Die all­ge­meine Stim­mungs­lage beim tra­di­tio­nellen Neu­jahrs­emp­fang des 1. FC Nürn­berg schwankte Mitte Januar zwi­schen latenter Depres­sion und trot­zigem Zweck­op­ti­mismus. Der Auf­steiger düm­pelte mit mageren elf Punkten am Tabel­len­ende herum und hatte sich in der Bun­des­liga nach ordent­li­chem Start zuneh­mend über­for­dert prä­sen­tiert. ein desas­tröses Trai­nings­lager in Spa­nien machte kaum Hoff­nung auf die Trend­wende. Zudem berich­teten die Medien über­ein­stim­mend von atmo­sphä­ri­schen Stö­rungen zwi­schen der Mann­schaft und ihrem längst nicht mehr unum­strit­tenen Chef­trainer Michael Köllner. Auf­bruch­stim­mung sieht defi­nitiv anders aus. 

Nur Niels Rossow wirkte inmitten der kol­lek­tiven Tris­tesse wie ein Schüler, der nor­ma­ler­weise Vor­rü­cken gefährdet“ im Zwi­schen­zeugnis stehen hat, diesmal aber bereits ahnt, dass die Dinge gere­gelt sind. Das Jahr 2018 hat viel dazu bei­getragen, dass der Verein nahezu kon­so­li­diert ist“, froh­lockte Nürn­bergs Finanz­vor­stand voller Stolz. Der Club, befand Rossow, sei sozu­sagen über den Berg“. Zumin­dest in der Topo­grafie der roten und schwarzen Zahlen.

Baders Hara­kiri

Nun bestä­tigte die DFL diese Ein­schät­zung: Die Lizenz für die kom­mende Saison wurde ohne Auf­lagen oder Bedin­gungen erteilt – dank eines signi­fi­kant posi­tiven Eigen­ka­pi­tals“. Letzt­mals war das den Franken 2007 gelungen, im Jahr des rausch­haft gefei­erten DFB-Pokal­sieges. Nach diesem Tri­umph manö­vrierte sich der Verein peu à peu in eine Situa­tion, die ihn nicht zum ersten Mal in seiner His­torie an den Rande des Ruins bringen sollte. 

Schon nach dem Abstieg 2008 war der Alt­meister in finan­zi­elle Schief­lage geraten. Sie spitzte sich zu, als der viele Jahre durchaus als seriöser Stra­tege auf­ge­fal­lene Sport­vor­stand Martin Bader nach dem erneuten Abstieg 2014 jeg­li­ches Maß verlor und beim Ver­such, die sofor­tige Bun­des­liga-Rück­kehr zu erzwingen, einen ris­kanten Hara­kiri-Kurs fuhr.

Kon­zept? Fehl­an­zeige!

Mil­lio­nen­trans­fers und eine für die 2. Liga völlig über­teu­erte Mann­schaft belas­teten die Kassen, der sport­liche Erfolg aber blieb aus. Zudem schwebte das Damo­kles­schwert einer Fan-Anleihe über dem Verein: Auf diese Weise hatten Bader & Co. mal eben über sechs Mil­lionen Euro gene­riert, um sich auf dem Ver­eins­ge­lände am Valz­ner­weiher ein schmu­ckes Ver­wal­tungs- und Funk­ti­ons­ge­bäude hin­stellen zu können. Ein trag­fä­higes Kon­zept für die im April 2016 fäl­lige Rück­zah­lung samt Zinsen hatte sich der dama­lige Finanz­chef Ralf Woy dum­mer­weise nicht über­legt, was eine hek­tisch voll­zo­gene Anschluss­fi­nan­zie­rung zu hor­renden Kon­di­tionen nötig machte – und sogar die Lizenz­er­tei­lung gefähr­dete.