Wer zit­tert?
Die Deut­schen. Aber das hat vor allem gesund­heit­liche Gründe. Gleich sieben Natio­nal­spieler hatten vor dem Vier­tel­fi­nale gegen Frank­reich mit den Sym­ptomen einer auf­kom­menden oder abklin­genden Erkäl­tung zu kämpfen. Chris­toph Kramer klagte sogar über Schüt­tel­frost. Aber alles nicht so schlimm: Alle Spieler konnten ges­tern im Mara­cana trai­nieren, sie stehen auch heute gegen Frank­reich zur Ver­fü­gung. Dass der Vier­tel­fi­nal­gegner gar keine kör­per­li­chen Reak­tionen bei den Deut­schen aus­löst, lässt sich aller­dings auch nicht behaupten. Die Ach­tung vor den Fran­zosen ist extrem hoch – und das zurecht. Von den ver­gan­genen neun Spielen haben sie kein ein­ziges ver­loren und sieben gewonnen, bei einer Tor­dif­fe­renz von 28:3. Es ist das erste Mal, dass wir bei dieser WM nicht Favorit sind“, sagt Manager Oliver Bier­hoff. Tor­hüter Manuel Neuer hat bei den Fran­zosen das Gefühl gewonnen, dass das ganze Team auf einer Eupho­rie­welle schwebt“. Bei der WM hat die Équipe tri­co­lore bisher den sta­bilsten Ein­druck hin­ter­lassen. Sie sind relativ sicher“, sagt Neuer. Das ist ein Zei­chen, dass sie im Tur­nier sind.“ Aber das können die Deut­schen ja heute ändern.

Wie wird’s Wetter?
Nach dem Aus­flug ins herbst­liche Porto Alegre (14 Grad) dürfen die Deut­schen heute wieder unter gewohnten Bedin­gungen spielen. Die Inter­net­seite Cli​ma​tempo​.br sagt für Rio de Janeiro bis Ende der Woche Hitze und Sonne vorher, zur Anstoß­zeit werden 31 Grad erwartet. Erkäl­tungs­ge­fahr besteht nicht. Aller­dings lau­tete die Vor­her­sage für Recife zum Spiel gegen die USA: 29 Grad, Sonne.

Wo geht die Reise hin?
Auf jeden Fall nach Santo André – selbst wenn die Deut­schen gegen Frank­reich ver­lieren sollten. Die Vari­ante, nach einer Nie­der­lage direkt von Rio in die Heimat zurück­zu­fliegen, hat die sport­liche Lei­tung ver­worfen. Aus logis­ti­scher Sicht mag das unlo­gisch sein, weil das 800-Seelen-Dorf Santo André nicht gerade als Luft­ver­kehrs­kno­ten­punkt bekannt ist. Die Gründe sind eher psy­cho­lo­gi­scher Natur. Die Spieler sollten vor dem Vier­tel­fi­nale nicht mit gepackten Kof­fern und dem Gefühl des Abschieds ihr Quar­tier ver­lassen. Das wäre ein biss­chen wie Packen im Kopf“, sagt Manager Bier­hoff. Auch die Pla­nung fürs Wei­ter­kommen steht weit­ge­hend. Einen Besuch der Fan­meile in Berlin wird es nur nach dem Gewinn des Welt­po­kals geben. Das kann man den Spie­lern nicht zumuten, dass man nach einem zweiten oder dritten Platz noch mal irgendwo hin­fährt und sich feiern lässt“, sagt Bier­hoff.

Was lernen wir aus der Geschichte?
Wolf­gang Niers­bach, 63, hat nicht nur sämt­liche Län­der­spiele seit Ende des Ersten Welt­kriegs gesehen, er kann auch die Auf­stel­lungen aller deut­schen Natio­nal­mann­schaften run­ter­ras­seln. Schon vor der WM hat der Prä­si­dent des Deut­schen Fuß­ball-Bundes auf einige inter­es­sante his­to­ri­sche Ana­lo­gien hin­ge­wiesen, die Anlass zur Hoff­nung geben. Das heu­tige Vier­tel­fi­nale fällt auf den 60. Jah­restag des Wun­ders von Bern. Würde die Natio­nal­mann­schaft sich fürs Halb­fi­nale qua­li­fi­zieren, spielte sie am 8. Juli. Am 8. Juli 1990 haben die Deut­schen zum bisher letzten Mal den WM-Titel gewonnen. Dum­mer­weise jährt sich heute auch das Halb­fi­nale der Welt­meis­ter­schaft 2006. Sie erin­nern sich? Dort­mund, Ita­lien, die 119. Minute.

Ein Wort zum deut­schen Kapitän …
Eins ist sicher: Philipp Lahm wird spielen. Wo? Das weiß wohl nur der Bun­des­trainer. Geht es nach der Pro­mi­nenz aus Politik, Gesell­schaft und Show­ge­schäft, müsste Lahm in der Vie­rer­kette auf­laufen. Auch das Volk ten­diert eher zu dieser Lösung. Doch Joa­chim Löw hat noch nie demo­kra­tisch über seine Auf­stel­lung abstimmen lassen. Beide Vari­anten – Lahm in der Vie­rer­kette, Lahm im Mit­tel­feld – sind denkbar; für beide gibt es gute Gründe. Der Deutsch­land­trend geht der­zeit eher davon aus, dass Löw vor der öffent­li­chen Mei­nung ein­knickt. Es gibt nie Ent­schei­dungen, die für ewig zemen­tiert sind“, sagt er. Lahms Ver­set­zung in die Vie­rer­kette würde aller­dings bedeuten, dass im zen­tralen Mit­tel­feld die beiden Rekon­va­les­zenten Sami Khe­dira und Bas­tian Schwein­s­teiger auf­liefen. In einem K.-o.-Spiel, das über 120 Minuten gehen kann, wäre das zumin­dest gewagt. Oliver Bier­hoff hat daher vor­sichts­halber schon ver­fügt: In jedem Fall trifft Löw eine fun­dierte Ent­schei­dung.“