Schach-Genie Carlsen will den Fantasy-Premier-League-Titel

Angriff des Superhirns

Schach-Weltmeister Magnus Carlsen wirkt in seiner Kerndisziplin oft unterfordert. Weshalb er nun den Sieg im Fußball-Managerspiel »Fantasy Premier League« anpeilt.

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Dass dieser Magnus Carlsen (29) kognitiv einiges auf dem Kasten hat, ist nichts Neues: Schließlich dominiert er seit rund einem Jahrzehnt die Schach-Szene und ist unangefochtener Weltmeister. Doch mit dem Brettspiel allein ist Carlsens Superhirn scheinbar nicht ausgelastet, weshalb er nun einen weiteren Denksport für sich entdeckt hat. In der laufenden Saison will sich der Norweger zum Champion im virtuellen Fußball krönen – beim weltweit größten interaktiven Managerspiel, der »Fantasy Premier League« (FPL) auf Basis des englischen Fußball-Oberhauses.

Spätestens seit dem zurückliegenden 16. Spieltag ist klar: Magnus Carlsen, der bei dem Online-Managerspiel unter seinem bürgerlichen Klarnamen antritt, meint es ernst: Sein virtuelles Team namens »Kjell Ankedal« schob sich dank einer überragenden Spieltags-Ausbeute von 83 Punkten erstmals unter die Top-5 vor, genauer gesagt: auf Platz 4 – von insgesamt 7,2 Millionen Teilnehmern. Ein Coup, der dem »Mozart des Schach« deutlich mehr Publicity beschert als seine Kerndisziplin, in der Carlsen zurzeit bei den London Chess Classic antritt.

»Magnus macht derlei Dinge nicht bloß aus Spaß«

Dabei erfolgte der Angriff des Superhirns auf die »Fantasy Premier League« zunächst auf leisen Pfoten. Carlsen hatte sich bereits zu Saisonbeginn im vorderen Zehntel der Tabelle festgesetzt, nur: Was heißt das schon bei über sieben Millionen Teilnehmern? Nach sechs Wochen aber tauchte der Weltmeister erstmals in den Top 1.000 auf. Und seitdem schiebt er sich kontinuierlich nach vorne. Runde für Runde – fast so, als folge Carlsen einem geheimen Masterplan, der den ganz großen Sieg nach 38 Zügen (Verzeihung, Premier-League-Spieltagen) vorsieht. »Magnus macht derlei Dinge nicht bloß aus Spaß«, erklärt sein Manager Espen Agdestein, »sämtliche Wettbewerbe, die er bestreitet, will er auch gewinnen. Er ist extrem ehrgeizig.«

Carlsen selbst redet die Geschichte mit dem Managerspiel lieber klein: »Im Schach weiß man hinterher genau, ob man gut war oder sich dumm angestellt hat. Aber es fällt mir schwer, Komplimente für meine Fantasy-Premier-League-Platzierung anzunehmen, die ich letztlich dem Glück verdanke.« Wirklich? Carlsen, dem Kognitionsforscher ein außerordentliches Strategievermögen und einen immensen Gedächtnisspeicher attestieren, zählt schon seit vier Jahren zur Spitze in der »Fantasy Premier League«. Die Saison 2017/18 beendete der Skandinavier unter den Top-3.000. Wie gesagt: von rund sieben Millionen Teilnehmern.