Auf­reger des Monats: Mat­thias Sammer
Einen Tag nach dem EM-Finale, gerade als man dachte, die Fuß­ball­welt ließe einen nun erstmal ent­spannen, tauschte Ex-Feu­er­kopf und Ab-und-zu-noch-Motzki Mat­thias Sammer seinen Job beim DFB gegen den Sport­di­rek­to­ren­posten beim FC Bayern Mün­chen. Schnell stand die Frage im Raum, ob die Anwe­sen­heit des Alpha­tier­chens Sammer an der an Alpha­tieren nicht eben armen Säbener Straße tat­säch­lich eine gute Idee sei oder ob nur eine Frage der Zeit, bis sich die FCB-Granden mit den Geweihen ver­haken würden. Nachdem der Rekord­meister pro­blemlos durch die Hin­runde glitt wie ein warmes Messer durch die Butter, lässt sich kon­sta­tieren: Das war eine sehr gute Idee.

Spieler des Monats: Andres Iniesta
Andres Iniesta gehört seit Jahren zum Aller­feinsten, was der Fuß­ball zu bieten hat. Der kleine Spa­nier mit dem bläss­li­chen Gesicht ist nicht nur im Mit­tel­feld des FC Bar­ce­lona unver­zichtbar, son­dern war auch beim erneuten Tri­umph der Spa­nier bei der Euro­pa­meis­ter­schaft die prä­gende Figur. Wurde wäh­rend der EM noch Ita­liens Andrea Pirlo gehyped, zeigte Iniesta dem alternden Sechser der Ita­liener beim 4:0 im Finale, wer im Welt­fuß­ball die Hosen anhat. Völlig zu Recht wurde Spa­niens Nummer 6 nach dem 4:0‑Sieg zum Spieler des Tur­niers“ gewählt.

Video des Monats
Kennen Sie den? Nein? Der Stümer mit dem volks­nahen Kreis­liga-Bauch ist Leslie Davies, ein wali­si­scher Stürmer von Bangor City, hier bei seinem Sieg­treffer gegen den Liga­kon­kur­renten mit dem Fan­ta­sie­namen Caersws 07. Aber Davies ist nicht ein­fach irgendein Angreifer, der unbe­holfen über die acke­rigen Plätze der unter­klas­sigen wali­si­schen Liga stol­pert. Er ist eine prä­gende Figur des Spiel­be­triebs und wurde des­halb in die Favo­ri­ten­liste für Europas Fuß­baller des Jahres“ nomi­niert, neben Fuß­ball­größen wie Lionel Messi und Chris­tiano Ronaldo. Mög­lich wurde das durch Jour­na­list Dave Jones, dem die Wali­si­sche Liga zu wenig Auf­merk­sam­keit bekam. Herr­lich absurd.

Schlag­zeile des Monats: Mara­dona igno­riert seine Ent­las­sung“
Der Trainer Mara­dona ist vom Glanz des Spie­lers Mara­dona so weit ent­fernt wie die 11FREUNDE-Redak­tion von Al-Wasl. Genau dort endete näm­lich Mitte Juli Mara­donas Trai­ner­tä­tig­keit. Das El Diéz“ den eigenen Abstieg nicht so richtig mit­be­kommmen hat und sich der Trainer Mara­dona im Selbst­ver­ständnis Mara­donas nicht vom Spieler Mara­dona unter­scheidet, zeigt seine Reak­tion auf die Ent­las­sung. Mara­dona wei­gerte sich näm­lich schlicht, den Trai­ner­posten zu ver­lassen. Er habe nicht die Absicht, seinen Posten zu räumen, ließ Mara­dona wissen. Wie es sich für einen ego­zen­tri­schen Welt­klas­se­mann gehört, teilte er dies der Öffent­lich­keit natür­lich stil­si­cher per Kom­mu­niqué mit. Half aber auch nichts, Schluss war trotzdem.

Auf­reger des Monats: Javi Mar­tinez
Kurz vor Trans­fer­schluss war es dann so weit: Javi Mar­tinez wech­selte nach einigem Hick­hack von Ath­letic Bilbao zum FC Bayern Mün­chen und wurde zum neuen Rekord­transfer der Bun­des­liga. Für lächer­liche 40 Mil­lionen Euro gönnten sich die Bayern den spa­ni­schen Mit­tel­feld­mann, der gemeinsam mit Bas­tian Schwein­s­teiger eine Dop­pel­sechs der Extra­klasse bilden soll. Bayern-Präsi Uli Hoeneß ver­wies rela­ti­vie­rend auf das Ent­ge­gen­kommen Mar­tinez in Sachen Gehalt, was den Transfer ja güns­tiger gemacht habe. So langsam kommt der Spa­nier beim FCB dann auch in Fahrt. Aber 40 Mil­lionen? 

Spieler des Monats: Marco Reus
Marco Reus ist so etwas wie das teu­erste Eigen­ge­wächs der Fuß­ball­ge­schichte: In der BVB-Jugend als zu leicht befunden, wählte Reus den Umweg über Ahlen und Borussia Mön­chen­glad­bach, um als kom­mender Welt­klas­se­mann von seinem Jugend­verein rück­ver­pflichtet zu werden. Die hohe Ablö­se­summe ist aber eigent­lich auch egal, denn Reus ist jeden Cent wert. Nach einer über­ra­genden Saison mit Borussia Mön­chen­glad­bach knüpfte Reus bei Borussia Dort­mund nahtlos an seine Leis­tungen in der Vor­saison an und wurde absolut zu Recht zum Spieler des Jahres“ gewählt. Grund genug, bei uns Spieler des Monats zu sein.

Video des Monats
Nur wer sich hohe Ziele setzt, kann auch viel errei­chen. Oder so. Viel­leicht aber auch nicht. Mit­unter fällt man auch sehr tief, wenn die Ziele hoch sind. In beein­dru­ckender Manier macht das gerade die TSG Hof­fen­heim vor. Mit Trainer Markus Babbel und einem finanz­kräftig auf­ge­rüs­teten Kader um Natio­nal­keeper Tim Wiese in die Saison gestartet, hieß die Ziel­set­zung eigent­lich Inter­na­tio­nales Geschäft“. Beim ersten Pflicht­spiel gegen den viert­klas­sigen Ber­liner AK setzte es aber gleich die erste Bauch­lan­dung. Und was für eine: 0:4 ließ sich die TSG von den Halb­profis ver­kloppen, die höchste Nie­der­lage eines Bun­des­li­gisten gegen einen Regio­nal­li­gisten in der Geschichte des DFB-Pokal. Um aus­rei­chend Spott musste sich die TSG anschlie­ßend keine Sorgen mehr machen. In der Liga läuft es seither auch, nunja, bescheiden. Der Anfang vom Ende des Pro­jektes Hof­fen­heim“? Viel­leicht.

Schlag­zeile des Monats: Guer­rero: Ich war mein Geld wert“
Für Lacher in der Redak­tion sorgte im August Paolo Guer­rero, der nach seinem Wechsel vom Ham­burger SV zu Corin­thians Sao Paulo wissen ließ, dass sein Gehalt von 4 Mil­lionen, das er beim HSV jähr­lich ein­strich, absolut ange­messen gewesen sei. Würden Jahr­hun­dert­grät­schen gegen geg­ne­ri­sche Tor­hüter, Fla­schen­würfe in die Gesichter von Fans und ein lau­siger Fri­su­ren­ge­schmack den Markt­wert mit­be­stimmen, hätte Guer­rero auch nicht unbe­dingt Unrecht. Rein fuß­bal­le­risch waren seine Jahre beim HSV eher mau.

Auf­reger des Monats: Kevin Pez­zoni
Ende August löste der 1. FC Köln den Ver­trag mit Mit­tel­feld­spieler Kevin Pez­zoni auf, Anfang Sep­tember wurde bekannt, warum: Pez­zoni war nach dem Spiel gegen Aue, das der FC mit 0:2 ver­loren hatte, von ein paar Idioten vor seiner Haustür belei­digt und bedroht worden. Dass der FC sich nicht hinter den Spieler stellte, son­dern ihn tatenlos aus dem Verein mobben ließ, ist mehr als bedenk­lich. Höhe­punkt der trau­rigen Geschichte war der Anruf eines der Mob­bing-Draht­zieher bei TV/­Radio-Talker Domian“. Das 21-jäh­rige Köln-Mit­glied hatte die Face­book-Gruppe Pez­zoni & Co auf­mi­schen“ gegründet und faselte bei Domian“ davon, er habe„Anreize setzen“ wollen. Pez­zoni ist seit diesem Anreiz übri­gens ver­einslos.

Spieler des Monats: Szabolcs Huszti
Der Mann legte los wie die Feu­er­wehr. An den Spiel­tagen zwei, drei und vier netzte der nach Han­nover zurück­ge­kehrte Mit­tel­feld­mann drei mal selbst ein und legte volle sieben Tore auf – eine statt­liche Quote. In jeder Hin­sicht ein Höhe­punkt war dabei das Siegtor des Ungarn im Nord­der­by­chen gegen Werder Bremen, als Hustzi eine Flanke in der Nach­spiel­zeit per lehr­buch­haftem Seit­fall­zieher zum 3:2 ver­wer­tete. Beim fol­genden Jubel zog sich Huszti zunächst das Trikot aus, um anschlie­ßend auf den Zaun zu klet­tern und mit den Fans zu jubeln. Beides ist aller­dings ver­boten und so wurde beides mit Gelb und also Gelb-Rot geahndet. Match­winner und Depp des Spiels quasi zeit­gleich zu werden, schafft auch nicht jeder. Scor­er­mäßig hat Huszti seither übri­gens stark abge­baut.

Video des Monats
Gut, es han­delt sich nur um die dritte däni­sche Liga und damit nicht um die große Fuß­ball­bühne. Und den­noch: Die 93. Minute des Spiels BK Frem gegen Bir­kerod ist etwas Beson­deres. Frems Keeper mit dem ast­reinen Fuß­bal­ler­namen Jakob Kohler Hansen sprintet beim Stande von 0:1 in den geg­ne­ri­schen Straf­raum, um bei der wohl letzten Aktion des Spiels, einer Ecke, für Ver­wir­rung zu sorgen. Die Ecke selber wird noch gerade eben aus dem Sech­zehner geköpft. Aber dann:

Schlag­zeile des Monats: Die Leute sollen auf der Tri­büne Kinder zeugen“
Inno­vativ ist der Bei­trag von Kölns Trainer Holger Sta­nis­lawski zur Sicher­heits­de­batte im deut­schen Fuß­ball. Anstelle von Ben­galos und der ach so schlimmen Sta­di­onge­walt for­derte Stani“ im Inter­view mit der Sport­Bild“ mehr Lei­den­schaft auf den Rängen: Die Leute sollen doch im Sta­dion jubeln, trauern, schimpfen, sich in den Armen liegen oder Kinder zeugen auf der Tri­büne“. Finden wir in der 11FREUNDE-Redak­tion, wo die meisten ohnehin ohne Hose zur Arbeit kommen, auch. Also Unter­körper frei und ab ins Sta­dion.