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So könnte eine Kon­takt­an­zeige klingen, die der FC Schalke 04 in den nächsten Wochen in sämt­li­chen Tages­zei­tungen Süd­ame­rikas, Europas und Afrikas schalten müsste, um der aktu­ellen Misere des Ver­eins schnellst­mög­lich ent­gegen zu steuern. Eine solche Maß­nahme ist natür­lich reine Utopie, doch gerade die letzten Fehl­griffe auf dem Trans­fer­markt (Gross­müller, Zé Roberto II, San­chez) dürften zumin­dest Raum für alter­na­tive Ansätze lassen. Dass die Mann­schaft drin­gend einen Impuls braucht, ist nicht zu über­sehen. Trotz der besten Defen­sive der Liga ist der Vor­jah­res­dritte mitt­ler­weile da ange­kommen, wo er aus spie­le­ri­schen Gesichts­punkten schon seit geraumer Zeit anzu­sie­deln ist – im Mit­tel­feld der Tabelle.

Und so ver­läuft die Saison 2008/09 für die Königs­blauen bisher mit mehr Pro­blemen, als sie es vorher erahnen konnten. Die Neu­ver­pflich­tungen Enge­laar und Farfan wurden als echte Ver­stär­kungen ange­priesen, konnten ihre Vor­schuss­lor­beeren bisher aller­dings höchsten teil­weise erfüllen. Beide scheinen noch nicht ange­kommen in der Liga und im Verein, der sich in schlechten Phasen wie diesen immer als beson­ders unge­müt­lich ent­puppt. Dabei hatte Jef­ferson Farfan bereits zu Beginn der Saison ange­deutet, dass er der lang ersehnte Kreativ- und Tem­po­fuß­baller sein kann, auf den Schalke seit Jahren wartet. Doch im Ver­lauf der Hin­runde baute der Peruaner zuneh­mend ab.

Orlando Enge­laar hin­gegen scheint noch immer nicht mit dem höheren Tempo in der Bun­des­liga klar zu kommen. Feh­ler­haftes Stel­lungs­spiel, man­gel­hafte Ball­an­nahme und unge­naue Pässe sind Anzei­chen von Ver­un­si­che­rung, die so gar nicht zu dem Enge­laar passen, der wäh­rend der EM noch sou­verän das Spiel der nie­der­län­di­schen Natio­nal­mann­schaft ord­nete. Auch die Pfiffe des ner­vösen und zeit­weise über­kri­ti­schen Schalker Publi­kums helfen dem Nie­der­länder nicht, seinen Platz in der Mann­schaft zu finden. Doch Trainer Fred Rutten hält an ihm fest, weil er ihm ver­traut.

Der Stein kommt ins Rollen

Doch dieses Ver­trauen in ihn und in seine Kol­legen scheint mitt­ler­weile so gut wie auf­ge­braucht. Nach der Schlappe in Lever­kusen ließ Rutten erbost ver­lauten, dass er sich Sorgen mache und tief ent­täuscht von seiner Mann­schaft sei. Die war in bei­nahe allen bis­he­rigen Par­tien vor allem durch ihr kaum vor­han­denes Offen­siv­spiel auf­ge­fallen. In einer Liga, in der die Spit­zen­gruppe um Lever­kusen und Hof­fen­heim die Gegner mit Tem­po­dribb­lings, krea­tiven Ideen und über­fall­ar­tigen Kon­tern über­rennt, wirkt das Spiel der Schalker so pomadig wie die Frisur von Kevin Kuranyi.

Die Ver­ant­wort­li­chen werden nervös, weil Anspruch und Rea­lität auf Schalke mal wieder sehr weit aus­ein­ander driften. Es werden neue Wege gesucht, um das Spiel der Mann­schaft und die Stim­mung im Verein zu ver­bes­sern. Neue Spieler sollen her, außerdem soll die Mann­schaft wach­ge­rüt­telt werden. Die ersten Aktionen sorgen aber eher für Unruhe, denn bei schlechten Ergeb­nissen beginnt es in Gel­sen­kir­chen tra­di­tio­nell aus allen Ecken zu rumoren. Unter der Woche mel­dete sich also der Auf­sichts­rats­vor­sit­zende Cle­mens Tön­nies zu Wort und for­derte über den Bou­le­vard min­des­tens zehn Punkte aus den nächsten vier Spielen. Der Mann weiß, wie man den Druck auf eine ohnehin sen­sible und insta­bile Mann­schaft erhöht. Rutten kon­terte prompt: »Ich finde die Aus­sagen von Herrn Tön­nies nicht schlau«, und plä­dierte dafür, diese Dinge zukünftig intern zu regeln. Das scheint auf Schalke aller­dings unmög­lich zu sein.

Der Stein kommt also so langsam ins Rollen und was es heißt, sich auf Schalke mit der oberen Füh­rungs­riege anzu­legen, davon kann Rut­tens Vor­gänger Mirko Slomka ein Lied singen. Fred Rutten sitzt fest im Sattel, den­noch wird auch er auf kurz oder lang an Erfolgen gemessen. Ein kurzer Schreck wird so man­chem Schalker am Montag den­noch durch die Glieder gefahren sein, als das ZDF im »heute journal« fälsch­li­cher­weise ver­mel­dete, dass Peter Neururer neuer Trainer auf Schalke sei. Glück­li­cher­weise hatte dieser gerade seinen Ver­trag in Duis­burg unter­schrieben. Denn bevor Neururer nach Gel­sen­kir­chen zurück­kehrt, würden es die Ver­ant­wort­li­chen wahr­schein­lich doch erst einmal mit einer Kon­takt­an­zeige ver­su­chen.