blieb, als im Laufe des Januars das Inter­esse eines sau­di­schen Staats­fonds an New­castle United ruchbar wurde. Ein Über­nahme-Angebot in Höhe von 340 Mil­lionen Pfund (gut 400 Mil­lionen Euro) stand auf einmal im Raum. Um den Deal etwas freund­li­cher erscheinen zu lassen, sollen die Scheichs eine gewisse Amanda Stav­eley mit ins Boot geholt haben – jene bri­ti­sche Geschäfts­frau, die New­castle einst im Allein­gang über­nehmen wollte. Stav­eley und Saudi-Ara­bien?, dachten die meisten: Nun gut, immer noch besser als Mike Ashley.

134 Hin­rich­tungen in neun Monaten

Doch kurz vor dem Abschluss des Mega-Deals könnte die eng­li­sche Pre­mier League ent­schei­dend dazwi­schen grät­schen und damit ein echtes Zei­chen setzen – gegen poli­ti­sche Auf­trags­morde, gegen mas­sen­hafte öffent­liche Exe­ku­tionen (laut The Guar­dian“ gab es zwi­schen Januar und Sep­tember ver­gan­genen Jahres 134 Hin­rich­tungen in Saudi-Ara­bien) oder gegen aggres­sives Kriegs­treiben. Wenn einer wie Saudi-Kron­prinz Mohammed bin Salman nach einem Klub wie New­castle United greift, um laut Amnesty Inter­na­tional krasses White­wa­shing“ zu betreiben, droht der Liga ein finaler Alles-muss-raus-Schlusstag“ des mora­li­schen Aus­ver­kaufs.

Und siehe da, die obersten Hüter der Pre­mier League äußern laut bri­ti­schen Medien mas­sive Bedenken gegen­über New­castle United – aller­dings aus einem ganz anderen, scheinbar viel wich­ti­geren Grund: Die Regie­rung von Saudi-Ara­bien bezie­hungs­weise ihr halb­staat­li­cher Pira­ten­sender BeoutQ“ stehle und streame ständig Live­bilder aus der Pre­mier League und füge Eng­lands Top­klubs dadurch mas­siven wirt­schaft­li­chen Schaden zu. Was (zumin­dest indi­rekt) stimmt: Mit BeoutQ“ wollen die Saudis dem Rech­te­inhaber BeIN Sports“ aus dem benach­barten, aber ver­fein­deten Katar das Geschäft ver­derben.