Seite 2: Das Prunkstück wird zur Problemzone

James David Rodrí­guez Rubio hat das Poten­tial zum wich­tigsten Spieler in Mün­chen auf­zu­steigen. Mit Abstand. Das liegt auch am Zustand des Bay­ern­ka­ders. Ohne ihre Lebens­leis­tung und die immer noch regel­mäßig her­vor­ra­genden Auf­tritte schmä­lern zu wollen, haben die Fuß­ball­me­thu­sa­lems Robben und Ribéry (beide 34) auf den Rekord­meister-Außen­bahnen keine lange Zukunft mehr. Gerade die linke Seite mit Ribéry und Alaba lahmt (no pun intended) seit län­gerer Zeit, auch wenn die beiden das gegen Dort­mund effektiv kaschierten. Das ehe­ma­lige Prunk­stück ver­kommt zur Pro­blem­zone.

Der Flü­gel­fokus mit inversen Außen­stür­mern, der beim FCB spä­tes­tens mit der Ver­pflich­tung von Ribéry zum spiel­lei­tenden Para­digma erhoben wurde, muss ein Ende finden. Auch wenn mit King­sley Coman und dem im Sommer zur Mann­schaft sto­ßenden Serge Gnabry bereits poten­ti­elle Nach­folger für die zukünf­tigen Bayern-Hall-of-Famer bereit­stehen, kann der FC Bayern lang­fristig nur weiter so erfolg­reich bleiben wie jetzt, wenn er sich auch tak­tisch ver­än­dert. Denn Still­stand ist bekannt­lich Rück­schritt, auch wenn man sich in Mün­chen mit For­schritt allzu häufig schwer tut.

Dies­be­züg­lich ist der mitt­ler­weile ent­schie­dene Abschied von Jupp Heynckes nach der Saison ein bereits jetzt fest­ste­hender Segen für die Münchner. Ein neuer Trainer, egal ob er Kovac, Nagels­mann oder sonst wie heißt, wird neue Impulse setzen. In einer Liga, die sich dank bedin­gungs­losem Defen­siv­fokus und viru­lenter Under­dog­men­ta­lität immer weiter vom Zen­trum weg­be­wegt, kann der FC Bayern, um erfolg­reich zu arbeiten, nur das Gegen­bei­spiel sein. Dank James Rodrí­guez.

Einer der Besten seiner Genera­tion

Der Kolum­bianer ist nicht nur einer der besten Spieler seiner Genera­tion, er ist auch einer der poly­va­len­testen. Obwohl er sich selbst als Zehner im offen­siven Zen­trum hinter den Spitzen sieht und diese Nummer bis zum Bay­ern­wechsel seit der Jugend auf dem Rücken trug, ist Rodrí­guez viel mehr als das. 

Gegen Dort­mund lief er tiefer im Mit­tel­feld als Sechser auf, auch auf dem Flügel hat er schon gespielt, bei Real kam er eben­falls als fal­sche Neun zum Ein­satz. Seine Technik, seine Geschwin­dig­keit und seine Über­sicht als Spiel­ma­cher sorgten seit jeher für Ver­gleiche mit seinem legen­dären Lands­mann Carlos Val­der­rama, der James auch höchst­per­sön­lich zu seinem Nach­folger erklärte.

Schließ­lich ist James nicht nur Assis­tent, son­dern auch Voll­stre­cker. Ursprüng­lich ein Linksfuß, merkt man bei ihm im Dribb­ling und beim Abschluss keinen Unter­schied zwi­schen links und rechts. Direkte Frei­stöße, Konter, lang vor­be­rei­tete Kom­bi­na­tionen: Der James Bond von Ban­field“, wie ihn ein Sport­portal nach einem Gala­auf­tritt in der argen­ti­ni­schen Liuga mit 19 einmal nannte, stellt eine dau­er­hafte Gefahr für den Gegner. Mitt­ler­weile auch in Mün­chen: In 18 Bun­des­li­ga­spielen sam­melte er 14 Scor­er­punkte.

Im glei­chen Bericht ver­glich das Online-Magazin seinen Spiel­stil mit dem von Cris­tiano Ronaldo – und lag damit kom­plett daneben. Ronaldo und Rodrí­guez teilen zwar einige Cha­rak­te­ris­tika, nicht zuletzt die gemein­same Zeit bei Real Madrid, den unbe­dingten Sie­ges­willen und ein über­bor­dendes Talent, doch von ihrem Stil her sind sie grund­ver­schieden.