Die Pres­se­mit­tei­lung des Exe­ku­tiv­ko­mi­tees des Afri­ka­ni­schen Fuß­ball­ver­bandes (CAF), das Ende letzten Monats in der ägyp­ti­schen Küs­ten­stadt Sharm El Sheikh tagte, liest sich unmiss­ver­ständ­lich. Von mas­siven Ver­spä­tungen in den Bauten der not­wen­digen Infra­struk­turen“ sowie Sicher­heits­be­denken“ ist dort die Rede. Ver­liert Kamerun des­halb die Aus­tra­gungs­rechte des Tur­niers im nächsten Jahr? Eine Exper­ten­kom­mis­sion, bestehend aus Ver­tre­tern der inter­na­tional tätigen Mün­chener Unter­neh­mens­be­ra­tungs­ge­sell­schaft Roland Berger“ sowie Funk­tio­nären der CAF und der FIFA, soll nun nach Kamerun reisen, um sich einen Über­blick über Sicher­heits­fragen sowie den Stand der Dinge bei Stadion‑, Hotel- und Stra­ßen­bauten zu ver­schaffen. Ende November soll dann die finale Ent­schei­dung über den Aus­tra­gungsort gefällt werden. Doch wie wahr­schein­lich ist das Worst-Case-Sze­nario für Kamerun?

In der Haupt­stadt Yaoundé, wo der Fuß­ball­ver­band des Landes (FECA­FOOT) seinen Sitz hat, gibt man sich betont gelassen: Ich kann Ihnen mit an Sicher­heit gren­zender Wahr­schein­lich­keit sagen, dass unser Land bereit sein wird, das Tur­nier aus­zu­tragen.“, wird der hoch­ran­gige Funk­tionär Happi Dieud­onné unter anderem in der Pariser Sport­zei­tung L’Équipe“ zitiert. Auch Roger Milla, der über hun­dert Län­der­spiele für Kamerun bestritt und mitt­ler­weile als Sport­be­rater des Staats­prä­si­denten Paul Biya arbeitet, ist sich sicher: Alles wird recht­zeitig fertig“. Doch unter anderem auf­grund der kli­ma­ti­schen Bedin­gungen werden die Bau­ar­beiten erschwert. Dazu kommen erheb­liche finan­zi­elle Schwie­rig­keiten des Ver­bandes, die bis zur Aus­set­zung des natio­nalen Liga­be­triebes geführt haben.

Erhö­hung der Teil­neh­mer­zahl

Im Haupt­quar­tier der CAF bei Kairo wird man des­halb langsam nervös. Die Lage wird dort unter anderem von Ver­bands­chef Ahmad Ahmad sehr viel ernster ein­ge­schätzt. Dieser äußerte sich im Anschluss an ein Treffen mit Prä­si­dent Biya noch deut­li­cher als das Exe­ku­tiv­ko­mitee: Uns wird vor­ge­worfen, wir wären durch unsere Anfor­de­rungen, die wir an ein Gast­ge­ber­land stellen, an dieser Situa­tion schuld. Dabei sind es die Kame­runer selbst, die das Bild ihres Landes beschmutzen!“.

Dass das Tur­nier erst­mals mit 24 statt 16 Mann­schaften aus­ge­tragen wird, ver­ein­facht die ganze Sache nicht wirk­lich. Wo sollen die Teams unter­ge­bracht werden? In wel­chen Sta­dien sollen alleine 36 Vor­run­den­spiele statt­finden? Dazu kommt, dass die Spiel­orte mit­unter weit aus­ein­ander liegen. Alleine die Städte Limbé und Garoua trennen 1500 Kilo­meter, was bei den häufig schwie­rigen Stra­ßen­ver­hält­nissen im west­afri­ka­ni­schen Land durchaus her­aus­for­dernd sein kann. Für FECA­FOOT Funk­tionär Dieud­onné kein Grund zur Sorge, er ver­si­chert in einer Stel­lung­nahme, dass bisher viel erreicht wurde“ und man auch die Felder, in denen es der­zeit noch Ver­zö­ge­rungen gebe, schnell auf­holen werde.

Doch selbst wenn man diesen Worten Glauben schenkt, lässt sich ein viel grö­ßeres Pro­blem nicht so ein­fach schön­reden: Die poli­ti­sche Situa­tion ist mehr als instabil. Paul Biya regiert Kamerun seit mehr als drei Jahr­zehnten und denkt gar nicht daran, seine Macht abzu­geben. Erst an diesen Sonntag fand eine Prä­si­dent­schafts­wahl statt, die ihm seine siebte Amts­zeit garan­tieren soll. Auch wenn das Ergebnis erst zum 22. Oktober erwartet wird, gehen die meisten Beob­achter davon aus, dass er ein wei­teres Mal im Amt bestä­tigt wird. Doch bei allen Kame­ru­nern beliebt ist er des­halb nicht.

Seit das Land Ende der 1960er Jahre von Frank­reich unab­hängig wurde, ist die Gesell­schaft zwi­schen der fran­ko­phonen Mehr­heit und der anglo­phonen Min­der­heit tief gespalten. Im Westen, wo unter anderem der Spielort Limbé liegt, kommt es des­halb immer wieder zu gewalt­samen Pro­testen. Die Bevöl­ke­rung spricht dort mehr­heit­lich eng­lisch und fühlt sich von der Regie­rung unge­recht behan­delt. Bei Kämpfen zwi­schen bewaff­neten Grup­pie­rungen und Sicher­heits­kräften der Regie­rung starben alleine in diesem Jahr 400 Men­schen.

Dass die CAF bei einer ange­spannten Sicher­heits­lage in einem Aus­rich­ter­land wenig Spaß ver­steht, hat der Ver­band in den letzten Jahren unter Beweis gestellt. Libyen, dass erst für den Afrika-Cup 2013 und dann 2017 vor­ge­sehen war, wurde die Aus­rich­tung des Tur­niers zweimal ent­zogen, nachdem das Land im Jahre 2011 durch die NATO-Inter­ven­tion und den anschlie­ßenden Sturz von Prä­si­dent Muammar-al Gad­dafi im Chaos ver­sank.

Vor­bild Elfen­bein­küste?

Auch 2015 wurde das Gast­ge­ber­land wenige Wochen vor dem Eröff­nungs­spiel geän­dert, als Marokko sich aus Angst vor der Ebola-Epi­demie im Westen des Kon­ti­nentes als Aus­richter zurückzog. Äqua­to­ri­al­guinea sprang damals ein. Diesmal könnte die Situa­tion genau anders herum sein, denn Marokko gilt neben Ägypten und Süd­afrika als hei­ßester Alter­na­tiv­kan­didat für den kom­menden Juni.

Laut des fran­zö­si­schen Aus­lands­ra­dio­sen­ders RFI könnte ein Kom­pro­miss zwi­schen Kamerun und CAF nun die Wogen glätten. Da die Sta­dien zwar nicht mehr recht­zeitig fertig werden, die Bau­ar­beiten aber den­noch zu weit fort­ge­schritten sind, um dem Land den Cup gänz­lich zu ent­ziehen, soll nun eine Ver­schie­bung der Aus­rich­tung Kame­runs für 2021 oder 2023 im Raum stehen. Aller­dings müssten die Elfen­bein­küste oder Guinea als Aus­richter dieser Tur­niere diesem Sze­nario zustimmen. Ansonsten würde Kamerun den Cup end­gültig ver­lieren.

Aber viel­leicht erin­nern sich die ivo­ri­schen Ver­bands­ver­treter ja daran, wie nach der erfolg­rei­chen WM-Qua­li­fi­ka­tion im Jahre 2005 in ihrem damals bür­ger­kriegs­ge­plagten Land die Waffen plötz­lich ruhten. Ein wun­der­bares Bei­spiel dafür, dass der Fuß­ball in Zeiten, wo die Politik machtlos wirkt, die Men­schen zusam­men­bringen kann. Und genau das könnte für Kamerun ein Hoff­nungs­schimmer sein.