Klaus Fischer

Für mich gab es nie ein grö­ßeres Idol als ihn: Uwe Seeler. Als kleiner Junge in Bayern wollte ich immer so sein wie er, Tore schießen wie er, Tore köpfen wie er – und seine Fall­rück­zieher habe ich ja dann später auch ganz gut kopiert… 1968 stand ich Uwe das erste Mal gegen­über, als junger Neu­ling bei 1860 Mün­chen. Er war da schon längst eine deut­sche Fuß­ball­le­gende und beim HSV der abso­lute Chef auf dem Platz. Tri­kots haben wir aber nicht getauscht, jedes ver­schenkte Leib­chen mussten wir damals noch aus eigener Tasche bezahlen und das wollte ich dann doch nicht. Was mir am meisten an Uwe impo­nierte, war seine Stärke im Kopf­ball­spiel. Seine Sprung­kraft, seine Explo­si­vität, seine Prä­zi­sion – all das hat Uwe, genau wie ich, am Kopf­ball­pendel gelernt. Das Pendel – warum gibt es das heute eigent­lich nicht mehr? Ohne das Pendel hätte Uwe viel­leicht nie sein legen­däres Tor im WM-Vier­tel­fi­nale 1970 gegen Eng­land erzielt. Als ich den Treffer damals im Fern­sehen sah, wusste ich sofort: Das hat er mit Absicht getan! Den Ball mit dem Hin­ter­kopf so geschickt ins lange Eck zu lupfen, das konnte wirk­lich nur er. Viel­leicht wird es nie wieder einen so guten Kopf­ball­spieler wie Uns Uwe“ geben. Des­halb: Alles Gute, Uwe, und: Bleib gesund!

Hannes Löhr

Ich kann mir eigent­lich keinen bes­seren Kapitän als Uwe Seeler vor­stellen. Wenn er in der Kabine vor dem Spiel von uns vollen Ein­satz ver­langte, dann sind wir auch gelaufen wie die Wahn­sin­nigen. Warum? Weil Uwe selbst der Ver­rück­teste von allen war. Bei ihm passt die Phrase etwas vor­leben“ wie die Faust aufs Auge. Ich erin­nere mich an eine der ersten Trai­nings­ein­heiten vor der WM 1970 in Mexiko. Es war unglaub­lich heiß und nach gut einer Stunde klappte Peter Diet­rich zusammen. Dia­gnose: Son­nen­stich! Wir übrigen Spieler über­legten, ob wir das Trai­ning auf­grund des bru­talen Klimas nicht lieber abbre­chen sollten. Nur Uwe sagte: Kommt, lasst uns noch ein büschen wei­ter­ma­chen.“ Noch heute sehe ich ihn mit hoch­rotem Kopf über den Trai­nings­platz rennen, er leuch­tete wie eine Glüh­birne. Und wir alle dachten: Der Uwe kippt als Nächster um! Was er natür­lich nicht tat. Uwe ist und war ein­fach nicht klein zu kriegen…

Willi Schulz

Man hat mich gebeten, bei all der Lob­hu­delei auf Uwe, doch auch mal etwas Nega­tives über ihn zu berichten. Tut mir leid, das ist ein­fach unmög­lich. Selbst wenn er uns früher wäh­rend des Spiels oder später in der Kabine zusam­men­stauchte – Uwe konnte man nicht böse sein. Er war ein­fach ein großer Spieler, ein großer Kapitän. 1959 gab ich als junger Spund mein Debüt in der Natio­nal­mann­schaft, ich spielte damals noch bei Union Gün­nig­feld in der fünften Liga. Natür­lich war ich total nervös, aber Uwe, der ja selbst nur ein paar Jahre älter war, nahm mich gleich bei­seite und sprach mir Mut zu. Schon als junger Kerl strahlte er so viel Sicher­heit aus, das hat ihn später zu einem per­fekten Kapitän gemacht.

Dettmar Cramer

Im Februar 1950 saß ich gemeinsam mit Sepp Her­berger auf der Tri­büne, um in Ham­burg ein Spiel der U‑18-Mann­schaften von Schleswig-Hol­stein und Ham­burg zu beob­achten. Neben uns saßen Erwin und Anni Seeler, deren ältester Sohn Dieter für Ham­burg auf dem Platz stand. Dieter machte ein tolles Spiel, also sprach ich Old“ Erwin mein Kom­pli­ment aus: Ihr Sohn ist ein groß­ar­tiger Fuß­baller!“ Das macht mich stolz“, sagte Erwin, doch Mutter Seeler grätschte verbal dazwi­schen: Da sollten sie erst unseren Lütten sehen!“ Der Lütte, das war der kleine Uwe, den alle nur den Dicken“ nannten. Als ich zwei Jahre später in Duis­burg die erste deut­sche Jugend-Natio­nal­mann­schaft auf ein FIFA-Tur­nier in Bel­gien vor­be­rei­tete, war Uwe mit dabei. Er war schon damals unbe­zahlbar. Jürgen Werner, sein Mit­spieler und Kumpel aus Ham­burg, ver­riet mir: Wenn wir zurück­liegen, schi­cken wir immer den Dicken nach vorne.“ Und auch für unsere Jugend-Aus­wahl traf Uwe wie er nur wollte, ein unglaub­li­cher Stürmer! Ich habe ihn in all den Jahren auf seinem Weg begleitet und wenn ich eines weiß über Uwe, dann, dass er immer unglaub­lich zuver­lässig war – in jeder Lebens­lage. Außerdem hatte er einen wun­der­baren Mut­ter­witz. Ich weiß gar nicht mehr, wer lus­tiger war: Sepp Maier oder Uns Uwe“. Natür­lich musste er auch ein­ste­cken. Damals gab es einen Schlager, der hieß: Ach, sag doch nicht immer wieder Dicker zu mir…“ Damit haben wir ihn immer wieder auf­ge­zogen. Ich kann nur hoffen, dass dieses Lied auch an seinem 75. Geburtstag ein­ge­spielt wird – Uwe würde sich freuen!

Max Lorenz

Ich sage immer: Uwe Seeler hat ein­fach keine Fehler, so sehr man auch danach sucht. Na gut, eine Sache hätte ich da schon zu bemän­geln. Als wir unsere Kar­rieren beendet hatten, trafen wir uns häufig auf geschäft­li­cher Ebene – Uwe war ja schon wäh­rend seiner Kar­riere Ver­treter für Adidas. Und immer, wenn er sich bei einem unserer Treffen ver­spä­tete, schob er das ganz gekonnt auf den angeb­lich viel zu vollen Elb­tunnel. Er konnte ja nicht ahnen, dass ich aus sicherer Quelle wusste, dass der Elb­tunnel an diesen Tagen völlig frei war! Aber, lieber Uwe, ich ver­gebe Dir, so einen tollen Kerl wie Dich trifft man ja nicht so häufig. Obwohl: Auf dem Platz konnte Uwe ein rich­tiger Sau­hund sein. Wenn der zum Kopf­ball hoch­ging – meine Güte, was flogen da die Arme durch die Luft! Und dazu diese Sprung­kraft: Wenn wir schon wieder auf dem Rasen lan­deten, stand der Dicke noch immer in der Luft. Einmal, wäh­rend des Derbys zwi­schen meinen Bre­mern und seinen Ham­bur­gern stiegen wir gemeinsam zum Kopf­ball hoch und dieses eine Mal war ich sogar länger in der Luft. Als wir auf den Boden klatschten, fiel ich genau auf ihn drauf. Uwe“, sagte ich, schade, dass Du keine Frau bist!“ Dar­über kann er sich bis heute sche­ckig lachen!

Horst-Dieter Höttges

Ich war am Boden zer­stört. Soeben hatten wir mit 2:4 gegen Eng­land das WM-Finale 1966 ver­loren und wer hatte drei Tore für die Eng­länder gemacht? Mein Gegen­spieler, Geoff Hurst! Wir saßen in der Kabine, alle waren noch geschockt von der Nie­der­lage. Da kam Uwe Seeler zu mir, legte seinen Arm auf meine Schulter und sagte: Horst, alles halb so schlimm. Kopf hoch!“ Das werde ich ihm nie ver­gessen. So freund­schaft­lich ging es bei Punkt­spielen mit unseren Ver­einen natür­lich nicht zu. Werder gegen den HSV – da flogen auch in den Sech­zi­gern die Fetzen! Uwe war ein harter Kno­chen, alleine konnte man wenig gegen ihn aus­richten. Also nahmen ihn Max Lorenz und ich immer in die Dop­pel­de­ckung, spe­ziell bei Eck­bällen – das Seeler-Sand­wich! Und ein wenig Trash-Talk gab es damals natür­lich auch, wenn auch nicht so böse, wie heute. Bei­spiel gefällig? Wenn Uwe am Boden lag, drückte ihm Max gleich einen Spruch: Uwe, lass dich nicht so hängen, ist doch nix pas­siert!“ Harmlos, aber der Dicke hat sich dar­über immer tie­risch auf­ge­regt…

Horst Hru­besch

Als ich 1978 zum Ham­burger SV kam, war Uwes aktive Zeit im Verein natür­lich schon lange vorbei. Dass er im Klub trotzdem noch omni­prä­sent war, lag auch daran, dass sein Haus gleich neben dem Trai­nings­ge­lände stand. Ich werde nie ver­gessen, wie bei einer meiner ersten Übungs­ein­heiten beim neuen Verein plötz­lich dieser kleine Mann mit seinen 41 Jahren im Trai­nings­anzug auf­tauchte und ein­fach mit­mischte! Mein Gott, habe ich gedacht, wie dieser Kleene noch springen kann! Klar, dass auch ich mich in den kom­menden Jahren am Dicken zu ori­en­tieren hatte. Uwe Seeler ist und bleibt der Maß­stab für jeden Stürmer beim Ham­burger SV. Bis heute ist er aller­dings uner­reichbar geblieben. Und das wird wohl auch so bleiben!