Seite 2: Asamoah, der emotionale Retter

Meine Ret­tung aus diesem emo­tio­nalen Dilemma trat rund eine halbe Stunde später vor das Mikrofon von Sky. Schon unmit­telbar nach Schluss­pfiff waren Gerald Asa­moah, diesem sonst stetig grin­senden Inbe­griff der guten Laune, die Tränen in die Augen geschossen. Nun, ein­fühlsam vom gebür­tigen Gel­sen­kir­chener und Schalke-Fan Uli Potofski nach dem eigenen Befinden befragt, waren sie immer noch nicht getrocknet. Im Gegen­teil: Gerald Asa­moah, 1999 zu Schalke gewech­selt und dem Klub seitdem ver­bunden, war sicht­lich ange­fasst, rang nach Worten. Er war traurig, ent­täuscht – und wütend. Das ver­suchte er gar nicht erst zu ver­bergen, er ging mit den Spie­lern hart ins Gericht.

Und viel­leicht weil Asa­moah neben Jörg Böhme und Hamit Alt­intop der ein­zige Spieler war, der je als Flock auf mein Trikot durfte, viel­leicht aber auch, weil inten­sive Fuß­bal­lemo­tionen dann eben doch am besten im Kol­lektiv funk­tio­nieren, auch wenn dieses Kol­lektiv nur aus drei Per­sonen besteht, die auch noch durch eine Matt­scheibe getrennt sind, viel­leicht trug all das dazu bei, dass ich an diesem Abend dann doch noch Gefühle ver­spürte, die ich für einen Abstieg als ange­messen erach­tete. Ich will meinen See­len­strip­tease hier nicht bis zur gänz­li­chen Nackt­heit fort­setzen, des­halb sei an dieser Stelle nur so viel ver­raten: Gerald Asa­moah war in diesen Minuten nicht der ein­zige mit Tränen in den Augen.

Vor­freude auf Darm­stadt 98

Und so bleibt am Ende eine Erkenntnis, die eigent­lich gar keine mehr ist, weil sie so viele Fans bereits gewonnen haben. Näm­lich die, dass Geis­ter­spiele dem Fuß­ball den Reso­nanz­rahmen rauben, den wir für das Aus­leben unserer Emo­tionen brau­chen. Es kann schließ­lich nicht immer ein Gerald Asa­moah mit Tränen in den Augen ein­springen.

Von daher freue ich mich fast ein biss­chen darauf , wenn mich hof­fent­lich dem­nächst irgend­wann eine ver­gleichs­weise unbe­deu­tende Last-Minute-Nie­der­lage gegen Darm­stadt 98 in einem vollen Sta­dion emo­tional mehr mit­nimmt als der Abstieg aus der Fuß­ball-Bun­des­liga.