Maître d’hotel (zuvor­kom­mend): Schönen Abend meine Dame, schönen Abend die Herren. Was darf ich Ihnen bringen?
Löw (schnell): Also ich hädde, sam­mama einen Espresso.
Bier­hoff (bestim­mend): Ein Weizen!
Merkel (unsi­cher): Also ich nehm ganz kon­ser­vativ eine Selter. Oder doch ein stilles Wasser? Nee, eine Selter. Ja.

Der Maître d’hotel ver­lässt den Tisch. Merkel folgt ihm in die Küche, die dor­tigen Sterne-Köche sind indi­gniert, lassen sich jedoch wider­willig zusammen mit der Kanz­lerin foto­gra­fieren. Nach einigen Fotos mit viel Gesichts­a­kro­batik lockert Merkel ihre Wangen-Lefzen durch die Oliver-Kahn-Technik und kehrt an den Tisch zurück.

Merkel (erklä­rend): Eine beson­dere Nähe zur überaus erfolg­rei­chen Per­so­nal­mann­schaft ist mir sehr wichtig. Das ist Teil meiner Trans­pa­renz-Kam­pagne.
Löw (wis­send): Ja, Öffent­lich­keits­ar­beit ist aaab­solut wichtig. Das kennen wir von der Natio­nal­mann­schaft schonn au. Man muss au ein­fach nach vorne gehen. Das ist, emo­tional gesehen, ein posi­tives Laufen nach vorn.
Bier­hoff (strebsam): Ja.

Der Maître d’hotel bringt die Getränke.

Merkel (die Fahne in den Wind hän­gend): Hmm, Selter? Ähm, ich nehme dann doch lieber eine Weiß­wein­schorle. Oder doch die Selter? Nee, eine Weiß­wein­schorle. Aber die Selter können sie hier lassen. Oder nee, nehmen sie die Selter doch lieber mit. Ja.
Löw (spreizt schlür­fend den kleinen Finger von der Espresso-Tasse ab): Man­schmal gehd mir das au so: Dass ich net so genau weiß, wen i jetzt bringe solle. Dann frag ich ein­fach den Hansi. Der legt mir au mor­gens die Kla­motten raus und schneidet meine Haare.
Merkel (flö­tend): Das war für mich der Gut­ten­berg! Leider ist er nun in New York. Bis er zurück ist, fahre ich nun nach Polen, dort habe ich wäh­rend der EM einen prima Frisör kennen gelernt.

Der Maître d’hotel bringt eine Weiß­wein­schorle.

Merkel (erfreut): Aaah, meine Weiß­wein­schorle.
Maître d’hotel (freund­lich): Was darf es denn zu essen sein?
Merkel (durch­blät­tert ernst die Spei­se­karte): Also nach ein­ge­hendem Stu­dium der Doku­mente ist für mich der Oggers­heimer Sau­magen alter­na­tivlos.
Löw (unent­schlossen): Also, ich weiß no nicht so genau: vorweg viel­leicht ein Süß­kar­toffel-Erd­nus­süpp­chen mit gebra­tener Gar­nele oder doch lieber Lach­statar auf gerös­tetem Weiß­brot? Als Haupt­speise auf jeden Fall das aus­ch­dra­li­sche Schdrau­ßen­steak mit Rot­wein­zwie­beln. Oder doch die gebra­tenen Jabobs­mu­scheln auf Fen­schel­mousse­line und Roh­milsch­käse? Danach viel­leicht eine Orangen-Bis­kuit-Rolle und gefro­renen Kiwi­schaum mit etwas Grüntee-Gebäck.
Bier­hoff (brav): Ich nehme ein Schnitzel mit Pommes-Ketchup.
Maître d’hotel (abha­kend): Ein Schnitzel Pommes, einmal Pfälzer Sau­magen und was darf es denn nun für sie sein, Mon­sieur?
Löw (pult sinn­lich den Espres­so­satz mit dem Zei­ge­finger aus der Tasse, nimm ihn in den Mund): Also, jetzt weiß ich: Ein Nasen­ko­te­lette vom badi­schen Salz­wie­sen­lamm mit Rot­wein­zwie­beln.
Maître d’hotel (ver­wirrt): Sehr wohl.
Merkel (kurz­ent­schlossen): Vor dem Essen hätte ich noch gerne ein Spar­wasser!

Der Maître d’hotel ver­lässt den Tisch. Eine Gesprächs­pause ent­steht.

Bier­hoff (schüch­tern): …
Merkel (inves­ti­gativ): Wie stehen Sie denn zu schwarz-gelb? Die spielen in letzter Zeit ja ganz gut, oder?
Löw (erklär­bärig): Die sin schon au zweimal in Folge Meister geworden, aber im Moment schein eher Rot-weiß wieder im Auf­wind zu sein.
Merkel (ver­wun­dert): Rot-weiß? Sie meinen Energie Cottbus? Da bin ich ja Ehren­mit­glied. Ich war bereits zweimal im Sta­dion. Danach ist mein Blazer vom Arme-hoch­reißen immer ganz zer­knit­tert. Dann gabs immer Ärger mit Gut­ten­berg. Der war ja Ver­tei­di­gungs­mi­nister und mag alles lieber knit­ter­frei.
Bier­hoff (mit Kloß im Hals): Ich auch.
Löw (streicht sich den Pull­over zurecht): Das findet Hansi au immer sehr wichtig.

Maître d’hotel bringt das Essen. Gefrä­ßige Stille stellt sich ein. Plötz­lich kle­ckert sich Löw mit Rot­wein­zwiebel-Sauce auf den Schal.

Löw (ver­är­gert): Oh nein! Das ist mein ein­ziger Schal. Jetzt setzt Hansi wieder den Stahl­helm auf.
Merkel (belus­tigt): Jaja, die Schwer­kraft. Wissen sie, ich habe ja mal Physik stu­diert.
Bier­hoff (beein­druckt): Oh.
Löw (sti­chelnd): Die können Sonden zum Mars schi­cken und zum Mond fliegen. Aber warum können die nichts erfinden, um Rot­wein­fle­cken raus­zu­kriegen?
Merkel (müt­ter­lich): Ver­su­chen Sie es mal mit Alka-Seltzer. Tablette in Wasser auf­lösen, über den Fleck gießen und fünf bis zehn Minuten ein­wirken lassen. Danach mit einer Bürste abschrubben, den Schal in der Wasch­ma­schine waschen und in der Sonne trocknen lassen.
Löw (beun­ru­higt): Wir boy­kot­tieren alle Bayer-Pro­dukte. Geht das auch mit Par­acet­amol?
Merkel (groß­müt­ter­lich): Aber natür­lich. Sehen sie, es geht uns gut. (pfeift unauf­fällig vor sich hin) Wir können alles.
Löw (bes­ser­wis­se­risch): Außer hoch­deutsch.
Bier­hoff (tunkt vor­sichtig einen Pommes in den Ketchup):

Schwei­gend essen Merkel und die DFB-Männer weiter. Als die Teller leer sind, kommt der Maître d’hotel zum Abräumen.

Maître d’hotel (zuvor­kom­mend): Einen Absa­cker?
Löw (eilig): Obschtler!
Merkel (vor­freudig): Au ja, ich nehme einen Blauen Würger. 
Maître d’hotel (zer­knirscht): Es tut mir leid, aber ich fürchte so etwas haben wir hier in Char­lot­ten­burg nicht.
Merkel (ent­täuscht): Dann nehme ich einen Vodka. Gor­bat­schow. Dop­pelt.
Bier­hoff (schüch­tern): Für mich nicht danke.
Merkel (bereits etwas beschwipst von der Weiß­wein­schorle und dem Spar­wasser): Ach kommen Sie, Genosse Bier­hoff, einen werden sie jawohl trinken können! Sie sind schließ­lich Diplomat im Sport­anzug.
Bier­hoff (ein­ge­schüch­tert): Naja…
Merkel (bestim­me­risch): Der Bier­hoff nimmt auch einen Vodka! Kommen Sie, geht alles auf mich.

Der Maître d’hotel bringt die Getränke.

Merkel (aus­ge­lassen): Auf die Freund­schaft. Auf die Ucker­mark!
Löw (mit­ge­rissen): Auf die Welt­meisch­der­schaft!
Bier­hoff (stößt vor­sichtig an):

Merkel kippt das Glas in einem Zug weg, ent­nimmt aus einer Geld­klammer einen Batzen Scheine und drückt sie dem Maître d’hotel in die Hand. Grußlos ver­lässt sie zusammen mit ihrer Entou­rage den Raum.