Erin­nern Sie sich an das Ach­tel­fi­nale der Welt­meis­ter­schaft 2014 in Bra­si­lien? Uru­guay gegen Kolum­bien? 0:2? Zwei Tore James? Nein? Sollten sie aber. Denn wer die Klasse des James Rodríguez einer- und die von seinem Spiel aus­ge­löste Glück­se­lig­keit ande­rer­seits begreifen möchte, schaut sich am besten das Video seines vierten Tur­nier­tors an. Mit kolum­bia­ni­schen Ori­gi­nal­kom­mentar. Es war der Tag, an dem der Stern von James Rodríguez in voller Pracht am Fuß­ball­himmel auf­ging. 

20 Meter vor dem Tor mit der Brust ange­nommen und mit links Volley unter die Latte geschweißt: Der womög­lich längste Goooooooooool“-Schrei der Lan­des­ge­schichte und der damit ver­bun­dene Total­aus­raster des Kom­men­ta­tors wird James’ großer Fuß­ball­kunst gerade so gerecht. Uru­guays Trainer Óscar Tabárez bezeich­nete den Treffer als eines der groß­ar­tigsten Tore, das die Welt­meis­ter­schaft je gesehen hat“ und James sei der beste Spieler der Welt­meis­ter­schaft.“

Für mich sind die beson­deren Talente jene, die absolut außer­ge­wöhn­liche Dinge tun“, so Tabárez weiter, der Rodríguez in eine Reihe mit Mara­dona, Messi und Suárez stellte. Der Fuß­ball braucht Spieler mit diesen Eigen­schaften.“ Nicht nur der Fuß­ball, son­dern auch die Bun­des­liga.

Der nach­hal­tigste Ein­fluss des Carlo Ance­lotti

Dies soll kein Pro-Bayern-Plä­doyer sein, kein Schön­reden der Lan­ge­weile in Deutsch­lands fuß­bal­le­ri­scher Bel­etage und kein Gut­heißen der totalen Domi­nanz, die im Gegen­teil die Liga zer­rüttet. Dass das Bayern-Regime der Attrak­ti­vität der deut­schen Bun­des­liga nicht zuträg­lich ist, zeigte sich wieder über­deut­lich, als der FC Bayern den BVB, seinen angeb­lich größten Kon­kur­renten, am ver­gan­genen Wochen­ende mit sechs zu null rasierte – und es kaum jemanden über­raschte.

Und den­noch hat sich etwas ver­än­dert im Bay­ern­pa­ra­dies Bun­des­liga. So sehr, dass sich sogar Karl-Heinz Rum­me­nigge, das noto­risch nach­tra­gende Ele­fan­ten­ge­hirn der Säbener Straße, ver­an­lasst sah, über seinen Schatten zu springen. Das war ein sehr sehr guter Transfer, dazu muss ich Carlo Ance­lotti noch einmal beglück­wün­schen“, sagte der Vor­stands­boss vor dem Abflug nach Sevilla zum Vier­tel­fi­nal­hin­spiel in der Cham­pions League.

Tat­säch­lich könnte der Transfer von Rodríguez der nach­hal­tigste Ein­fluss sein, den der Mister auf die Ent­wick­lung des FC Bayern genommen hat, abge­sehen von der Erkenntnis, dass Willy Sagnol nicht zum Chef­trainer taugt. Nach dem Dort­mund-Spiel, in dem James zwei Mal auf­legte und selbst zum zwi­schen­zeit­li­chen 2:0 traf, berich­tete die spa­ni­sche Marca, dass der FCB nach Ablauf der Leihe im Sommer 2019 die Kauf­op­tion über 42 Mil­lionen Euro ziehen wird. 

Sollte das zutreffen – und wenn man den Ver­ant­wort­li­chen in Mün­chen auch nur ein Fünk­chen Geschäfts­sinn und Fuß­ball­sach­ver­stand zutraut, wird das der Fall sein, – wäre es eine weg­wei­sende Ent­schei­dung für die mit­tel­fris­tige Zukunft des großen FC Bayern Mün­chen.