Dieser Text erscheint im Rahmen einer Koope­ra­tion mit dem Tages­spiegel. Ergän­zung von 11FREUNDE: Wie RB Leip­zigs Vor­stands­chef Oliver Mint­z­laff am Mon­tag­mittag gegen­über der dpa sagte, geht der Klub von einer Absage der Spiele gegen Moskau aus. Eine offi­zi­elle Bestä­ti­gung der Uefa dafür gibt es noch nicht.

Es ist immer ein biss­chen anma­ßend, von außen über das Innen­leben eines anderen Men­schen zu urteilen, über seine Wün­sche und seine Gedanken. Das gilt natür­lich auch für Wla­dimir Putin. Aber nach allem, was man von Russ­lands Prä­si­denten zu wissen glaubt, hat er sich die Unter­wer­fung und Ein­ver­lei­bung der Ukraine in sein Reich wohl etwas ein­fa­cher vor­ge­stellt.

Putin hat offenbar weder mit dem Wider­stand der Ukraine selbst gerechnet noch mit dem Behaup­tungs­willen der west­li­chen Welt. Genau diese west­liche Welt aber demons­triert in diesen Tagen bei der Ver­tei­di­gung ihrer Werte und ihrer Lebens­weise eine Einig­keit und Geschlos­sen­heit, die womög­lich nicht nur Putin über­rascht.

Die Reak­tion des Sports war so nicht zu erwarten

Das betrifft im Übrigen nicht nur die Politik, son­dern auch die Wirt­schaft, die Gesell­schaft, die Wis­sen­schaft, die Kultur und – ja: auch den Sport. Gerade weil das so nicht zu erwarten war, ist es umso beein­dru­ckender, dass sich zum Bei­spiel die Fuß­ball­ver­bände aus Polen, Schweden und Tsche­chien wei­gern, in den Play-offs zur WM in Katar gegen die rus­si­sche Natio­nal­mann­schaft anzu­treten.

Noch beein­dru­ckender ist es, dass auch ein­zelne Sportler wie Robert Lewan­dowski diesen Kurs ein­deutig unter­stützen. Hoch bezahlte Profis, denen oft unter­stellt wird, dass sie nur ihren eigenen mone­tären Vor­teil im Blick haben.

Der Zweck von Rasen­ball­sport Leipzig

Leider gibt es auch noch den deut­schen Bun­des­li­gisten Rasen­ball­sport Leipzig, der in der nächsten Runde der Europa League gegen Spartak Moskau spielen soll. Inter­na­tio­nale Soli­da­rität inter­es­siert die Leip­ziger nicht. Und ver­mut­lich ist es nicht ganz falsch, in diesem Zusam­men­hang noch einmal an die Grün­dungs­ge­schichte dieses Ver­eins“ zu erin­nern. Rasen­ball­sport ist nur zu einem ein­zigen Zweck erschaffen worden: um den wirt­schaft­li­chen Erfolg seines Geld­ge­bers zu mehren. Sorry, Leute, nur weil Russ­land gerade ein unschul­diges Land über­fallen hat, können wir unser Geschäfts­mo­dell doch nicht gefährden.

Oder wie es Flo­rian Scholz, der kauf­män­ni­sche Direktor der Leip­ziger, aus­ge­drückt hat: Wir hoffen und ver­trauen schnellst­mög­lich auf eine fried­liche Lösung des Kon­fliktes. Unab­hängig davon wollen wir gegen Spartak gewinnen. Wir sind als ein­ziger Bun­des­li­gist noch in drei Wett­be­werben ver­treten und wollen in all diesen so weit wie mög­lich kommen, denn unser Ziel als nach wie vor junger Verein ist es, uns nach­haltig in den Top 20 Europas zu eta­blieren.“ In Leipzig nennt man das ver­mut­lich: Empa­thie.

Welche Fal­schen es wirk­lich trifft

Trainer Dome­nico Tedesco hat sich eben­falls gegen einen Boy­kott aus­ge­spro­chen: weil die Geschichte zeigt, dass es da immer die Fal­schen trifft: in erster Linie die Sportler und die Fans“. Nur noch mal zur Erin­ne­rung: Die Fal­schen, die es gerade trifft, das sind die Men­schen in der Ukraine, die ver­su­chen, aus ihrem Land zu fliehen, oder in Kel­lern und U‑Bahn-Schächten Schutz vor Rake­ten­an­griffen suchen.

Es ist beschä­mend, dass die Leip­ziger nicht ver­stehen (oder ver­stehen wollen), worum es gerade geht. Wenn sie sich näm­lich, genau wie die Ver­bände aus Polen, Schweden, Tsche­chien und inzwi­schen auch Eng­land, wei­gerten, gegen Mann­schaften aus Russ­land anzu­treten, dann erhöht das vor allem den Druck auf die inter­na­tio­nalen Fuß­ball­ver­bände Fifa und Uefa, sich ein­deutig zu posi­tio­nieren, anstatt sich mal wieder geflis­sent­lich weg­zu­du­cken und darauf zu hoffen, dass sie das Pro­blem irgendwie aus­sitzen können.

Der Sport ist immer gerne poli­tisch, wenn es dem eigenen Image als ver­meint­li­cher Frie­dens­stifter und sozialer Wohl­täter dient. Wenn es aber unge­müt­lich wird, dann kann man gar nicht so schnell gucken, wie die inter­na­tio­nalen Ver­bände ihr Mantra vom angeb­lich unpo­li­ti­schen Sport wieder her­vor­kramen. Dass sie damit immer noch durch­kommen, das liegt leider auch an sol­chen Kon­strukten wie Rasen­ball­sport Leipzig.