Seite 2: Bürgerkriegsähnliche Zustände in Teilen des Landes

Doch selbst wenn man diesen Worten Glauben schenkt, lässt sich ein viel grö­ßeres Pro­blem nicht so ein­fach schön­reden: Die poli­ti­sche Situa­tion ist mehr als instabil. Paul Biya regiert Kamerun seit mehr als drei Jahr­zehnten und denkt gar nicht daran, seine Macht abzu­geben. Erst an diesen Sonntag fand eine Prä­si­dent­schafts­wahl statt, die ihm seine siebte Amts­zeit garan­tieren soll. Auch wenn das Ergebnis erst zum 22. Oktober erwartet wird, gehen die meisten Beob­achter davon aus, dass er ein wei­teres Mal im Amt bestä­tigt wird. Doch bei allen Kame­ru­nern beliebt ist er des­halb nicht.

Seit das Land Ende der 1960er Jahre von Frank­reich unab­hängig wurde, ist die Gesell­schaft zwi­schen der fran­ko­phonen Mehr­heit und der anglo­phonen Min­der­heit tief gespalten. Im Westen, wo unter anderem der Spielort Limbé liegt, kommt es des­halb immer wieder zu gewalt­samen Pro­testen. Die Bevöl­ke­rung spricht dort mehr­heit­lich eng­lisch und fühlt sich von der Regie­rung unge­recht behan­delt. Bei Kämpfen zwi­schen bewaff­neten Grup­pie­rungen und Sicher­heits­kräften der Regie­rung starben alleine in diesem Jahr 400 Men­schen.

Dass die CAF bei einer ange­spannten Sicher­heits­lage in einem Aus­rich­ter­land wenig Spaß ver­steht, hat der Ver­band in den letzten Jahren unter Beweis gestellt. Libyen, dass erst für den Afrika-Cup 2013 und dann 2017 vor­ge­sehen war, wurde die Aus­rich­tung des Tur­niers zweimal ent­zogen, nachdem das Land im Jahre 2011 durch die NATO-Inter­ven­tion und den anschlie­ßenden Sturz von Prä­si­dent Muammar-al Gad­dafi im Chaos ver­sank.

Vor­bild Elfen­bein­küste?

Auch 2015 wurde das Gast­ge­ber­land wenige Wochen vor dem Eröff­nungs­spiel geän­dert, als Marokko sich aus Angst vor der Ebola-Epi­demie im Westen des Kon­ti­nentes als Aus­richter zurückzog. Äqua­to­ri­al­guinea sprang damals ein. Diesmal könnte die Situa­tion genau anders herum sein, denn Marokko gilt neben Ägypten und Süd­afrika als hei­ßester Alter­na­tiv­kan­didat für den kom­menden Juni.

Laut des fran­zö­si­schen Aus­lands­ra­dio­sen­ders RFI könnte ein Kom­pro­miss zwi­schen Kamerun und CAF nun die Wogen glätten. Da die Sta­dien zwar nicht mehr recht­zeitig fertig werden, die Bau­ar­beiten aber den­noch zu weit fort­ge­schritten sind, um dem Land den Cup gänz­lich zu ent­ziehen, soll nun eine Ver­schie­bung der Aus­rich­tung Kame­runs für 2021 oder 2023 im Raum stehen. Aller­dings müssten die Elfen­bein­küste oder Guinea als Aus­richter dieser Tur­niere diesem Sze­nario zustimmen. Ansonsten würde Kamerun den Cup end­gültig ver­lieren.

Aber viel­leicht erin­nern sich die ivo­ri­schen Ver­bands­ver­treter ja daran, wie nach der erfolg­rei­chen WM-Qua­li­fi­ka­tion im Jahre 2005 in ihrem damals bür­ger­kriegs­ge­plagten Land die Waffen plötz­lich ruhten. Ein wun­der­bares Bei­spiel dafür, dass der Fuß­ball in Zeiten, wo die Politik machtlos wirkt, die Men­schen zusam­men­bringen kann. Und genau das könnte für Kamerun ein Hoff­nungs­schimmer sein.