Thorsten Legat, Sie galten in Ihrer aktiven Zeit als ein Spieler, der keinem Zwei­kampf aus dem Weg gegangen ist. Für Sie muss doch jede Schwalbe ein kleiner Stich ins Herz sein?

Wenn man sieht, wie sich manche Spieler heute auf­führen, muss man sich fragen, was das noch mit Fuß­ball zu tun hat. Wie die sich da her­um­wälzen, mit fünf, sechs Rollen, und dann auf­stehen und sich ins Fäust­chen lachen, weil der Gegner eine gelbe oder rote Karte kriegt, das ist doch ein Witz. Da sind ja mitt­ler­weile die Frauen härter im Nehmen, als die Spieler in der Bun­des­liga. Es gibt immer welche, die sagen, so etwas gehöre heute dazu. Aber für mich ist das ein­fach nur unnötig und fahr­lässig.



Macht es Sie sauer, wenn ein Spieler zum stän­digen Fallen neigt?


Ich bin einer von der Straße und war immer einer, der mit gesundem Men­schen­ver­stand in die Zwei­kämpfe gegangen ist. Ich habe nie jemanden ernst­haft ver­letzt, weil ich immer nur den Ball haben wollte. Wenn ich mir einige Spieler heute ansehe, werde ich wütend. Die stehen ja mehr vorm Spiegel und wälzen sich auf dem Boden als sonst was. Wenn man sich dagegen mal Frau­en­fuß­ball anguckt, kann ich nur meinen Respekt aus­spre­chen. Die stehen nach einem Foul auf und sagen: Ich will weiter Fuß­ball spielen.“ Die putzen sich ein­fach den Mund ab, weil so etwas eben zum Fuß­ball dazu gehört. Des­wegen ein Kom­pli­ment an die Frauen, die Männer sind heut­zu­tage eine Schande für den Fuß­ball.

Konnten Sie als Aktiver auf dem Spiel­feld Ihre Mei­nung gegen­über diesen Spie­lern zurück­halten oder fielen auch schon Mal ein paar deut­liche Worte?


Ich war nie einer, der lange über so etwas dis­ku­tiert hat. Ich habe immer gesagt: Halt die Klappe und hol Dir den Ball.“ Gegen einen gesunden Zwei­kampf ist doch nichts ein­zu­wenden. Besser als jemanden richtig umzu­treten, und die Rote Karte zu kas­sieren. Ich habe mir nichts vor­zu­werfen, weil ich in 18 Jahren Bun­des­liga meine Zwei­kämpfe immer auf ehr­liche Art gewonnen habe.

Gab es Gegen­spieler von denen Sie vorher wussten, dass Sie gerne fallen?

Natür­lich, die gab es auch damals schon mas­sen­haft. Möller und wie sie alle hießen. Aber die habe ich selten auf meiner Seite gesehen, weil die immer frei­willig rüber gewech­selt sind.(lacht) Das waren alles Feig­linge für mich. Die wollten nur Zeit raus­holen und das Spiel ver­zö­gern. Das hatte nichts mit Fuß­ball zu tun.

Was könnte man Ihrer Mei­nung nach gegen die zuneh­mende Fall­sucht im Fuß­ball tun tun?

Ich plä­diere dafür, dass ein neu­traler Unpar­tei­ischer an der Außen­linie sitzt und seinen Haupt­schieds­richter über diese Vor­komm­nisse infor­miert. Dann würde vieles anders laufen. So etwas muss sofort unter­bunden werden. Diese Schwal­ben­spieler müssen mit Gelb oder Rot bestraft werden. Das gehört ein­fach nicht in den Fuß­ball. Da muss der DFB reagieren, denn diese Spieler gefährden den deut­schen Fuß­ball. Ich finde das grau­en­haft.

Müssen viel­leicht auch die Mit­spieler selbst aktiv etwas gegen Schwal­ben­kö­nige in ihrer Mann­schaft tun?

Wenn ein Spieler durch eine Schwalbe der Mann­schaft und dem Verein drei Punkte sichert, dann wird ihn keiner kri­ti­sieren. Ganz im Gegen­teil dann sagt der Trainer noch: Das hast du gut gemacht.“ Ich würde mir das nicht gefallen lassen. Der DFB muss gegen diese Men­schen, die das dau­er­haft machen, ermit­teln. Wenn ich höre, dass der Ver­band keine Mög­lich­keit hat diese Spieler aus­rei­chend zu bestrafen, dann tut es mir leid um den deut­schen Fuß­ball.

Sind Schwalben auch Betrug am Zuschauer?

Jeder würde es doch lieber sehen, wenn diese Spieler gar nicht mehr dabei sind. Die haben doch alle eine Pro­fil­neu­rose. Wenn man nichts anderes ver­sucht, als den Gegner bewusst zu schä­digen, dann ist es doch ver­lo­rene Zeit, mit diesen Spie­lern zu arbeiten. Die Spieler mögen auch andere Qua­li­täten haben, aber ich würde die am liebsten nicht mehr sehen. Wir alle wollen doch krea­tiven und flüs­sigen Fuß­ball. Wenn mir einer erzählt, dass Schwalben heut­zu­tage zum Fuß­ball gehören, dann ver­stehe ich den Fuß­ball nicht mehr.

Glauben Sie, dass manche Spieler Schwalben bewusst trai­nieren?

Da habe ich zu meiner Zeit doch auch mit­be­kommen. Es gibt leicht­fü­ßige Spieler, die wollen gar nicht in den Zwei­kampf gehen. Die wollen ein­fach nur pro­vo­zieren. Die Spieler kriegen so viel Geld in den Hin­tern geblasen und oben­drauf noch ein Ver­dienst­kreuz vom deut­schen Fuß­ball. Aber diese Spieler sind keine rich­tigen Arbeiter. Die ver­su­chen es immer auf die linke Tour. Das ist eine Schande für den Fuß­ball.

Erin­nern Sie sich an eine Schwalbe, die Ihnen beson­ders im Gedächtnis geblieben ist?

Die Schwalbe von Andreas Möller gegen Karls­ruhe werde ich nie ver­gessen. Der hat dafür sogar noch einen Elf­meter gekriegt. Ich war bei dem Spiel zwar nicht auf dem Platz, aber ich habe das später im Fern­sehen ver­folgt. Unfairer geht es nicht.

Haben Sie Andreas Möller einmal darauf ange­spro­chen?

Ich habe später selbst mit Andreas Möller zusam­men­ge­spielt. Er ist ein her­vor­ra­gender Mensch und hatte in Dort­mund dann auch eine schwie­rige Zeit. Doch da bin ich ehr­lich, wenn ich damals sein Gegen­spieler gewesen wäre, dann hätte ich dem ins Gesicht gespuckt. Als Strafe hätte ich dann wohl acht Jahre kein Fuß­ball mehr gespielt. Aber das hätte ich in Kauf genommen. So bin ich eben.